Ressourcenschutz mit sozialem Kompass

Sozial gerecht und wirtschaftlich finanzierbar: Neben den sozialen Aspekten ging es auf der Konferenz auch um ökonomische Instrumente wie eine Primärrohstoffsteuer in Verbindung mit einem Ressourcengeld, vergleichbar dem Klimageld.
In diesem Jahr fiel der German Overshoot Day – also der Erdüberlastungstag in Deutschland – bereits auf den 10. Mai. Das ist zwar eine Woche später als im Jahr 2025, das Datum markiert aber dennoch deutlich unseren zu hohen Ressourcenverbrauch. Würden alle Länder gleich viele Ressourcen verbrauchen wie Deutschland, bräuchten wir aktuell 2,8 Erden.
Eine Kehrtwende im Ressourcenverbrauch ist umso dringender nötig, da wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen leben. Darauf wirkt das Netzwerk Ressourcenwende auch in seinem zweiten Projekt hin. Es erarbeitet Vorschläge für eine ressourcenschonendere Lebensweise, die sozial fair ausgestaltet und gerade deswegen wirkungsvoll ist. Der Ansatz der Akteur*innen: Nur eine sozial gerechte Ressourcenwende wird gesellschaftlichen Anklang finden und langfristig erfolgreich sein.
Netzwerkkonferenz: Impulse für den sozialen Kompass im Ressourcenschutz
Auch bei der großen Netzwerkkonferenz Ende Juni spielt die soziale Komponente beim Weg zu mehr Ressourcenschutz eine wichtige Rolle. In Berlin diskutierten Vetreter*innen aus der Politik, vom Paritätischen Gesamtverband, der Gewerkschaft IG Metall sowie dem BUND darüber, wie konkrete Wege zu einer gerechten Transformation aussehen könnten.

Janina Yeung, Referentin für Klimaanpassung und Klimaschutz beim Paritätischen Gesamtverband, verwies in der Podiumsdiskussion zu den sozialen Chancen und Herausforderungen der Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) darauf, dass diese bisher unzureichend sozial flankiert werde. „Viele Menschen und auch soziale Träger kommen bereits jetzt finanziell an ihre Grenzen, während zugleich Kürzungen beim Wohngeld und Bürgergeld drohen. Auf diese Weise wird Ressourcenschutz gesellschaftlich nicht mitgetragen.“ Die Politik müsste beispielsweise Verdrängung durch energetische Sanierung effektiv verhindern und Ausgleichsmaßnahmen stärken.
Die SPD-Politikerin Bettina Hagedorn, Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestags, machte deutlich, dass die Lösungsansätze größtenteils bereits auf dem Tisch liegen: etwa der Dreiklang aus einer Primärrohstoffabgabe, der Vergünstigung von Sekundärrohstoffen sowie eines Ressourcengelds, um andere Maßnahmen sozial auszugleichen. Auch die Einführung einer Milliardärssteuer in Höhe von zwei Prozent wurde auf der Konferenz rege diskutiert. Letztlich sei für eine wirksame Ressourcenwende aber politischer Wille genauso entscheidend wie die Bündelung unterschiedlicher Perspektiven auf Ressourcenschutz im Bündnis. Das Ziel der Ressourcenwende müsse insgesamt mehr in das öffentliche Bewusstsein kommen.
Im Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und NGOs liegt eine der Stärken des Netzwerks. Denn durch diesen Austausch wird deutlicher, an welchen sozial-ökologischen Stellschrauben es sich zu drehen lohnt, um unseren Ressourcenverbrauch auf ein angemessenes Maß zu verringern. Zugleich können durch die gewerkschaftliche Nähe zu Bürger*innen und die Perspektive der Wohlfahrtsverbände die Bedürfnisse sozial benachteiligter Gruppen besser erkannt und mitgedacht werden.
Auf der Suche nach Lösungen: Wohnraum neu denken – weniger Fläche verbrauchen
Dass Ressourcenschutz immer auch einen starken sozialen Aspekt hat, zeigt sich insbesondere beim politischen Konfliktfeld Wohnen und Bauen. Gerade für Menschen mit geringen Einkommen machen die Wohnkosten teils bis zur Hälfte ihres Nettohaushaltseinkommens aus, bei Menschen in der Grundsicherung oder mit besonderen Wohnbedürfnissen oft noch mehr. Zugleich ist Wohnraum vor allem in Ballungsgebieten knapp, die Wohnkrise hat sich in den vergangenen Jahren in Städten wie Berlin, Frankfurt am Main oder Stuttgart zunehmend verschärft. Neubau wird zwar häufig als das Mittel zur Wahl angepriesen, um den Wohnungsmangel zu beheben. Dies geht durch den hohen Materialverbrauch beim Bauen aber zulasten des Ressourcen- und Klimaschutzes und führt potenziell zu noch mehr sozialer Ungleichheit, etwa durch höhere Mieten.
Mögliche Lösungsansätze für diese Problematik finden sich im aktuellen Diskussionspapier „Bauen und Wohnen mit Maß: Ansätze für mehr Wohnflächensuffizienz“. In der Auseinandersetzung mit der Wohnraumkrise gibt es politische Empfehlungen für eine nachhaltigere und sozial gerechtere Wohnraumnutzung durch Wohnflächensuffizienz. Suffizienter zu wohnen, bedeutet die Pro-Kopf-Wohnfläche zu verringern und den persönlichen Wohnraum auf das Nötigste zu reduzieren. Zu den Forderungen an die Politik, die das Öko-Institut, Umweltorganisationen und der Paritätische Wohlfahrtsverband erarbeiteten, zählt beispielsweise die Etablierung eines gemeinwohlorientierten Wohnraummanagements. Verbindliche Vorgaben zur Begrenzung des Flächenverbrauchs sowie die gesetzliche Verankerung eines Rechts auf Wohnungstausch könnten das ressourcenintensive Bauen zur Schaffung neuen Wohnraums ablösen.
Die Autorin
Melissa Ihlow ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet als Referentin für Pressearbeit und Social Media beim DNR. Beim Netzwerk Ressourcenwende ist sie vor allem für die Außenkommunikation wie das Verfassen des Newsletters und die Pflege der Website zuständig.
Das Netzwerk
2019 wurde es vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Deutschen Naturschutzring (DNR) ins Leben gerufen. Inzwischen umfasst das Bündnis rund fünfzig Organisationen, Vereine und Institute. Schwerpunkt der aktuellen Projektphase ist die Kooperation mit Gewerkschaften und Expert*innen. So sollen neue Allianzen für die Transformation hin zu einer ressourcengerechten Welt geschaffen werden.


