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Grüner Güterverkehr in EU nimmt Fahrt auf
EU-News | 26.07.2023
#Mobilität

Grüner Güterverkehr in EU nimmt Fahrt auf

Blick auf Container und Güterbahnhof

Um den ökologischen Fußabdruck des EU-Güterverkehrs zu reduzieren, hat die Kommission ein Gesetzespaket vorgestellt, das unter anderem die Verlagerung von der Straße auf Schiene und Wasserwege fördern soll. Die Bewertung der Gesetzesvorschläge durch Umweltorganisationen und Eisenbahngesellschaften fällt gemischt aus. 

Mit einem Gesetzespaket, das die EU-Kommission am 11. Juli vorgestellt hat, will sie den Güterverkehr in der EU ökologischer machen. Im Greening Transport Package sind drei Gesetze enthalten: 1) Verlagerung des Güterverkehrs hin zu Schienen und Wasserwege, 2) Schaffung von Anreizen zum Kauf emissionsarmer Lastkraftwagen, sowie 3) vereinfachte Berechnung der CO2-Emissionen im Gütertransport.

Mit einem Jahresumsatz von 938 Milliarden Euro und einem Drittel der Emissionen des Straßenverkehrs stellt der europäische Gütertransport eine wichtige Stellschraube in der Reduktion der Gesamtemissionen des Verkehrssektors dar. Auch der intermodale Güterverkehr könnte mit dem Gesetzespaket profitieren. Als solcher wird der Transport von Gütern von mindestens zwei Verkehrsträgern in einer Transportkette verstanden, ohne dass die Güter selbst umgeschlagen werden müssen. Ziel der EU ist es, einen breiten Wechsel vom Güterverkehr auf der Straße zum intermodalen Verkehr bis 2030 (Ziel: 21 Milliarden Tonnen-Kilometer) beziehungsweise bis 2050 (26 Milliarden Tonnen-Kilometer) zu schaffen.

Teil des Gesetzespakets ist zudem die vorgeschlagene Verordnung über die Nutzung von Fahrwegkapazität der Eisenbahn im einheitlichen europäischen Eisenbahnraum [COM(2023) 443/2]. Damit soll die grenzüberschreitende Koordination optimiert werden, um den Schienenverkehr pünktlicher und zuverlässiger zu machen sowie mehr Frachtunternehmen dazu zu motivieren, von der Straße auf die Schiene zu wechseln.

Ökologischer, obwohl schwerer?

Für CO2-freie Lastkraftwagen soll in der EU zudem eine Sonderregel in Kraft treten: Das sieht der Vorschlag der EU-Kommission für Maße und Gewichte im Güterverkehr vor. Von dem neuen Beschluss wären auch Lastwagen im intermodalen Verkehr betroffen, sodass beispielsweise ein „40-Tonner-Null-Emissionsfahrzeug“ zukünftig ein zulässiges Gesamtgewicht von 41 Tonnen haben sowie in Ausnahmefällen sogar bis zu 4 Tonnen mehr auf die Waage bringen dürfte. Berücksichtigt werden soll mit der Neuregelung die schwerere Technologie bei klimaneutralen Lastfahrzeugen, zu deren Kauf und Einsatz die Kommission mit dem Gesetz mehr Anreize schaffen möchte.

Zusätzlich möchte die Kommission die Genehmigungsverfahren für Lastkraftwagen mit besonders langen Ausmaßen und hohen Lasten in Einklang bringen. Verschiedene Maßnahmen in Kombination sollen dafür sorgen, dass bis zum Jahr 2050 die Transporte durch Null-Emissions-Fahrzeuge auf 90 Prozents steigen.

Höhere Standards beim Zählen von Emissionen

Die CountEmissionsEU-Verordnung soll zudem eine Berichtslücke schließen und dabei helfen, Greenwashing zu unterbinden. Die Initiative soll einen Standardrahmen für Frachtunternehmen zur Berechnung ihrer „Tür-zu-Tür-Emissionen“ entwickeln. Eine solche Standardisierung würde die Vergleichbarkeit von Ergebnissen erleichtern und so Greenwashing durch Unternehmen entgegenwirken. Verpflichtend wäre der neue Rahmen allerdings nur für solche Unternehmen, die sich ohnehin für Transparenz entscheiden und ihre Emissionen öffentlich machen oder ihren Geschäftspartnern mitteilen.

Positive Resonanz, aber auch Bedenken  

Die verkehrskritische Organisation Transport & Environment begrüßte den Schritt der EU-Kommission zur Erhöhung der zulässigen Höchstgewichte für Lastkraftwagen, da dies „die Attraktivität von Elektro-Lkw im Fernverkehr für Spediteure und Verlader erhöhen [wird]", so Bernardo Galantini, der Frachtexperte der Umweltorganisation.

Zur geplanten Neuregelung der Grenzüberschreitung von Gigalinern oder „Megatrucks“, also Lastkraftwagen und Lkw-Anhänger-Kombinationen mit bis zu 25 Metern Gesamtlänge, äußerte er sich kritischer: „Längere und schwerere Lkw können nur dann grenzüberschreitend fahren, wenn sie emissionsfrei sind, städtische Straßen meiden und nicht mit der Bahn konkurrieren.“ Aus Sicht von T&E und anderer Kritiker sind Gigaliner aus Sicherheitsgründen im Straßenverkehr kritisch zu beurteilen, insbesondere auf dem Weg von der Autobahn zu Logistikzentren. Auch das Bündnis „Allianz pro Schiene“ argumentiert in einem Grundsatzpapier gegen die sogenannten Lang-Lkws oder Mega Trucks, da diese eine „Gefahr für Verkehr und Umwelt“ seien.

„Sehr besorgt“ hinsichtlich der Zulassung schwererer Nutzfahrzeuge zeigt sich die CER, eine große europäische Eisenbahngesellschaft. Der Vorschlag der EU-Kommission könne zu einer „umgekehrten Verkehrsverlagerung“ führen, die sich zum Nachteil des Schienenverkehrs auswirken würde, so der Geschäftsführer der Eisenbahngesellschaft.

Der EU-Rat und das Europäische Parlament müssen nun in kommenden Verhandlungen zunächst ihre Position zum Vorschlag der EU-Kommission beraten. [mi]

 

Euractiv: So will die EU-Kommission den Güterverkehr klimafreundlicher machen.

Landesvertretung Rheinlandpfalz/Brüssel: Gesetzespaket vorgestellt.

EuropeTable (kostenpflichtig): CO2-freie Lkw dürfen schwerer sein

dpa-Europaticker: EU-Kommission will schwerere Lkw erlauben

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