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Überall zu wenig Klimaschutz, dafür aber mehr Solar- und Windkraft
EU-News | 14.06.2024
#Klima und Energie

Überall zu wenig Klimaschutz, dafür aber mehr Solar- und Windkraft

Es ist noch Luft nach oben.
© EdWhiteImages/pixabay
Es ist noch Luft nach oben.

Weder global gesehen noch auf Europa und die Nationalen Energie- und Klimapläne (NECPs) bezogen, reichen die politischen Vereinbarungen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Die UN klagt, dass die Wälder unzureichend berücksichtigt werden. Immerhin: Der Ausbau der Erneuerbaren schreitet voran.

Ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt, dass die weltweiten national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions - NDCs) nicht ausreichen, um das Pariser Abkommen und die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C zu erreichen. Die IEA untersuchte für ihren Bericht die globalen Verpflichtungen von 145 Ländern, die auf dem COP28-Klimagipfel in Dubai gemacht wurden. Das Ergebnis: Trotz der Verpflichtung, die weltweite Kapazität zu verdreifachen bzw. auf über 11.000 Gigawatt (GW) zu erhöhen, gibt es erhebliche Lücke zwischen den aktuellen Plänen und den notwendigen Maßnahmen. Selbst wenn alle derzeitigen Ambitionen vollständig umgesetzt würden, würde die Welt immer noch 30 Prozent hinter dem Ziel zurückbleiben. 

Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. Ein kürzlich in Bonn vorgestellter Bericht des UN-REDD-Programms (Reducing Emissions from Deforestation and forest Degradation - Minderung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) zeigt, dass nur acht der 20 Länder mit den höchsten Entwaldungsraten quantifizierte Ziele für Wälder in ihren NDCs nennen. Wälder spielen eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz, da sie ein Drittel der notwendigen Emissionsreduktionen für die Erreichung der Klimaziele 2030 beitragen können. UN-REDD ruft zu einer dringenden internationalen Zusammenarbeit auf, um die Ambitionen der NDCs zu steigern. Besonders Länder mit umfangreicher Waldfläche werden aufgefordert, konkrete und messbare Ziele in ihre überarbeiteten NDCs für die COP30 (NDCs 3.0 mit einem Zeitrahmen bis 2035) aufzunehmen. 

Auch nationale Klima- und Energiepläne unzureichend 

Bereits im Oktober letzten Jahres stellte die Europäische Kommission in einem Bewertungsbericht fest, dass die bisher eingereichten Entwürfe der Nationalen Energie- und Klimapläne (NECPs) der EU-Mitgliedstaaten nicht ausreichen, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu reduzieren. Derzeit würden die Maßnahmen lediglich zu einer Reduktion von 51 Prozent führen. Daraufhin forderten CAN Europe und 14 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem offenen Brief die EU-Kommission auf, strengere Maßnahmen zu ergreifen, um die Mitgliedstaaten zu höheren Ambitionen zu bewegen und die Verpflichtungen des Pariser Abkommens zu erfüllen. Bei einer Rede im EU-Rat Ende Mai warnte Energiekommissarin Kadri Simson die EU-Mitgliedstaaten nun, dass die Kommission gezwungen sein könnte, rechtliche Schritte zu ergreifen, falls die Pläne nicht erheblich verbessert würden. Die Frist zur Einreichung der finalen Pläne endet am 30. Juni. 

Ein Hoffnungsschimmer: Fortschritte bei Wind- und Solarenergie

Trotz dieser Warnungen gibt es auch positive Entwicklungen. Seit 2019 hat die EU erhebliche Fortschritte beim Ausbau von Wind- und Solarenergie gemacht. Die Kapazität der Windkraft stieg um 31 % auf 219 GW, während die Solarkapazität um 113 Prozent auf 257 GW zunahm. Diese Zuwächse führten zu einem Anstieg der erneuerbaren Stromerzeugung um 46 Prozent zwischen 2019 und 2023. Der Anteil von Wind und Solar im EU-Strommix wuchs von 17 Prozent auf über 27 %, wodurch der Anteil erneuerbarer Energien insgesamt von 34 auf 44 Prozent stieg. Die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sank um 22 Prozent, wobei die Kohleverstromung um 25 und die Gasverstromung um 21 Prozent zurückgingen. Dies führte zu einem Rückgang der fossilen Brennstoffe im Strommix auf 32,5 Prozent und einer Reduktion der Emissionen im Stromsektor um 18 Prozent.

Dennoch: Die EU steht vor der dringenden Aufgabe, ihre Mitgliedstaaten zu ambitionierteren und konkreteren Maßnahmen zu bewegen, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen. Dies wird angesichts der neuen Zusammensetzung des Europäischen Parlaments (EU-News vom 13.06.2024) keine leichte Aufgabe sein. Wie eine entschlossene und sozial gerechte Umsetzung des European Green Deal, der zentral für das Erreichen von Klimaneutralität ist, aussehen kann, können Sie in dem gemeinsamen Appell des DNR und 34 weiteren Verbänden und Organisationen nachlesen. [ks]

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