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Reparieren – alles, was Recht ist
News | 26.06.2026
#Kreislaufwirtschaft

Reparieren – alles, was Recht ist

Animierte Personen reparieren eine Festplatte.
© adobestock_cmnaumann
Instandsetzen ist besser als Wegwerfen

Das Recht auf Reparatur ist ein Baustein des EU-Rahmengesetzes zur Neuausrichtung der europäischen Kreislaufwirtschaft. In Deutschland sind Hersteller ab Juli dazu verpflichtet, Geräte über die Gewährleistungsfrist hinaus zu einem angemessensen Preis zu reparieren. Damit soll unter anderem Elektroschrott vermieden werden. Wir haben die Referentin für nationale und europäische Kreislaufwirtschaft des DNR, Lena Steltzner gefragt, was darüber hinaus für den Ressourcenschutz zu tun ist.

Reparieren ist besser als Wegwerfen: Darüber sind sich die meisten einig. Was ist aus Ihrer Sicht notwendig, damit Verbraucher*innen nicht von der Reparatur ihres Tablets, Smartphones oder der Waschmaschine abgeschreckt werden?

Reparatur muss einfacher und günstiger werden als Neukauf. Eine Studie des Instituts für Handelsforschung zeigt, dass bereits Reparaturkosten von mehr als 22 Prozent des Neupreises abschrecken. In Frankreich fließen die Preise für Ersatzteile in einen Repair-Index ein, der Verbraucher*innen die nachhaltige Kaufentscheidung erleichtern soll. Außerdem können Anreize wie ein herstellerfinanzierter Reparaturbonus oder eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Reparaturdienstleistungen von derzeit 19 auf 7 Prozent die Rechnung zugunsten der Reparatur verschieben. Neben dem Preis ist der freie Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturinformationen zentral. Reparatur darf kein Monopol weniger autorisierter Herstellerwerkstätten sein. Auch unabhängige Betriebe, Repair-Cafés und Selbstreparierende müssen die Möglichkeit haben, Geräte instand zu setzen. Zugleich braucht es ein Verbot technischer Reparaturbarrieren. Hersteller sollten Reparaturen nicht verhindern, indem Ersatzteile von der Software nicht anerkannt werden. Und schließlich beginnt Reparierbarkeit bereits beim Design. Statt verklebt, vernietet oder verlötet zu sein, sollten sich Produkte mit gängigen Werkzeugen öffnen, zerlegen und reparieren lassen. Das Netzwerk Ressourcenwende hat zum Recht auf Reparatur kürzlich ein hilfreiches  Diskussionspapier veröffentlicht.

Portrait von Lena Steltzner
Noch funktioniert unsere Wirtschaft nach dem Prinzip „Take-Make-Waste“: Rohstoffe werden entnommen, verarbeitet, genutzt und entsorgt. Dieses Modell ist [...] für 50 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen und 90 Prozent des Rückgangs der biologischen Vielfalt verantwortlich.
Lena Steltzner
Referentin für nationale und europäische Kreislaufwirtschaft, DNR

Bisher gilt das Recht auf Reparatur nur für Elektro- und Haushaltsgeräte. Worauf sollte es erweitert werden?

Das Prinzip der Reparierbarkeit sollte schrittweise auf weitere Produktgruppen wie Möbel, Fahrzeuge, Batterien, Textilien und Bauprodukte ausgeweitet werden. Die EU könnte durch die Festlegung von produktübergreifenden Kriterien Reparierbarkeit als Standard für möglichst alle Produkte etablieren. Langfristig würde die Frage dann lauten: Warum kommen Produkte überhaupt auf den Markt, wenn sie nicht reparierbar sind?

Ressourcen schonen und sparen ist sowohl für Umwelt, Klima und Natur als auch für die Wirtschaft sinnvoll. Welches Wirtschaftsmodell ist anzustreben, um den Rohstoffverbrauch in Deutschland zu senken?

Noch funktioniert unsere Wirtschaft nach dem Prinzip „Take-Make-Waste“: Rohstoffe werden entnommen, verarbeitet, genutzt und entsorgt. Dieses Modell ist laut Global Compact Netzwerk Deutschland und WWF für 50 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen und 90 Prozent des Rückgangs der biologischen Vielfalt verantwortlich. Ein Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft ist sinnvoll, da Produkte und Materialien durch Reparatur, Wiederverwendung, Aufarbeitung und Recycling deutlich länger im Umlauf bleiben und den primären Ressourcenverbrauch senken. Das stärkt die wirtschaftliche Resilienz und führt zu weniger Importabhängigkeiten. Vom angekündigten Circular Economy Act der EU erwartet der DNR deshalb verbindliche Ressourcenschutzziele und eine klare Priorisierung von Vermeidung, Reparatur und Wiederverwendung, statt sich auf Recycling und Abfallmanagement zu beschränken.

[Interview: Marion Busch]

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