Wasser & Meere

EU soll mehr gegen Überfischung der Meere tun

04.05.2018

Am sogenannten Fish Dependence Day haben verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen zur Schonung der überfischten Fischbestände in den europäischen Meeren aufgerufen. Rein rechnerisch stamme jeder Bissen Fisch, der ab heute in diesem Jahr noch verzehrt wird, aus importierten Fischereierzeugnissen, kritisierten die Deutsche Umwelthilfe, Brot für die Welt und Slow Food.

Die EU-FischereiministerInnen müssten endlich ihrer Verpflichtung nachkommen, der Überfischung bis 2020 ein Ende zu setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse der Fischereirat entschlossen vorgehen. Noch immer lägen für etwa ein Drittel der Bestände die Gesamtfangmengen oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen. Eine konsequente Beendigung der Überfischung in der EU diene auch dem Schutz der Ökosysteme in Ostsee, Nordsee und Atlantik. Die Verschwendung von Fischressourcen durch Rückwürfe unerwünschter Beifänge müsse beendet werden.

Zudem müssten Mengen- und darüber hinaus gehende Regelungen für EU-Fangschiffe in internationalen Gewässern dringend besser kontrolliert werden. Neben den sozialen Folgen wie Hunger und Mangelernährung in Afrika und Asien müssten auch ökologische Ansätze im Meeresschutz stärker als bisher beachtet werden. "Gerade in der Fischereipolitik wird aus entwicklungspolitischer Perspektive deutlich, dass eine Beschränkung der Fangmengen allein nicht ausreicht, um eine nachhaltige Fischerei zu gewährleisten. Die Zerstörung der Küstenökosysteme, die Verschmutzung der Meere oder auch der Ausbau der Offshore-Industrie tragen zum schlechten Zustand der Fischbestände bei und gefährden somit weltweit die Existenzgrundlagen der Kleinfischerei", warnte Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans.

Ein kürzlich vom Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschuss für Fischerei der EU (STECF) vorgelegter Bericht zeige, dass die EU von ihrem 2020-Ziel noch weit entfernt ist. Zwar konnten seit 2003 Fortschritte beim Wiederaufbau der Fischbestände erzielt werden. So seien statt 70 Prozent der untersuchten Bestände in den europäischen Gewässern nur noch 40 Prozent überfischt. Diese positive Entwicklung habe sich in den letzten Jahren aber stetig verlangsamt, was aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe "ein besorgniserregender Trend" ist. Laut STECF-Bericht stehen nicht ausreichend Daten zur Verfügung, um verlässliche wissenschaftliche Einschätzungen der Fischbestände in Nord- und Ostsee vorzunehmen. "Nur für 22 Fischbestände in der Nordsee und acht in der Ostsee können Fanggrenzen im Einklang mit dem vereinbarten Nachhaltigkeitsziel des größtmöglichen Dauerertrags (maximum sustainable yield) überhaupt errechnet werden. Von diesen 30 Beständen werden noch immer 13 überfischt. Wie viele von den übrigen Beständen von Überfischung betroffen sind, ist schlichtweg auf Grund von mangelnder Daten nicht bekannt", kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Rahmen der Kampagne Our Fish. [jg]

Pressemitteilung zum Fish Dependence Day

DUH-Pressemitteilung zum EU-Fischereimanagement