Naturschutz & Biodiversität

Forschergruppe: Richtlinie fehlt, aber Bodenschutz muss sein

26.09.2018

Eine multidisziplinäre Gruppe europäischer ExpertInnen hat jüngste Forschungsergebnisse zur Sicherung der Nachhaltigkeit europäischer Böden untersucht und zusammengetragen, wie integrierte politische Lösungen aussehen könnten. Demnach gibt es viele Möglichkeiten auf Politikebene, die wertvolle Ressource Boden zum Wohle der EU-BürgerInnen zu schützen.

Der European Academies Science Advisory Council (EASAC) hat einen Bericht veröffentlicht, der sich insbesondere auf die Biodiversität im Boden und ihren Beitrag zur oberirdischen Vielfalt konzentriert. Außerdem wurde der Zusammenhang zwischen Böden und moderner Landwirtschaft sowie die Verknüpfung zwischen Boden, Pflanzen und der menschlichen Gesundheit untersucht. Hinzu kommen Wechselwirkungen zwischen Böden und Klimawandel. All das wird dann im Hinblick auf die politischen Möglichkeiten diskutiert.

Der EASAC glaubt, dass dieser Bericht noch einmal neue Perspektiven auf die Debatte um eine europäische Bodenschutzrichtlinie bringen könnte, um zum Schutz der nicht erneuerbaren Ressource Boden beizutragen. Der Bericht zeige mehrere wichtige Synergien und mögliche Lösungswege auf, um die nationalen Aktivitäten zum Bodenschutz und die Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten zu verbessern. Die EU müsse angesichts der Pläne der Vereinten Nationen und deren Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, eine globale Bodenbiodiversitätsbewertung zu starten, überlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen wolle.

Fortschritte bei den Altlasten

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der EU hat parallel die Fortschritte beim Management von verseuchten Böden in Europa bewertet. Allgemein konstatiert die JRC dabei Verbesserungen. Für die insgesamt 39 befragten Länder wurden 2,5 Millionen Standorte gezählt, an denen für die Böden umweltschädliche Aktivitäten stattgefunden haben. Bis Ende 2016 gab es mehr als 650.000 registrierte kontaminierte Standorte, mehr als 65.500 Standorte wurden bereits saniert. Insgesamt trügen die Produktionssektoren stärker zur Umweltverschmutzung vor Ort bei als die Dienstleistungssektoren (60 Prozent im Vergleich zu 32 Prozent). Die häufigsten Verunreinigungen seien auf Mineralöle und Schwermetalle zurückzuführen. Das am häufigsten verwendete Sanierungsverfahren scheint die Ausgrabung und Vor-Ort-Entsorgung von kontaminierten Böden zu sein.

Bodenerosion kostet 1,25 Milliarden Euro jährlich

Mehr als 12 Millionen Hektar Land, das entspricht 7,2 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche, sind in der EU von Bodenerosion betroffen. Die JRC der Europäischen Kommission hatte im Frühjahr (EU-News 01.03.2018) in einer Studie berechnet, dass die europäischen Mitgliedstaaten jährlich 1,25 Milliarden Euro durch Produktivitätsverluste verlieren. In Deutschland entstünden jährlich Verluste von etwa 50,7 Millionen Euro durch Bodenerosion. Die JRC appelliert an die Regierungen, mehr Schutzmaßnahmen durchzuführen, um die Erosionsraten zu verringern. [jg]

Pressemitteilung EASAC

EASAC-Report "Opportunities for soil sustainability in Europe"

JRC-Bericht zum Management kontaminierter Böden