Chemie & Nanotechnologie

Chemikalienpolitik: Fortschritt im Schneckentempo

05.09.2019

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat eine Konsultation zu vier besonders besorgniserregenden Substanzen gestartet, drei davon gelten als fortpflanzungsgefährdend. Bis zum 18. Oktober können Interessengruppen Kommentare einreichen. Die zuständigen koordinierenden Länderbehörden sitzen in Österreich in Kooperation mit der Slowakei, in Schweden und in Norwegen.

Eine der Substanzen ist Perfluorbutansulfonsäure (PFBS) und deren Salze. PFBS gehört zu den per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) und kann nicht biologisch abgebaut werden.

Die per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) wiederum will die dänische Regierung laut Medienberichten bis Mitte 2020 in Lebensmittelkontaktmaterialien verbieten. Dem Umweltinformationsdienst ENDS Europe sagten Umweltorganisationen, dass sie das dänische Verbot gern auf EU-Ebene übertragen und als wichtige Aufgabe der nächsten EU-Kommission sähen. Eine Sprecherin der Gesundheits- und Umweltorganisation HEAL erklärte ENDS gegenüber, dass die gesundheitlichen Bedenken bei PFAS so groß und durch Studien so gut dokumentiert seien, dass auch der EU-Umweltministerrat einen europäischen Aktionsplan gefordert habe, um diese Verbindungen nur noch in notwendigen Ausnahmefällen zuzulassen.

Das Gesundheits- und das Umweltministerium in Frankreich haben am Dienstag eine zweite Strategie vorgestellt, um die Bevölkerung und die Umwelt vor Gefahren durch bestimmte Umwelthormone (endokrine Disruptoren) besser zu schützen. Die Strategie ist Teil eines nationalen Umweltgesundheitsplans, der 2020 in Kraft treten soll. Eine aktuelle französische Studie hat gezeigt, dass Schadstoffe des täglichen Lebens wie Bisphenole, Phthalate, Parabene, bromierte Flammschutzmittel und perfluorierte Verbindungen im Körper aller untersuchten französischen Bürger*innen zu finden sind. Fast 70 Biomarker wurden in einer repräsentativen Stichprobe der Gesamtbevölkerung mit 1.104 Kindern und 2.503 Erwachsenen untersucht. Die Studie umfasste biologische Proben (Urin, Serum und Haare) und einen Fragebogen über Lebensgewohnheiten, Lebensmittelkonsum sowie die Merkmale der Teilnehmer*innen. Der EU-Abgeordnete Sven Giegold (Deutschland, Grüne) warnte, dass die getesteten Kinder sogar stärker mit endokrinen Disruptoren belastet seien als Erwachsene und dass dies das empfindliche Hormonsystem erheblich stören könne. Da die Ergebnisse anderen Studien in Europa und weltweit glichen, zeige dies, dass die EU-Regeln bisher nicht ausreichten. [jg]

ECHA-Konsultation  zu

  • 2-benzyl-2-dimethylamino-4'-morpholinobutyrophenone
  • 2-methyl-1-(4-methylthiophenyl)-2-morpholinopropan-1-one
  • Diisohexyl phthalate
  • Perfluorobutane sulfonic acid (PFBS) and its salts

ENDS-Artikel zu PFAS in Dänemark  (kostenpflichtig)

Frankreich - Pressemitteilung zu endokrinen Disruptoren
Studienergebnisse zu 70 Schadstoffen
Reaktion Sven Giegold