Wirtschaftswachstum und Ressourcen

Wirtschaftswachstum, definiert als Veränderung des Brutto-Inlandsproduktes (BIP), und Ressourcen hängen unmittelbar zusammen. Werden Produkte oder Dienstleistungen bereitgestellt, so werden dafür Ressourcen benötigt, von denen zumindest ein Teil nicht-regenerative Rohstoffe sind. Dem entgegen wirken Effizienzsteigerungen, durch die mit weniger Ressourceneinsatz das gleiche BIP erzeugt werden kann. In Deutschland hat sich dadurch zwar in den letzten Jahrzehnten die Ressourceneffizienz erhöht, allerdings weniger stark als die Wirtschaft gewachsen ist. Das Ergebnis: unterm Strich werden mehr Rohstoffe verbraucht, man spricht von einer relativen Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch.

Dem gegenüber steht die Vorstellung einer absoluten Entkopplung, bei dem das BIP bzw. die globale Wirtschaftsleistung steigen, ohne dass mehr natürliche Ressourcen verbraucht werden. Die Idee klingt gut, jedoch belegen die Entwicklungen nicht nur in Deutschland, dass zumindest bisher allenfalls eine relative Entkopplung möglich war. Dennoch halten die meisten Wirtschaftswissenschaftler und Politiker am Paradigma des Wirtschaftswachstums fest. Ein Ausbleiben des Wachstums ist ein sicheres Zeichen für eine (nahende) Wirtschaftskrise, mit steigender Arbeitslosigkeit und sozialstaatlichen Kürzungen. Doch muss im Rahmen endlicher natürlicher Ressourcen nicht genau dieses Wachstumsparadigma mit all seinen Implikationen in Frage gestellt werden?

Wirtschaftswachstum wird allgemein mit einer Vergrößerung des Wohlstands und damit des Glücks gleichgesetzt. Doch problematisch ist, dass die Kenngröße BIP „blind“ ist gegenüber Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung. Wird mehr Kohle gefördert und verbrannt, d.h. Natur zerstört und verschmutzt, so wirkt sich das positiv auf das BIP aus. Gleiches gilt, wenn Produkte in kürzeren Intervallen verschleißen und nachgekauft werden müssen. Dabei ist anzumerken, dass eine Steigerung der Produktion bis zu dem Punkt, an dem grundlegende Bedürfnisse befriedigt sind, selbstverständlich das Glück erhöht und erstrebenswert ist.

Eine prinzipielle Kritik an Wirtschaftswachstum und der damit verbundenen Ausweitung des Ressourcenverbrauchs als unumstößliches Ziel und Notwendigkeit scheint zumindest in den hochindustrialisierten Ländern dringend notwendig. Zur weiteren Lektüre sei an dieser Stelle auf Debatten um die Themen Postwachstum, Degrowth und sozial-ökologische Transformation verwiesen.

 

Externe Links:

Kein Wachstum ist auch (k)eine Lösung - luxemburg argumente