Chemie & Nanotechnologie

Europäische Zitronen könnten sicherer werden

06.08.2019

Das auch für Menschen schädliche Insektizid Chlorpyrifos darf ab Januar 2020 möglicherweise nicht mehr in der EU verwendet werden. Dafür sprach sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vergangene Woche aus.

Demnach erfülle der häufig in der Landwirtschaft eingesetzte Stoff „nicht die gesetzlichen Kriterien für eine erneute Zulassung in der Europäischen Union“, so die EFSA. Die Zulassung für Chlorpyrifos läuft am 31. Januar 2020 aus und wird deshalb derzeit neu bewertet. Nach Angaben der Behörde könne der Stoff Änderungen im genetischen Material menschlicher Zellen auslösen und neurologische Schäden bei Kindern hervorrufen. Aufgrund dieser schwerwiegenden Effekte könne die EFSA kein sicheres Expositionsniveau für den Stoff angeben - er ist also so giftig, dass er komplett verboten werden sollte.

Die Bewertung der EFSA dient als Grundlage für die Entscheidung der EU-Kommission, die nun den Mitgliedstaaten einen Vorschlag über die erneute Zulassung von Chlorpyrifos vorlegen muss.

Verschiedene Umwelt- und Gesundheitsorganisationen fordern die EU-Kommission und die nationalen Regierungen nun auf, „dem Beispiel der EFSA zu folgen und ein vollständiges Verbot von Chlorpyrifos […] so schnell wie möglich zu unterstützen.“ Angesichts der „zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die bereits über die gesundheitlichen Schäden von Chlorpyrifos – insbesondere für Kinder – vorliegen, wären die europäischen Bürger*innen schockiert und enttäuscht,“ wenn Chlorpyrifos weiterhin verwendet werden dürfe. Die Organisationen, darunter die Health and Environment Alliance (HEAL) und das Pestizid Aktions Netzwerk (PAN) Deutschland, hatten die Regierungen der Mitgliedstaaten im Juli in einem Brief aufgefordert, sich gegen eine erneute Zulassung des Pestizids mit hormonell wirksamen Eigenschaften auszusprechen.

In Deutschland dürfen Pestizide mit Chlorpyrifos bereits seit 2008 nicht mehr verwendet werden. Da Landwirte den Stoff in vielen EU-Staaten aber noch einsetzen, lassen sich auch Spuren in unbehandelten Lebensmitteln in Deutschland nachweisen, vor allem in Zitrusfrüchten aus dem EU-Ausland. [km]

Pressemitteilung EFSA
Pressemitteilung Health and Environment Alliance
Brief an Minister*innen der EU-Mitgliedstaaten