Chemie & Nanotechnologie

ECHA: Effizientere EU-Stoffbewertung, sieben neue Stoffe für Autorisierungsliste

22.04.2021

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat vergangenes Jahr eine Rekordzahl an Substanzen bewertet. Der Grund: Gruppen- statt Einzelbewertungen. Sie schlägt außerdem sieben neue Stoffe für die REACH-Autorisierungsliste vor.

ECHA-Jahresrückblick zur Bewertung und Überprüfung

1.900 Stoffe und damit doppelt so viele wie im Jahr zuvor untersuchte die ECHA 2020. Das seien zehnmal so viele wie sie zwischen 2014 und 2018 jährlich geprüft habe, erklärte die Agentur in ihrem Jahresberichtbericht (Integrated Regulatory Strategy Annual Report 2020). 290 dieser untersuchten Chemikalien hat sie als Kandidaten für eine mögliche Regulierung identifiziert. Noch fehlten jedoch weitere Daten, um die Gefahr, die von diesen Stoffen für die menschliche Gesundheit und Umwelt ausgeht, umfassend bewerten zu können.

Die ECHA kündigte an, ihre gruppenbasierte Untersuchung weiterhin „zu optimieren“ und rief gleichzeitig die Behörden der Mitgliedstaaten und die Hersteller von Chemikalien auf, den Bewertungsprozess durch aktive Mitarbeit zu unterstützen. So müssten die Mitgliedstaaten ihre Behörden mit angemessenen Ressourcen ausstatten, damit Regulierungen für Stoffe schnell umgesetzt werden können. Die Mitgliedstaaten sollten auch untereinander enger zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Die Industrie rief die ECHA dazu auf, sich proaktiv um eine Aktualisierung ihrer Registrierungsdossiers zu kümmern – und nicht erst zu handeln, „nachdem die Behörden regulatorische Maßnahmen ergriffen haben“.

Bis 2027 will die ECHA alle Chemikalien auf dem EU-Markt erfasst und identifiziert haben, welche Stoffe aufgrund ihrer Auswirkungen reguliert werden sollten.

Neuzugänge in der REACH-Autorisierungsliste

Für sieben Stoffe empfahl sie der EU-Kommission bereits vergangene Woche eine Aufnahme in die Autorisierungsliste der Chemikalienverordnung REACH. Die Chemikalien sind bereits als besonders besorgniserregend klassifiziert und galten deshalb bisher als Kandidaten für die Autorisierungsliste. Sobald sie auf die Liste stehen, müssen Unternehmen eine Zulassung beantragen, um sie weiter verwenden zu dürfen. Es handelt sich um

  • Octamethylcyclotetrasiloxan (D4)
  • Decamethylcyclopentasiloxan (D5)
  • Dodecamethylcyclohexasiloxan (D6)
  • Terphenyl, hydriert
  • Dicyclohexylphthalat (DCHP)
  • Dinatriumoctaborat
  • Trimellitsäureanhydrid

D4, D5 und D6 gelten als schädlich für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Die ECHA begründet ihre Empfehlung damit, dass die Stoffe „gefährlich sind, in großen Mengen produziert werden und weit verbreitet sind“. Während ihre Verwendung in Verbraucherprodukten bereits eingeschränkt ist, müsse dies nun auch auf die industrielle Fertigung von Elektronik und weitere gewerbliche Verwendung ausgeweitet werden, erklärte die ECHA. Das umweltschädliche hydrierte Terphenyl wird in Industrieanlagen sowie in Klebstoffen, Dichtungsmitteln, Beschichtungen, Tinten und Farben verwendet. [km]

Pressemitteilung der ECHA zur Substanzüberprüfung

Pressemitteilung der ECHA mit neuen Autorisierungsvorschlägen

Chlorpyrifos in Stockholm Konvention

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich dafür ausgesprochen, das Pflanzenschutzmittel Chlorpyrifos in den Anhang A des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe (POP) aufzunehmen. Damit würde die Herstellung und Verwendung des Stoffes in den 152 Unterzeichnerstaaten verboten. In der EU darf Chlorpyrifos seit letztem Jahr aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Auswirkungen nicht mehr verwendet werden. Wenn die EU-Kommission den Vorschlag in diesem Frühjahr einreicht, wird der POP-Überprüfungsausschuss im Herbst darüber beraten.

Hormongifte stoppen

An diesem Donnerstag veröffentlichte ein Bündnis angeführt von den Organisationen HejSupport, Women engage for a common future (WECF) und dem Pestizid Aktionsnetzwerk Germany ihre Forderung nach einem Aktionsplan gegen Hormongifte. Hormonell wirksame endokrine Disruptoren (EDC) müssten bundes- und EU-weit schnellstmöglich verboten werden, so das Bündnis. Auch der Deutsche Naturschutzring unterstützt die Forderungen.

Internationales Chemikalienmanagement: Nicht einschlafen!

Der Deutsche Naturschutzring hat die Bundesregierung in dieser Woche aufgerufen, sich ambitionierter für ein internationales Rahmenwerk für den Umgang mit Chemikalien und Abfällen einzusetzen. Sie solle ihre derzeitige Präsidentschaft im SAICM-Prozess nutzen, um zum Beispiel Elemente der europäischen Chemikalienstrategie in ein Post-2020-Rahmenwerk einzubringen.