Wasser & Meere

Europäisches Trinkwasser bald frei von Hormongiften?

01.02.2018

Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für eine neue Trinkwasserrichtlinie vorgestellt. Der Entwurf sieht überarbeitete Grenzwerte für Schadstoffe im Wasser und einen besseren Zugang zu Trinkwasser vor.

Die Neufassung der Richtlinie von 1998 erweitert die Liste von Schadstoffen, deren Gehalt im Trinkwasser überwacht werden muss. So schlägt die Kommission vor, die Stoffe Chlorat und Chlorit sowie die persistenten und giftigen per- und polyfluorierten Substanzen (PFAS) in den Katalog der zu überwachenden Stoffe aufzunehmen. Daneben sollen auch drei endokrin wirksame Stoffe im Trinkwasser überwacht werden: Beta-Estradiol, Bisphenol A und Nonylphenol. Die Grenzwerte für Blei und Chrom im Trinkwasser sollen zehn Jahre nach Inkrafttreten der neuen Verordnung jeweils um die Hälfte reduziert werden. Die neuen Regelungen sollen dem Vorsorgeprinzip und dem Prinzip der Gefahrenanalyse folgen. Der Entwurf sieht auch vor, Trinkwasser auf Mikroplastikbestandteile zu kontrollieren. Die Neufassung der Richtlinie war veranlasst worden, um die Qualitätsstandards des Trinkwassers an den neuesten Stand der Wissenschaft anzupassen.

Die erneuerte Richtlinie bildet zudem einen Teil des EU-Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft. In diesem Zusammenhang sollen die Mitgliedstaaten die Nutzung von Leitungswasser fördern, zum Beispiel durch Trinkbrunnen in öffentlichen Gebäuden. Somit soll der Verbrauch von Wasser in Plastikflaschen gesenkt und Plastikmüll reduziert werden.

Die Kommission hat mit der Neufassung der Richtlinie auch auf die Forderungen der ersten Europäischen Bürgerinitiative „Wasser ist Menschenrecht“ reagiert. 1,8 Millionen Menschen hatten darin seit fünf Jahren einen besseren Zugang zu Trinkwasser für marginalisierte Gruppen  gefordert. Der Entwurf sieht vor, dass die Mitgliedstaaten alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um den Zugang zu Trinkwasser zu erleichtern. Die Kommission bezeichnet Wasser jedoch nicht, wie von der Initiative gefordert, als Menschenrecht. Für Andreas Scheidt, Bundesvorstandsmitglied von Verdi, ist dies zu wenig, da die Verpflichtung sehr unkonkret bleibe und über Informationspflichten kaum hinausgehe. [km]


Pressemitteilung Kommission
Fragen und Antworten zur neuen Trinkwasserrichtlinie (Kommission)
Pressemitteilung Verdi