Klima & Energie

Konferieren und konsultieren zur EU-Klimastrategie 2050

11.07.2018

Eine neue EU-Klimastrategie 2050 war Gegenstand einer hochrangigen Konferenz am Dienstag und Mittwoch in Brüssel. Für Umweltverbände ist die Richtung klar: Höhere EU-Ziele müssen her.

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete erklärte auf der Konferenz, dass die Kommission im November eine aktualisierte Fassung der Langzeitstrategie vorlegen werde. Diese habe allerdings keinen Gesetzescharakter und sei somit rechtlich nicht bindend. Cañete deutete an, die europäischen Reduktionsziele für 2030 und 2050 anzuheben, um sie in Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaabkommen zu bringen. Besonderes Augenmerk soll auf der Landnutzung liegen, die auf klimaneutrale Bioenergie und CO2-Senken abheben soll.

Vizekommissar Maroš Šefčovič, zuständig für die Energieunion, unterstrich in seiner Rede, dass Meilensteine und Zielpfade unerlässlich seien auf dem Weg in eine emissionsfreie Wirtschaft und Gesellschaft. Abschließend forderten Šefčovič und Cañete alle Stakeholder*innen auf, sich am Austausch über die Strategie zu beteiligen.

Die Kommission plant, Anfang der kommenden Woche eine öffentliche Konsultation zur langfristigen Klimastrategie ins Leben zu rufen. Sie soll 12 Wochen dauern.

Nach Informationen des Umweltnachrichtendienstes ENDS vermutete Wendel Trio, Direktor des Climate Action Network (CAN) Europe, dass der für Oktober erwartete Weltklima-Bericht das 1,5 Grad-Ziel nach wie vor für erreichbar halte. Doch werde dies eine Reduktion von Treibhausgasen in einem Ausmaß bedeuten, wie „wir es noch nie zuvor getan haben.“

Julia Christian von der Umweltorganisation Fern erläuterte, dass die EU nicht nur den CO2-Ausstoß verringern, sondern gleichzeitig CO2 aus der Atmosphäre entfernen müsse. „Der einzig sichere Weg, dies zu tun, ist die Wiederaufforstung.“

Das europäische Büro des WWF veröffentlichte am Dienstag ein Positionspapier. Darin fordert die Umweltstiftung, dass die EU bereits für das Jahr 2040 Netto-Null-Emissionen anpeilen müsse. Zu erreichen sei dieses Ziel, indem Kohle, Öl und Gas nicht mehr genutzt, die Energieeffizienz beträchtlich gesteigert und Energie aus 100 Prozent erneuerbare Energien gewonnen würden. Auch müsse der Wandel in eine Kreislaufwirtschaft stattfinden.

Vor der Konferenz riefen Bürgermeister*innen aus zehn europäischen Städten in einem offenen Brief Šefčovič und Cañete dazu auf, die EU-Klimaziele an die Vorgaben des Abkommens von Paris anzupassen. Der mehrjährige Finanzrahmen 2021 bis 2027 müsse in Einklang mit dem Klimaschutz gebracht werden. Zudem müsse das 2030-Ziel erheblich nach oben korrigiert werden. Die Stadtoberhäupter aus Arendal, Barcelona, Bonn, Heidelberg, Kopenhagen, London, Mailand, Paris Stockholm, Turku erklärten, bereits bis 2030 die Dekarbonisierung des Verkehrs und von Gebäuden, 100 Prozent erneuerbare Energien sowie die Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen. [aw]

Rede von Cañete 
Rede von Šefčovič 
Fern Briefing 
WWF EU Positionspapier 
Bürgermeister*innen-Brief