Verkehr

Ein Brief, eine Resolution und fünf Berichte rund um emissionsarme Mobilität

29.04.2021

c. Pixabay (Bildausschnitt)

Ein Verkaufsverbot für Verbrenner ab 2035 fordern große Konzerne – und Transport & Environment. Der Umweltverband schaut außerdem genauer auf Elektro-Lkws, Plug-In-Hybride, Importe von Altspeisefetten in die EU und alternative Schiffskraftstoffe. Auch das EU-Parlament drängt auf klimafreundlichen Seeverkehr.

Konzerne pro Verbrenner-Verkaufsverbot

Bis spätestens 2035 sollen die EU-Institutionen ein Verkaufsverbot für neue Pkws und leichte Nutzfahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren, einschließlich Hybrid-Fahrzeugen, durchsetzen. Das fordern Dutzende transnationale Konzerne in einem offenen Brief an die EU-Kommission, das EU-Parlament und den Rat der EU. Neben der Aufforderung an die EU, das „flottenweite CO2-Ziel auf 0 Gramm CO2/km“ ab 2035 festzulegen, fordern die Unternehmen einen europäischen Masterplan für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und Anreize wie Vorzugssteuern für saubere Fahrzeuge.

„Insbesondere sollten Unternehmensflotten bei ihren Bemühungen unterstützt werden, bis 2030 vollständig auf Elektrofahrzeuge umzusteigen“, heißt es in der Erklärung.

Zu den Unterzeichnern gehören der schwedische Autobauer Volvo, die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E), der US-Fahrdienstleister Uber, der schwedische Möbelhersteller Ikea oder der US-Getränkehersteller Coca Cola.

Offener Brief

EU-Parlament: EU-Seeschifffahrt soll sauberer werden

Das EU-Parlament hat am Mittwoch eine Entschließung zu „technischen und operativen Maßnahmen für einen effizienteren und saubereren Seeverkehr“ angenommen. Die Abgeordneten bekräftigten darin ihre Forderung, dass die Schifffahrtsindustrie den Treibhausgasausstoß des Sektors bis 2030 um 40 Prozent verringern müsse, und dass das EU-Emissionshandelssystem auf die Seeschifffahrt ausgeweitet werden solle.

Darüber hinaus sprechen sie sich dafür aus, eine Schwefelemissions-Kontrollzone (SECA) für das Mittelmeer zu schaffen. Diesen Vorschlag solle die EU-Kommission der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) bis Ende des Jahres vorlegen. Allerdings warnen sie davor, dass der Einsatz von sogenannten Nasswäschern (scrubber) zur Entfernung von Schwefeloxiden nicht zu einer Verlagerung der Verschmutzung von der Luft auf das Wasser führen dürfe. Daher sollte die EU-Kommission gemeinsam mit der IMO sicherstellen, dass Abwasser zur Verarbeitung an Land gesammelt werde.

Die Kommission solle zudem einen Vorschlag erarbeiten, der für Schiffe am Liegeplatz eine schadstofffreie Verweildauer vorschreibt und Anreize für die Nutzung von Landstromversorgung schafft. Überdies solle die Kommission die Richtlinie zur Hafenstaatkontrolle bis Ende des Jahres überarbeiten, „um eine effektivere und umfassendere Kontrolle von Schiffen und vereinfachte Verfahren zu ermöglichen“, die unter anderem Anreize für die Einhaltung von Umwelt-, Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsrechtsnormen geben.

Die Entschließung ist nicht verbindlich.

EU-Parlament: Entschließung des Europäischen Parlaments vom 27. April 2021 zu technischen und operativen Maßnahmen für einen effizienteren und saubereren Seeverkehr (2019/2193(INI)) 

Berichte zu Schiffskraftstoffen, Elektro-Lkws, Plug-in-Hybriden, Altspeisefetten und Elektroautos

Sieben Prozent der Schiffstreibstoffe in der EU müssen bis 2030 umweltfreundlich sein, damit die europäische Seeschifffahrt bis zur Mitte des Jahrhunderts dekarbonisiert werden kann, so das Ergebnis einer neuen Studie des Brüsseler Umweltverbands Transport & Environment (T&E). Der „bescheidene Einsatz von E-Treibstoffen“ wie E-Ammoniak und E-Wasserstoff könne zusammen mit Effizienzmaßnahmen wie Windunterstützung und Geschwindigkeitsoptimierung den Weg in eine klimaneutrale Zukunft weisen. Nach Ansicht von T&E müsse die EU-Kommission eine Quote von sieben Prozent für synthetische Kraftstoffe in ihre geplante „FuelEU Maritime“-Initiative aufnehmen. Diese Initiative als Teil des Europäischen Grünen Deals zielt darauf ab, die Verwendung nachhaltiger alternativer Kraftstoffe in der Schifffahrt und in den Häfen in Europa zu steigern.

Einer anderen T&E-Studie zufolge haben eine begrenzte Batteriereichweite und eine unzureichende Schnellladeinfrastruktur die Elektrifizierung von Lkws bisher erschwert. Um im Fernverkehr Klimaneutralität zu erreichen, müssten im Jahr 2030 in der EU insgesamt 4.400 öffentliche Hochleistungsladestationen und 6.600 Zielladestationen an den Verteilerzentren und Depots vorhanden sein – zusätzlich zu den 13.000 öffentlichen Ladestationen und 25.000 Zielladestationen, die für den Stadt- und Regionalverkehr benötigt werden. Die für Juni 2021 geplante Überarbeitung der Richtlinie über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) sollte endlich auch elektrische Lkws abdecken und die direkte Elektrifizierung als vorrangig für die Dekarbonisierung anerkennen, fordert T&E.

In einer dritten Studie geht es um Plug-in-Hybridautos (PHEV). Deren Verkaufszahlen sind laut T&E nach dem Inkrafttreten des CO2-Ziels für die europäischen Autoflotten von 95g CO2/km 2020 sprunghaft angestiegen, mit über einer halben Million verkaufter Einheiten im Jahr 2020. Der Anteil der PHEVs an den Gesamtverkäufen von Elektroautos (EVs) beträgt mittlerweile die Hälfte des Plug-in-Marktes und wird als Schlüsseltechnologie zur Einhaltung der Vorschriften für viele Autohersteller kurzfristig sogar noch steigen. Die EU müsse schnell handeln, um sicherzustellen, dass nur wirklich emissionsarme PHEVs verkauft werden. Die Studie umfasst Empfehlungen von T&E für die notwendigen regulatorischen Änderungen.

In einer weiteren Analyse kritisiert T&E, dass die EU Altspeisefett (used cooking oil, UCO) im Rahmen ihres Gesetzes für grüne Kraftstoffe fördere, was die Nachfrage nach diesem Abfallprodukt ankurbele. Obwohl Europa die Menge an UCO, das lokal beschafft werden kann, erhöhen könne, sei dies sowohl durch die Kapazität der lokalen Behörden, es zu sammeln, als auch durch die Menge an Altspeiseöl, die Europäer*innen und die Industrie produzieren können, begrenzt. Dies bedeute, dass man zunehmend auf zweifelhafte Importe angewiesen sei. Laut der von T&E im Auftrag von CE Delft durchgeführten Studie könnte sich der Bedarf an UCO bis 2030 verdoppeln.

Zum Schluss nochmal Elektromobilität: Ein Elektroauto der Mittelklasse, das heute gekauft wird, sei schon heute die finanziell „interessanteste“ Lösung über die gesamte Lebensdauer des Autos, wie eine aktuelle Untersuchung der europäischen Verbraucherschutzorganisation BEUC und neun ihrer nationalen Mitgliedsorganisationen zeigt. Die Untersuchung ergab auch, dass Batterien der „gerechteste“ Antrieb auf dem Markt seien.

T&E: 7% green fuels by 2030 would decarbonise EU shipping mid-century – study

T&E: Unlocking electric trucking in the EU: recharging along highways

T&E: PHEVs and the car CO2 review: Europe’s chance to tackle fake electrics

T&E: Europe’s surging demand for used cooking oil could fuel deforestation

BEUC: Electric cars already cheapest option today for many consumers, new study finds

Gute Fahrt wünscht Ann Wehmeyer


DNR-Newsletter mit Themenschwerpunkt Mobilität im April

Für eine echte Verkehrswende ist ein Perspektivwechsel im Stadtverkehr nötig. Wie der gelingen kann, schreibt die Journalistin Annette Jensen. Warum wir ein Bundesmobilitätsgesetz brauchen, erläutert Kerstin Haarmann vom VCD. Für die richtige Weichenstellung im Europäischen Jahr der Schiene plädiert Lena Donat von Germanwatch. Und die Journalistin Marion Busch stellt die Bedeutung des Copenhagenize Index für den urbanen Radverkehr vor.