Corona-Rettungsschirm: Städtebund warnt vor Waldkrise

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) und der Gemeindewaldbesitzerverband Nordrhein-Westfalen fordern einen finanziellen Schutzschirm für die Rettung des Waldes im Klimawandel. Neben Dürre, Waldbränden und Borkenkäfern sei auch die Corona-Krise eine erhebliche Belastung, da der Kommunalwald von Steuereinnahmen abhängig sei, die nun wegfielen. Darüber hinaus gebe es durch die Pandemie weitere Einnahmeausfälle.

Ohne eine zusätzliche Soforthilfe schafften die Kommunen die Zukunftsaufgabe Wiederbewaldung und Umbau zu klimarobusten Mischwäldern nicht mehr, warnten die Verbände. Empfindliche Liquiditätsprobleme träfen nicht nur Privatwaldbesitzer, betont Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg), Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes Nordrhein-Westfalen. Gerade auch viele ländliche Kommunen, für deren Haushalt die Einnahmen aus dem Wald von großem Gewicht waren, stünden heute handlungsunfähig dar.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, warnte zudem davor, dass sich aus der Not heraus über kurz oder lang multinationale Konzerne in den deutschen Wald einkaufen könnten, um über diesen Zugriff die CO2-Bilanzen ihrer energieintensiven wirtschaftlichen Tätigkeiten auszugleichen. "Bürgerwald muss aber auch zukünftig Bürgerwald bleiben!", so Landsberg.

Funktionierende Wälder hätten eine Schlüsselfunktion für das Erreichen der Pariser Klimaschutzziele. Jeder Hektar Wald könne über die Photosynthese im Schnitt 13 Tonnen pro Jahr schädliches Kohlendioxid durch Bindung im nachwachsenden Rohstoff neutralisieren. Von den etwa 11,4 Millionenen Hektar Waldfläche in Deutschland befänden sich 20 Prozent im Eigentum von Städten, Gemeinden, Gemeindeverbänden und öffentlich-rechtlichen Körperschaften.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) warnt wegen der großen Trockenheit vor Waldbrandgefahr. In der Coronakrise suchten viele Menschen die Wälder aus Erholungsgründen auf, dabei sei unbedingt das Rauchverbot zu beachten. Seit Wochen sei kaum Regen gefallen. Während im März die Regenmenge mit 50,9 Litern pro Quadratmeter nur 79 Prozent unter dem Mittelwert von 1981-2010 lag, seien in der ersten Aprilhälfte nur 3,5 Prozent des im April üblichen Niederschlages gefallen. Das Frühjahr sei die waldbrandgefährdetste Jahreszeit, da die abgestorbene Bodenvegetation des Vorjahres leicht entflammbar ist. Rund zwei Drittel aller Waldbrände entfielen   auf diese besonders kritische Zeit, wobei fahrlässiges Verhalten von Waldbesucher*innen die häufigste Brandursache sei. Durch die anhaltende Trockenheit sei die Gefahr besonders akut - der Oberboden sei bis in eine Tiefe von 15 Zentimetern extrem trocken.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ging es dem deutschen Wald 2019 deutlich schlechter als im Vorjahr (Waldzustandsbericht 2019). Robin Wood kritisierte, dass damit 78 Prozent der Waldbäume Schäden aufwiesen - das seien die höchsten Werte seit Beginn der Schadensdokumentation vor 36 Jahren. Die Waldschutzorganisation fordert weitreichende Änderungen in der Wald- und Agrarwirtschaft. "Wir brauchen eine Verringerung der massiven Tierproduktion und eine schonende, naturnahe Waldbewirtschaftung, die alte Bäume erhält, einen hohen Totholzanteil gewährleistet und mehr verbindlich geschützte Wildnisflächen schafft. Deutschland hinkt seinen eigenen Zielen weit hinterher", mahnte Robin Wood.  [jg]

Pressemitteilung DStGB

Pressemitteilung SDW

Pressemitteilung Robin Wood