Verkehr

Europäischen Güterverkehr auf der Schiene vernetzen und digitalisieren

22.09.2020

c. Michael Gaida | Pixabay

Die EU-Verkehrsminister*innen haben sich dafür ausgesprochen, den grenzüberschreitenden Güterschienenverkehr in der EU weiter zu fördern. Bundesverkehrsminister Scheuer brachte einen „Trans-Europa-Express“ ins Gespräch, während Umweltverbände eine schnelle Umsetzung der Absichtserklärungen forderten.

Mehr Güter auf die Schiene

Unter den Fittichen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft verabschiedeten die Minister*innen am Montag auf einer virtuellen Konferenz die Berliner Erklärung, mit der sie ihre Unterstützung für einen grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr und Schienengüterverkehrskorridore bekunden. Von besonderem Interesse für den europäischen Green Deal sei der Ausbau des Schienengüterverkehrs, da dieser als einer der umweltfreundlichsten Verkehrsträger zur Beförderung von Gütern gelte. Weiter heißt es in der Erklärung: „Die außerordentlich geringen CO2-Emissionen des Schienengüterverkehrs als Folge der breiten Verwendung elektrischer Antriebe, der dem Eisenbahnsystem innewohnenden hohen Energieeffizienz, der Eignung für große Transportvolumina und weiterer umweltfreundlicher Antriebssysteme ermutigen uns, die Entwicklung hin zu einem vollständig kohlenstoffneutralen Schienengüterverkehr weiterzuführen.“ Zusätzlich müsse der Lärmschutz verbessert werden, was den „Umweltvorteil“ im Vergleich zu anderen Fortbewegungsmitteln noch steigern werde.

Mit dem Express kreuz und quer durch Europa

Dem Konzept zum „TransEuropExpress 2.0“ (TEE 2.0) zufolge sei dieser ein Symbol für den Zusammenhalt und das weitere Zusammenwachsen in Europa. Zugeschnitten auf Deutschland ließen sich der TEE 2.0 und mehr Nachtzüge für den Personenverkehr im Deutschlandtakt integrieren. Trassen zulasten des Güterverkehrs würden nicht gebraucht. Ziel sei es, nationale schnelle Bahnverbindungen zu internationalen Linien mit hoher Nachfrage bei gleichzeitig geringem zusätzlichen Trassenverbrauch in den jeweiligen Binnennetzen zu verbinden.

Mehr als Lippenbekenntnisse – Renaissance des Schienenverkehrs

Das gemeinnützige Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene (ApS) begrüßte die Berliner Erklärung und die Unterstützung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für einen „Trans-Europa-Express“ zwischen Großstädten als „wichtige politische Rückendeckung für einen besseren Bahnverkehr in Europa“. Aus Sicht der ApS sei die Digitale Automatische Kupplung (DAK) eine Schlüsseltechnologie. Für deren Förderung müssten die EU-Verkehrsminister*innen das Jahr 2030 als verbindliches Datum festlegen, ab dem in Europa alle Güterwagen digital und automatisch kuppeln müssen. Dafür brauche es einheitliche technische Standards und eine faire Verteilung der Kosten zwischen Unternehmen und EU-Staaten.

Philipp Kosok, Sprecher für Bahnverkehr des ökologischen Verkehrsclubs VCD, betonte die Bedeutung eines von Bundesverkehrsminister Scheuer angekündigten TEE für die EU: „Ein neuer Trans-Europa-Express, der alle Hauptstädte und Metropolen verbindet, ist unentbehrlich um den europäischen Green Deal auch im Verkehr umzusetzen. Außerdem kann er das lang gesuchte Projekt werden, das wieder deutlich macht, wofür es eine Europäische Union braucht: Um Grenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen. Dafür reichen reine Lippenbekenntnisse der Verkehrsminister nicht.“

Vor der Konferenz hatten zivilgesellschaftliche Organisationen aus Deutschland (Germanwatch), Polen (The Civil Affairs Institute), Frankreich (France Nature Environnement), Spanien (ECODES und Eco-union) und Brüssel (Transport & Environment) in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine „Renaissance des europäischen Schienenverkehrs“ plädiert. Dies wäre ein Gewinn für die wirtschaftliche Erholung, für den europäischen Zusammenhalt und für das Klima. Fünf konkrete Maßnahmen schlagen die Organisationen vor, um den grenzüberschreitenden Schienenverkehr in Europa gezielt zu fördern: 1) Suchen und Buchen vereinfachen, um die Nachfrage anzukurbeln, 2) Planung und Management von internationalen Verbindungen europaweit vereinheitlichen, 3) neue internationale Verbindungen aufbauen, 4) eine Europäische Investitionsinitiative 'Renaissance of Rail - Connect Europe' ins Leben rufen und 5) faire Wettbewerbsbedingungen durch Steuerreformen schaffen.

2021 ist bereits zum europäischen Jahr der Schiene (Year of the Rail) auserkoren worden.

Der nächste formelle Verkehrsrat unter deutschen Ratsvorsitz findet voraussichtlich am 28. September statt. [aw]

BMVI: EU-Schienengipfel: „Innovativer Schienenverkehr – vernetzt, nachhaltig, digital“ am 21.9.2020 

Ministererklärung. Schienengüterverkehrskorridore: Die Zukunft des Schienengüterverkehrs in Europa   

Konzept zum TEE 2.0 des Bundesverkehrsministeriums  

Allianz pro Schiene: Wichtige Rückendeckung für Bahnverkehr in EU 

VCD-Pressekommentar: Mit dem Zug schnell und bequem durch Europa: VCD fordert zum Schienengipfel mehr als Lippenbekenntnisse 

Germanwatch: Leveraging the Rail Summit to prepare for a European Rail Renaissance