Keine Steinwüsten mehr in Baden-Württemberg

c. Hannes Huber

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat Ende Juli mit breiter Mehrheit ein neues Gesetz für mehr Artenschutz verabschiedet. Darin enthalten ist das Verbot von Schottergärten auf Privatgrundstücken.

Im Interesse der Artenvielfalt müssten bereits existierende Schottergärten im Zweifel beseitigt oder umgestaltet werden, hieß es aus dem Umweltministerium in Stuttgart. Schon jetzt seien Schottergärten im Südwesten nicht erlaubt. Sie seien aber in Mode gekommen, da sie als pflegeleicht gälten. Die anstehende Gesetzesnovelle soll das Verbot klarstellen.

Die geplanten Änderungen wurden mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Gang gesetzt, gegen das vor allem Landwirte protestiert hatten. Naturschützer hatten sich schließlich bereit erklärt, mit der Landesregierung einen alternativen Entwurf zu erarbeiten.

So setzt sich etwa der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) gegen die Steinwüsten ein und hat das Recht auf seiner Seite. Die Grundlage dafür liefert die Landesbauordnung (LBO). Diese schreibt vor, dass unbebaute Flächen als „Grünflächen“ anzulegen oder anderweitig zu begrünen sind. Graue Schotterwüsten erfüllen diese Vorgabe nicht.

Schottergärten haben negative Auswirkungen auf

  • Biodiversität: Auf den kahlen Flächen finden Tiere keine Nahrung und keinen Unterschlupf. Pflanzen sind unerwünscht.
  • Boden: Das natürliche Bodengefüge wird vernichtet oder zumindest stark beeinträchtigt. Der Boden verliert seine Funktionen.
  • Stadtklima: Schotterflächen wärmen sich bei Sonnenschein vor allem im Sommer sehr auf und halten diese Wärme auch über Nacht. Ohne Pflanzen gibt es weder Schatten noch Verdunstung und dies fördert zusätzlich die Überhitzung der Städte.
  • Wasserhaushalt: Durch Versiegelung muss das Wasser an der Oberfläche ablaufen und wird nicht dem Grundwasser zugeführt.

Stattdessen plädiert der LNV für „Bunte Vielfalt statt grauer Wüste“:

  • Gutes Klima: Pflanzen kühlen die Luft im Sommer ab.
  • Gute Luftqualität: Pflanzen reinigen die Luft von Feinstaub und produzieren Sauerstoff.
  • Rückzugsort für Tiere: Ein blühender Garten bietet für Insekten, wie Schmetterlinge und Bienen, wichtige Nahrung und Lebensraum.
  • Bessere Lebensqualität: Bunte Farben und herrlicher Duft sorgen für ein angenehmes Wohnumfeld. Ein bunter Garten wird mit den Jahren noch schöner.

Der LNV hat einen Flyer und ein ausführliches Hintergrundpapier erstellt, in dem er über die Nachteile für die Natur durch Schottergärten informiert. [mbu]

Gesetzentwurf
Flyer LNV
Hintergrundpapier mit Musterschreiben