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Ausblick: Klimaziel 2040 und Strategie zum CO2-Management der Industrie
EU-News | 23.01.2024
#Klima und Energie

Ausblick: Klimaziel 2040 und Strategie zum CO2-Management der Industrie

Schornstein
© AdobeStock/Westwind
Kraftwerksschornstein

Die EU-Kommission will am 6. Februar sowohl das EU-Klimaziel für 2040 vorlegen als auch eine Strategie für die Umsetzung der CO2-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung im Industriesektor. Der durchgesickerte Entwurf stelle laut Medienberichten einen Bedarf von bis zu 450 Millionen Tonnen jährlicher CO2-Speicherung bis 2050 und von mindestens 200 Millionen Tonnen bis 2040 fest.

Das Klimaziel der EU für 2040 war auch auf dem informellen Treffen der Umweltministerinnen und -minister am 15. und 16. Januar Thema. Laut dem Informationsdienst Euractiv hätten sich mehrere EU-Staaten dafür ausgesprochen, die Emissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Ungarn stehe dem skeptisch gegenüber, Frankreich und Deutschland hätten sich noch nicht positioniert, so das Medium. Allerdings dürfte Frankreich weiter auf Atomkraft bestehen. Laut Europe.Table sprachen sich die Umweltminister*innen außerdem dafür aus, bei der Gestaltung der Klimapolitik auf soziale Aspekte zu achten.

Die EU-Kommission – so ENDS Europe – wolle am 6. Februar hauptsächlich die möglichen Auswirkungen eines solchen Ziels (impact assessment) und „Ideen“ präsentieren. Es sei dann Aufgabe der nächsten EU-Kommission, konkretere Ziele zu setzen und den Rahmen für die EU-Klimapolitik nach 2030 festzuklopfen, so das Medium mit Bezug auf eine Person aus der EU-Kommission.

EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hatte sich schon in seiner Anhörung vor dem EU-Parlament im Oktober 2023 bereits klar für das 90-Prozent-Ziel ausgesprochen (siehe Interview mit Elena Hofmann, DNR). Der EU-Klimabeirat empfiehlt ein mindestens 90- bis 95-Prozent-Ziel und größere Klimaschutzanstrengungen in allen Sektoren (EU-News 18.01.2024).

Leak zum „Binnenmarkt für Industriekohlenstoff“

Ebenfalls ENDS Europe analysierte einen vorab gesehenen Entwurf zum geplanten grenzüberschreitenden EU-Markt für standardisiertes Industrie-CO2. Der Entwurf der Strategie für industrielles Kohlenstoffmanagement (ICM) soll ebenfalls am 6. Februar veröffentlicht werden. In dem Entwurf werde ein Bedarf von bis zu 450 Millionen Tonnen jährlicher CO2-Speicherung bis 2050 und von mindestens 200 Millionen Tonnen bis 2040 festgestellt, so das Medium. Damit könnten bis zu 170.000 Arbeitsplätze geschaffen und jährlich 100 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Der Entwurf plane den Gas- und Stromsektor ebenso mit ein, wie den Chemiesektor.

Die EU-Kommission hatte zu der als „Mitteilung zu einer EU-Strategie für die Schaffung eines Binnenmarkts für CO2-Transport- und -Speicherdienste bis 2030“ geplanten Veröffentlichung bereits im letzten Sommer eine Sammlung von Rückmeldungen durchgeführt. Ursprünglich hätte die Mitteilung schon im vierten Quartal 2023 herauskommen sollen, allerdings mit der Zusatzinformation, dass sich dies – und auch die Verfolgung des Inhalts an sich – ändern könne. Es geht beim CO2-Management sowohl um CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) als auch um die Kohlenstoffabscheidung und -nutzung (CCS). Die CO2-Entnahmen in der Industrie würden benötigt, so die EU-Kommission, um die verbleibenden Emissionen in den Sektoren, in denen die Dekarbonisierung besonders schwierig ist, zu neutralisieren, um bis 2050 klimaneutral zu sein. [jg]

Euractiv: Auftakt der Verhandlungen um Klimaziel der EU für 2040

ENDS Europe (kostenpflichtig): EU executive promises ‘ideas’ but 2040 climate target is for next Commission

ENDS Europe (kostenpflichtig): LEAK: Commission harbours hopes of ‘single market’ for captured CO2

EU-Kommission zur geplanten Mitteilung/Konsultationsseite
 

EU-Energiepolitik kurz & knapp
  • Geothermie: Die Stadtwerke München begrüßte den am 18. Januar vom EU-Parlament angenommenen Initiativbericht zu Geothermie. Darin werde „das Potenzial dieser erneuerbaren Energiequelle hervorgehoben“ und gefordert, ihr eine „größere Bedeutung in der europäischen Energiewende“ einzuräumen.
  • F-Gase-Verbot: Das EU-Parlament hat am 16. Januar formal für das im Oktober (EU-News 05.10.2023) vereinbarte Verbot von klimaschädlichen fluorierten Gasen (F-Gase) unter anderem in der Verwendung in Kühlschränken oder Klimaanlagen gestimmt sowie neue Vorschriften für ozonabbauende Substanzen verabschiedet (siehe EU-Parlament)
  • Energieunabhängigkeit: In ihrer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum am 16. Januar betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die EU auf einem guten Weg sei, von Russland unabhängig zu werden. Laut UvdL stammte vor dem Angriff auf die Ukraine jede fünfte Energieeinheit, die in der EU verbraucht wurde, aus Russland. Im Jahr 2023 war es nur noch eine von zwanzig.
  • Erneuerbare/EU-Erweiterung: CAN Europe hat eine Studie veröffentlicht, in der es um die Überwindung von Hindernissen für den Einsatz erneuerbarer Energien in den westlichen Balkanstaaten geht, in diesem Fall mit Fokus auf Nordmazedonien und Serbien.

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