Verkehr

Stellt 2021 die Weichen für mehr Schienenverkehr?

31.03.2021

c. Michael Gaida | Pixabay

Am Montag läutete die EU-Kommission offiziell das Europäische Jahr der Schiene ein. Umweltorganisationen forderten zu diesem Anlass, den Schienenverkehr in der EU stärker zu fördern. Viele EU-Bürger*innen signalisierten ihre Bereitschaft, auf die Bahn umzusteigen.

Die für Kohäsionspolitik zuständige EU-Kommissarin Elisa Ferreira erklärte während der Online-Auftaktveranstaltung, dass die Schiene nur 10 Prozent des Personenverkehrs in Europa ausmache – im Vergleich zu 80 Prozent auf der Straße. Auch die Zahlen für den Güterverkehr seien nicht viel besser. Dort habe die Schiene einen Anteil von 18 Prozent im Gegensatz zu 75 Prozent auf der Straße. Dieses Verhältnis müsse sich zugunsten des Schienenverkehrs ändern. Die Vorteile wären neben einer Reduktion der CO2-Emissionen und einer höheren Lebensqualität „mehr Komfort und mehr Qualität, weniger Staus und Frustration“, wird Ferreira durch das Online-Nachrichtenportal Euractiv zitiert.

Am Dienstag fand zusätzlich ein informelles Treffen der EU-Verkehrsminister*innen statt. Auf der anschließenden Pressekonferenz räumte der portugiesische Minister für Infrastruktur und Wohnen Pedro Nuno Santos ein, dass es in den vergangenen drei Jahrzehnten innerhalb der EU „eine Stagnation beim Ausbau des Schienengüterverkehrs und ein vernachlässigbares Wachstum beim Personenverkehr“ gegeben habe. „Wir müssen verstehen, woran das gescheitert ist. Es ist uns sehr klar, dass fehlende Investitionen einer der Hauptgründe sind“, so Santos weiter.

Bereits am Freitag startete die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland eine bundesweite Plakatkampagne. An Bahnhöfen in über 30 deutschen Städten sollen bis zum 19. April die Vorteile des Schienenverkehrs beworben werden. Jörg Wojahn, Leiter der Vertretung, illustrierte die Bedeutung des Schienenverkehrs an zwei Beispielen: „Nach jahrelangen Planfeststellungsverfahren in Deutschland wird die Fehmarnbelt-Querung nach Dänemark jetzt realisiert. Mit dem EU-geförderten Brenner-Basistunnel können wir auch in den Alpen Hunderttausende LKW von der Straße holen und den Güterverkehr auf die Schiene bringen – aber nur, wenn die Zulaufstrecken in Bayern gebaut werden.“

In einem offenen Brief appellierten unterdessen acht Umweltorganisationen an die EU-Kommission und die portugiesische Ratspräsidentschaft, das Jahr der Schiene für eine „europäische Bahn-Renaissance“ zu nutzen. Dem grenzüberschreitenden Bahnverkehr innerhalb der EU müsse mit verschiedenen Maßnahmen ein Schub gegeben werden. So sollen neue internationale Tag- und Nachtzugverbindungen ab 2021 in Betrieb genommen und in die Modernisierung der Infrastruktur investiert werden. Die Organisationen plädierten auch dafür, Bahnreisen auf gleichen Distanzen günstiger als Flugverbindungen zu machen. Zudem sei es wichtig, die Fahrgastrechte und einfache Buchungen von internationalen Bahnreisen zu gewährleisten.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Greenpeace, 2 Celsius, Back on Track - the European Network to Promote Cross Border Night Trains, eco union, Instytut Spraw Obywatelskich, Natuur & Milieu und Réseau Action Climat.

Eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die Menschen in Deutschland, Polen, Frankreich, Spanien und den Niederlanden befragte, verdeutlicht eine zunehmende Bereitschaft, vom Flugzeug auf die klimafreundlichere Bahn umzusteigen. Das Netzwerk „Europe On Rail“, zu dem unter anderem Germanwatch und Transport & Environment zählen, hatte die Umfrage in Auftrag gegeben. Die wichtigsten Ergebnisse: 69 Prozent der Befragten in Deutschland, Polen, Frankreich, Spanien und den Niederlanden wären bereit, Nachtzüge zu nutzen. Mehr als ein Drittel der Befragten würde Reisezeiten von mehr als fünf Stunden in Kauf nehmen, um auf die Bahn umzusteigen. Knapp drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass Bahnreisen auf der gleichen Strecke generell günstiger sein sollten als Flugreisen.

Website European Year of Rail 2021 

Euractiv: Commissioner supports modernising, expanding EU railways 

EU-Kommission: Grüner Güterverkehr: Vertretung der EU-Kommission startet Plakatkampagne zum Europäischen Jahr der Schiene 2021 

Greenpeace EU: European Year of Rail: five steps to put trains back on track 

Germanwatch an die EU: Europäisches Jahr der Schiene 2021 für Bahn-Offensive nutzen! 

Germanwatch: European public opinion poll shows support for shifting flights to rail 

Europe needs to start investing in railways again. Informal video conference with Transport Ministers 

Redakteurin: Ann Wehmeyer


Klimaschutz von Airlines ist anscheinend eine Luftnummer

Zum ersten Mal haben die Umweltorganisationen Transport & Environment (T&E) und Carbon Market Watch Zugriff auf Emissionsdaten für den inner- und außereuropäischen Luftverkehr erhalten, durch die eine Berechnung der Gesamtemissionen der Fluggesellschaften möglich war. Damit werden den Organisationen zufolge die tatsächlichen Klimaschäden sichtbar, die die großen Fluggesellschaften wie British Airways, Lufthansa und Air France verursachen. Ein Großteil ihrer Emissionen entsteht auf Langstreckenflügen.

Die Daten würden belegen, dass die Fluggesellschaften für den Großteil ihrer Verschmutzung nicht zur Kasse gebeten werden, da Flüge mit Start oder Ziel in Europa derzeit vom EU-Emissionshandelssystem (ETS) ausgenommen sind. Lufthansa, British Airways und Air France zahlten für 77 Prozent, 86 Prozent bzw. 83 Prozent ihrer Emissionen keinen Cent.

Im Juni wolle sich die EU-Kommission dazu äußern, ob der inner- und außereuropäische Flugverkehr in das EU-ETS aufgenommen werden solle.

T&E: Lufthansa, BA und Air France waren vor der Corona-Pandemie die größten Emittenten