CO2-Ausstoß nimmt 2019 weiter ab, aber nicht überall

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20.03.2020 - Das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesumweltministerium (BMU) legten im März ihre vorläufige Bilanz zum Treibhausgasausstoß vor. Demnach wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – rund 54 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent weniger als 2018.

Energiewirtschaft spart am meisten

Die Energiewirtschaft erbrachte das mit Abstand größte Minus von fast 51 Millionen Tonnen CO2. Dies entspricht einem prozentualen Rückgang von 16,7 Prozent im Vergleich zu 2018. Eine wesentliche Ursache ist laut UBA der Einsatz von emissionsärmeren Gas- statt Kohlekraftwerken. Auch der deutlich gestiegene Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion trug zur Verringerung bei.

Auch in der Industrie (minus 7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) und in der Landwirtschaft (minus 2,3 Prozent) gingen die Emissionen gegenüber dem Vorjahr zurück. Als Gründe im Agrarsektor führt das UBA sinkende Tierbestände an.

Die Verlierer

Die Emissionen aus dem Gebäudebereich stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5 Millionen Tonnen an. Ein wesentlicher Treiber sind die deutlich gestiegenen Heizölabsätze, so das UBA.

Wenig überraschend ist die Entwicklung der klimaschädlichen Emissionen im Verkehr. 163,5 Millionen Tonnen CO2 bedeutet einen Anstieg von 1,2 Millionen Tonnen verglichen mit 2018. Zwar kamen sparsamere Fahrzeuge auf den Markt, gleichzeitig nahm aber der Kfz-Bestand zu (plus 1,6 Prozent), so dass insgesamt mehr Benzin und Diesel verbraucht wurde, erläutert das UBA in seiner vorläufigen Bilanz.

Kritik von Klimaschützer*innen 

Für Henrik Maatsch vom WWF Deutschland dürfen die Zahlen über eine Sache nicht hinwegtäuschen: „Der Emissionsrückgang ist erfreulich, aber kein alleiniger Verdienst der Bundesregierung. In Folge der Reform des EU-Emissionshandels beginnt ein erhöhter CO2-Preis endlich Wirkung zu zeigen. Deutlich weniger Kohle wurde für Strom verbrannt. Das darf allerdings nicht über die strukturelle Trägheit in der deutschen Klimapolitik hinwegtäuschen, denn im Verkehr- und Gebäudebereich sind die Emissionen nicht gesunken – sondern sogar noch gestiegen.”

Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub VCD verwies darauf, dass die CO2-Emissionen im Verkehr seit Jahrzehnten unverändert hoch und allen Klimaschutzmaßnahmen zum Trotz im vergangenen Jahr sogar leicht gestiegen seien. Weiter kritisierte er, dass die im Klimaschutzprogramm beschlossenen Maßnahmen für den Verkehr nicht ausreichten: „Der Kfz-Bestand nimmt weiter zu und auch die Zahl der SUV. Steigende Fahrleistungen im Straßengüterverkehr machen die Effizienzsteigerungen bei Pkw und Lkw wieder zunichte.”

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, fällt ein ähnlich vernichtendes Urteil: „Die erschreckenden Statistiken des Umweltbundesamtes für den Verkehr sind der amtliche Beleg dafür, dass der Bundesregierung ein ganzheitliches Konzept für eine Verkehrswende hin zu mehr Klimaschutz fehlt“. [aw]

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