Naturschutz & Biodiversität

Rumänisches Gericht verfügt Abholzungsstopp

04.03.2020

Der Oberste Gerichtshof Rumäniens hat am Dienstag ein erstes aus Umweltsicht erfreuliches Urteil gefällt: Die alten Wälder im Nationalpark Domogled-Valea Cernei - auch als UNESCO-Weltnaturerbe gelistet - dürfen nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Die Organisation Agent Green hatte geklagt, eine Partnerorganisation von Euronatur.

„Der Domogled-Nationalpark kann zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in Ruhe atmen“, sagt Gabriel Paun, Geschäftsführer von Agent Green. „Knapp 20.000 Hektar Wald im Nationalpark sind ab heute endlich streng geschützt. Jede weitere Abholzung in diesem Gebiet bedeutet nun eine Straftat und einen Verstoß gegen Gerichtsentscheidungen“, so Paun. Bisher war rund die Hälfte der Wälder im Nationalpark nicht wirksam geschützt, sondern konnte kommerziell genutzt werden. Euronatur und Agent Green engagieren sich zurzeit in einer gemeinsamen Kampagne zur Rettung von Rumäniens Paradieswäldern.

Doch es drohen weitere Kahlschläge in rumänischen Urwäldern. So haben AktivistInnen von Robin Wood und Agent Green am Mittwoch gegen die Pläne für eine Stromtrasse protestiert, die insgesamt 14 Schutzgebiete durchschneiden soll, darunter Natura-2000-Gebiete und selbst in Rumänien als schützenswert geltende Urwälder. Die Protestaktion fand im Iardaștița-Urwald im Südwesten Rumäniens statt, wo der mehrheitlich staatseigene Energiekonzern Transelectrica die Stromtrasse LEA ("linie electrică aeriană", oberirdische Stromleitung) errichten wolle. Sie soll vom südlichen Portile de Fier über Resita einmal über die Karpaten bis ins nördliche Arad führen, berichten die Organisationen. Robin Wood und Agent Green befürchten, dass Rumänien mit den Abholzaktionen jetzt Tatsachen schaffen will, bevor das Vertragsverletzungsverfahren richtig in Gang kommt. Die Forstpolitik Rumäniens ist nämlich auch der EU-Kommission ein Dorn im Auge. Wegen Verstoßes gegen EU-Umweltrecht hatte die Behörde im Februar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land eingeleitet (EU-News 13.02.2020).

Im Rahmen des European Green Deal hat die EU-Kommission auch eine Forststrategie angekündigt. Die Europäische Union hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, den weltweiten Verlust an Waldflächen bis spätestens 2030 aufhalten und die Abholzung der Tropenwälder bis 2020 um mindestens die Hälfte gegenüber den derzeitigen Werten zu verringern. Im vergangenen Jahr hatte der wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments ein Factsheet über die EU und ihre Wälder (EU-News 26.09.2020) vorgelegt. Proteste gab es auch kürzlich in Schweden, wo 14 von 15 Waldhabitaten nicht ausreichend geschützt seien. [jg]

Pressemitteilung Euronatur

Pressemitteilung Robin Wood