Landwirtschaft & Gentechnik

Das Wetten auf Nahrungsmittelpreise geht weiter

16.02.2017

Die EU-Abgeordneten haben am Mittwoch gegen strengere technische Vorschriften der Finanzmarkt-Richtlinie votiert. Nahrungsmittelspekulationen können so nicht wirksam bekämpft werden.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam zeigte sich enttäuscht. Größter Kritikpunkt an dem von der EU-Kommission vorgebrachten Vorschlag ist laut Oxfam der zu hohe Grenzwert für die an Börsen gehandelten Waren, sogenannte Commodities wie Mais oder Zucker. Unter bestimmten Bedingungen seien für Termingeschäfte Positionslimits von bis zu 35 Prozent möglich, was bedeute, dass drei Akteure den Markt vollständig kontrollieren könnten. Das Wetten auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln werde damit nicht unterbunden. Die Agrarexpertin von Oxfam Marita Wiggerthale hält ein Positionslimit von 10 bis 15 Prozent für angemessen. Der Kommissionsvorschlag lässt zudem eine Hintertür für zahllose Firmen offen, da Positionslimits nicht zwangsläufig für Mutter- und Tochterunternehmen gelten sollen.

Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, Martin Häusling übte Kritik am gestrigen Abstimmungsergebnis: „Nahrungsmittel gehören per se nicht in die Hände von Börsenspekulanten. Das schädigt Verbraucher und Bauern. Konservative und Liberale haben heute im Parlament gegen strengere Regeln gegen Nahrungsmittelspekulationen gestimmt, das ist ein schlechtes Zeichen. Das Europaparlament hat heute die Chance verpasst, die Finanzmarktregeln gegen Nahrungsmittelspekulationen effektiv und wirksam zu machen und somit der nicht ausreichenden Vorlage der EU-Kommission eine Abfuhr zu erteilen.“ [aw]

Reaktion von Oxfam
EU-Kommission: Übersicht zur Finanzmarkt-Richtlinie
Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments: Verfahrensdokument