Moorschutz: Was erfolgreiche Projekte auszeichnet

Intakte Moore sind wichtig für Klima- und Artenschutz, aber auch für eine zukunftstaugliche wirtschaftliche Entwicklung. Damit sie wieder vernässt werden und nicht mehr überproportional viele Treibhausgase freisetzen, braucht es von Anfang an eine gute Planung und die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Und wie bei allen Veränderungen einen klaren politischen und rechtlichen Rahmen.
Nasse Moore sind Wasserspeicher, Klimaschützer und einzigartige Lebensräume. Der Großteil der Moorflächen in Deutschland wird aber für land- und forstwirtschaftliche Nutzung entwässert und ist dadurch eine der größten Treibhausgasquellen der Landnutzung hierzulande. Der Stopp ihrer Entwässerung ist die zentrale Maßnahme, um diese Emissionen zu senken, mehr Wasser in der Landschaft zu halten und das Ökosystem Moor wiederherzustellen. Doch wie kriegen wir die Wiedervernässung in die Fläche? Aus bisherigen Projekterfahrungen lassen sich einige Erfolgsfaktoren für gelungene Umsetzung ableiten.
Aus fachlich-technischer Perspektive bildet eine gründliche hydrologische Planung, die auf dauerhaft hohe Wasserstände abzielt, die Grundlage für erfolgreiche Wiedervernässung. Wasserstände sollten so eingestellt werden, dass der Torfboden dauerhaft wassergesättigt ist und sie auch im Sommer nicht zu stark absinken. Hierfür ist eine gründliche Bestandsaufnahme der Moorflächen und ihrer Hydrologie inkl. Wasserverfügbarkeit wichtig. Die Betrachtung des Einzugsgebietes und eine Planung für hydrologisch zusammenhängende Moorflächen begünstigen eine kosteneffiziente und dauerhaft erfolgreiche Umsetzung. Mögliche Auswirkungen auf angrenzende Flächen, Siedlungen und Infrastruktur sind zu prüfen. Auch nach der Umsetzung sollten systematische Untersuchungen von Wasserständen und Vegetationsentwicklung erfolgen, um Erfolge sichtbar zu machen oder Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen.

Die Einbindung von Akteur*innen und Zusammenarbeit mit Flächeneigentümer*innen, Bewirtschafter*innen, Gemeinden und Verbänden ist unverzichtbar. Wiedervernässung bedeutet häufig eine Veränderung bisheriger Nutzungen und berührt kommunale Entwicklungsinteressen. Ohne Transparenz und echte Beteiligung entstehen Widerstände, die Projekte verzögern oder verhindern können. Hilfreich sind hier frühzeitige Kontaktaufnahmen durch persönliche Gespräche, regionale Ansprechpartner*innen als Kommunikatoren, die Etablierung von vertrauensvollen Austauschformaten wie Landschaftsspaziergängen und Möglichkeiten für aktive Mitgestaltung.
Mit Hilfe von frühzeitiger Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden können Konflikte früh erkannt und Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Es lohnt sich auch, auf möglichst schlanke Genehmigungsprozesse hinzuarbeiten und Anforderungen an die Planung frühzeitig zu erkennen. So reduzieren sich Komplikationen in der Planung und Projektlaufzeiten, denn langwierige und komplexe Genehmigungsverfahren zählen zu den größten Hemmnissen. Projekte profitieren von klaren Zuständigkeiten in Behörden, gut vorbereiteten Antragsunterlagen und möglichst gebündelten Genehmigungsverfahren. Ansätze und Vorschläge zur Vereinfachung und Beschleunigung dieser Verfahren liefern bereits mehrere Studien und Publikationen von Rechtsexpert*innen sowie dem wissenschaftlichen Beirat für natürlichen Klimaschutz.
Paludikultur macht nachhaltige wirtschaftliche Nutzung von Moorflächen möglich
Für Eigentümer*innen und Bewirtschafter*innen ist die wirtschaftliche Perspektive der zukünftigen Nutzung entscheidend für die Machbarkeit und damit den Erfolg der Moorprojekte. Der Ansatz der Paludikultur, also die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Moorstandorte, ermöglicht eine Weiternutzung der Flächen auch nach Wiedervernässung – durch Mahd und Beweidung von Nasswiesen, Anbau von Schilf oder Torfmooskultivierung. Betriebe müssen aber Umstellungsphasen meistern, und neue Wertschöpfungsketten und Produkte aus Moorbiomasse sind noch nicht etabliert. Entsprechend wichtig sind verlässliche und langfristige Finanzierungsmodelle, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Bewährt haben sich langfristige Vertragsmodelle zur Kompensation von Nutzungseinschränkungen sowie Honorierung von Umweltleistungen etwa durch Agrar-, Umwelt- und Klimamaßnahmen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik oder privat finanzierte Programme wie NABU Klima+.
Wichtig ist auch die Möglichkeit der Kombination unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente. Die Bundesministerien für Umwelt (BMUKN) und Landwirtschaft (BMLEH) fördern derzeit mehrere langfristige Modell- und Pilotvorhaben für die Umsetzung von Paludikultur in Deutschland. So zeigen Projekte wie Klimafarm, BluMo, MOOReturn oder MOOSland Wege für die großflächigere Umsetzung von Moorwiedervernässung mit wirtschaftlicher Perspektive für Landnutzende durch Paludikultur auf. Die vom BMUKN angekündigte „Palu-Richtlinie“ im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz soll dies weiter ausbauen.
Wertschöpfungsmöglichkeiten und langfristige Finanzierung erhöhen die Bereitschaft, Flächen für Projekte für Moorschutz und nasse Nutzung zur Verfügung zu stellen. Nichts lässt sich umsetzen ohne den Zugang zur Fläche - eine entscheidende Hürde in vielen Projekten, vor allem wenn Eigentumsverhältnisse unklar sind oder stark zersplittertes Eigentum und viele Eigentümergemeinschaften vorhanden sind. Instrumente wie Flächentausch und beschleunigte Flurbereinigungsverfahren erhöhen die Flexibilität in der Lösungsfindung mit Eigentümer*innen. Bodenfonds oder landeseigene Flächen helfen, Moorgebiete zu arrondieren, also zusammenzulegen, und Konflikte zu lösen.
Politik muss für Planungssicherheit sorgen
Was außerhalb der Zuständigkeit und Machbarkeit von praktischen Moorprojekten liegt, für ihren Erfolg aber von großer Bedeutung ist, ist ein klarer politischer und rechtlicher Rahmen. So schaffen moorspezifische politische Ziele auf Bundes- und Landesebene Klarheit und Planungssicherheit und geben Projekten Legitimation. Sie ermöglichen die passende Ausgestaltung von Förderprogrammen und Gesetzen. Regelungen wie beispielsweise die Festlegung eines überragenden öffentlichen Interesses am Moorschutz oder Wasserrückhalt würden dabei helfen, Prioritäten bei der Raumplanung zu setzen, Zielkonflikte zu klären und Planungs- und Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Wenn Moorschutz in Fachgesetze, Raumordnung und Wasserwirtschaft integriert wird und passende Förderinstrumente bereitstehen, steigen die Chancen, dass Projekte erfolgreich sind und der Moorklimaschutz endlich in die Fläche kommt.
Die Autorin
Die Diplom-Landschaftsökologin Sophie Hirschelmann arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Greifswald Moor Centrum (Michael Succow Stiftung und Universität Greifswald). Sie ist Expertin für Moorschutz und Paludikultur, politische Rahmenbedingungen für Moore sowie Partizipation.
Weitere Informationen
Ein Beitrag von Uta Berghöfer über Landschaftsspaziergänge
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