Pressemitteilung | 06.05.2020

EU-Agrarpolitik muss zentrales Element des Green Deal werden

06.05.2020

Zum morgigen Treffen der Agrarminister kommentiert Florian Schöne, Geschäftsführer des Umweltdachverbands Deutscher Naturschutzring (DNR):

„Während andere Branchen längst Konsequenzen aus der Corona-Pandemie ziehen und handeln, bleibt in der Agrarpolitik alles bei einem „Weiter so wie bisher“ – als gäbe es kein Arten- und Höfesterben und keinen Handlungsbedarf für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
 
Noch immer gelten die überholten und schwachen Pläne des früheren EU-Agrarkommissars Phil Hogan als Grundlage für eine Agrarreform, die bereits in die Zukunft verschoben ist. Damit muss endlich Schluss sein. Ein Europäischer Green Deal, der die gemeinsame europäische Agrarpolitik nicht mitdenkt und tief in sich verankert, wird sein Ziel verfehlen.
 
Dabei hat die Politik sämtliche Gestaltungsmacht für diese Neuausrichtung in ihrer Hand: Keine andere Branche ist so abhängig von öffentlichen Geldern und kaum eine andere Branche hat sich in den letzten Jahren so weit von gesellschaftlichen Erwartungen entfernt. Richtig ist, dass die Landwirtschaft diesen tiefgreifenden Wandel ohne Unterstützung nicht wird meistern können. Aber neue Milchpulver und Kühlhäuser, um die Exportausrichtung nach der Krise unbeirrt fortsetzen zu können, sind das Gegenteil von nachhaltigen Investitionen in Versorgungssicherheit – hierzulande und weltweit. Das gelingt nur mit gestärkten regionalen Wertschöpfungsketten. Hier muss die angekündigte europäische „Farm to Fork“-Strategie liefern und von den Mitgliedstaaten ambitioniert aufgegriffen und umgesetzt werden.

Der Verlust an biologischer Vielfalt, der Klimawandel und das Höfesterben warten nicht, bis wir die Corona-Pandemie überwunden haben. Wir brauchen jetzt den Green Deal in der Agrarpolitik – sowohl in den europäischen Verhandlungen als auch in den nationalen Strategieplänen, die jetzt auf Länderebene geschrieben werden. Die Agrarministerinnen und Minister haben es in der Hand, den Paradigmenwechsel tatkräftig einzuläuten und einzufordern.“

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