Gemeinsame Pressemitteilung

Naturschutzpreis für die Rettung des Zwischenoderlands

19.09.2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Schweisfurth Stiftung und dem Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR)

Jonathan Rauhut erhält Wolfgang-Staab-Naturschutzpreis 2019

München – Für seine Verdienste um die Rettung des Zwischenoderlands hat der Umweltwissenschaftler und Naturschützer Jonathan Rauhut den mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis erhalten. Die Auszeichnung für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften wird jährlich von der Schweisfurth Stiftung verliehen, Gastgeber der diesjährigen Preisverleihung war gestern Abend das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn.

Naturschutz jenseits nationaler Grenzen

„Die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften in Deutschland ist geprägt vom herausragenden Einsatz engagierter Privatpersonen. Sie setzen sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort ein und retten damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung“, davon ist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, überzeugt.

Der Preisträger selbst, Jonathan Rauhut, schwärmt von seiner Wirkungsstätte: „Als ich vor 15 Jahren die Oder entdeckte, war ich begeistert. Das hat bis heute kein bisschen nachgelassen. Wer hätte gedacht, dass es Flussauen mitten in Mitteleuropa gibt, in denen Elch, Weißflügelseeschwalbe, Schreiadler und Bienenfresser nebeneinander vorkommen?“

Mehrfach hart umkämpft wurde das Zwischenoderland (poln.: Międzyodrze) in seiner Geschichte: Nach einer Eindeichung in den 1930er Jahren zu Gunsten der Landwirtschaft, verfielen die Polder nach dem zweiten Weltkrieg. 2015 wurden jedoch erneut Pläne zu einer Eindeichung des Gebiets sowie eines weiteren Ausbaus der Oder beschlossen. Daraufhin folgte eine intensive deutsch-polnische Zusammenarbeit auf behördlicher sowie auf gesellschaftlicher Ebene, die mittels wissenschaftlicher Gutachten und unermüdlicher Aufklärungsarbeit zum Hochwasserschutz die Eindeichung des Zwischenoderlands verhinderte. Vorangetrieben wurde diese Zusammenarbeit von der "Stepnicka Organizacja Turystyczna", der "Towarzystwo Przyjaciól Rzek Iny i Gowienicy", organisiert in der polnischen Verbände-Koalition zur Rettung der Flüsse "Koalicja Ratujmy Rzeki", sowie von den unter dem Dach des Deutschen Naturschutzrings (DNR) vernetzten Verbänden BUND, WWF, DUH, NABU, Heinz-Sielmann-Stiftung und dem Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal.

Preisträger Rauhut wünscht sich, dass die Oder ein Ort der Begegnung wird, an dem alle Interessengruppen eines Tages stolz darauf sind, dass sie gemeinsam die Schönheit und Wildnis der Oderauen für ihre Kinder bewahrt haben.

„Vorbild sind für mich hier meine Kolleg*innen Iwona Krępic, Ewa Leś, Artur Furdyna, Florian Schöne und Sascha Maier, die es auf faszinierende Weise geschafft haben, Brücken zwischen Akteuren mit eigentlich gegensätzlichen Interessen zu bauen“, so Rauhut.

„Jonathan Rauhut ist es durch sein unermüdliches Engagement gelungen, eine Vielzahl an Verbänden und Fachleuten aus Polen und Deutschland auf das Zwischenoderland und seine Gefährdung aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit einer Allianz an Akteuren beidseits der Oder konnte er die damaligen Planungen der polnischen Wasserwirtschaftsbehörden mit ihren unzutreffenden Argumenten zum Hochwasserschutz aufdecken und durch die Koordination eines alternativen Gutachtens eine unabhängige Prüfung veranlassen. Damit hat Jonathan Rauhut wesentlich dazu beigetragen, dass die naturschutzfachlich äußerst kritische Eindeichung des Zwischenoderlands als Kernzone des polnisch-deutschen Schutzgebietsverbundes „Unteres Odertal“ verhindert werden konnte. Dies ist ein großer Erfolg für Hochwasserschutz und Naturschutz in Polen, Deutschland und Europa.“

Florian Schöne, politischer Geschäftsführer des DNR

Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis würdigt Verdienste um Fluss- und Auenschutz

Seit 2015 vergibt die Schweisfurth Stiftung den mit 20.000 Euro dotierten Preis in Kooperation mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzfonds an Personen, die sich besonders für den Fluss- und Auenschutz engagieren. Wolfgang Staab (1938-2004) machte sich als leidenschaftlicher Umweltschützer in Rheinland-Pfalz einen Namen. Als Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz des BUND wirkte er viele Jahre sehr erfolgreich; später war er als Schatzmeister im BUND-Bundesverband tätig. Seine Witwe Dr. Dorette Staab richtete 2014 den Wolfgang Staab-Naturschutzfonds innerhalb der Schweisfurth Stiftung ein.

Mit der Verleihung des Wolfgang Staab-Preises 2019 startet zugleich auch die Bewerbungsfrist für die Preisvergabe 2020. Nominierungen bzw. Bewerbungen können bis zum 31. Januar 2020 eingereicht werden. Weiterführende Informationen können Interessenten unter jbaer@schweisfurth-stiftung.de anfordern.

Ansprechpartnerin für weitere Informationen
Johanna Bär
Projektmanagerin Stadt-Land-Tisch
Rupprechtstr. 25
D-80636 München
Tel.: +49 (89) 17 95 95 -15
Fax: +49 (89) 17 95 95 -19
E-Mail: jbaer@schweisfurth-stiftung.de www.schweisfurth-stiftung.de

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