Naturschutz & Biodiversität

UNESCO bietet Polen Paroli und rüffelt Rumänien

04.07.2019

Auf der 43. Sitzung des Welterbe-Komitees im aserbaidschanischen Baku hat die UNESCO ein Bündel an Warnungen und Ermahnungen an die zuständigen Staaten verfasst. Zum wiederholten Mal ging es um den Białowieża-Nationalpark in Polen, aber auch um die transnationale Welterbestätte "Buchenurwälder und alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas". Das Welterbe-Komitee tagt noch bis zum 10. Juli.

"Mit Besorgnis" registriert das Komitee, dass Polen plant, mittels Änderungen seines Forstmanagementplans große Holzmengen aus dem Białowieża-Nationalpark zu entnehmen und dass zwischen 2016 und 2018 im Wald weiträumig abgeholzt wurde. Die polnische Regierung sollte unverzüglich die Entwicklung eines gesamtstaatlichen Managementplants beginnen, der den Schutz des außergewöhnlichen universellen Wertes als zentrales Ziel festlegt, empfiehlt das Komitee. Der Streit um den Białowieża-Nationalpark läuft bereits seit Jahren, 2018 gab es ein Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zugunsten des Naturschutzes (EU-News 17.04.2019), 2019 ging es weiter. In einer Resolution im Februar hatten mehr als 100 Wissenschaftler*innen gefordert, sämtliche forstwirtschaftlichen Aktivitäten im gesamten Białowieża-Wald mit sofortiger Wirkung zu beenden (EU-News 14.02.2019). Bereits im Januar hatte ein breites Bündnis von Umweltorganisationen die polnische Regierung aufgefordert, Pläne für den kommerziellen Holzeinschlag im Białowieża-Nationalpark zu stoppen (EU-News vom 31.01.2019). Das Verbot der Wolfsjagd im belarussischen Teil des Białowieża-Gebietes sollte laut Welterbe-Komitee übrigens dauerhaften Status bekommen.

Speziell Rumänien muss mehr tun, um seine Buchenurwälder zu schützen. Aber auch alle anderen 11 Staaten (darunter Deutschland, Spanien, Österreich und Slowenien) der transnationalen Welterbestätte wurden gemahnt, der angemessenen Verwaltung von Pufferzonen besondere Bedeutung beizumessen, um ungestörte natürliche Prozesse zu unterstützen. Die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Agent Green hatten zahlreiche Holzeinschläge in Pufferzonen dokumentiert und öffentlich gemacht. Die Versäumnisse einzelner Regierungen hätten Auswirkungen auf die gesamte Welterbestätte, kritisierten die Umweltverbände. "Es steht zu befürchten, dass diese außerordentliche Welterbestätte bald den Status 'gefährdet' erhält – und das schließt dann auch die deutschen Gebiete mit ein. Das Management der rumänischen Flächen wurde in den vergangenen Jahren nicht verbessert, nun muss schnell gehandelt werden. Das Welterbe-Komitee betritt mit seiner Ankündigung einer erneuten Begutachtung der Welterbeflächen schon die Eskalationsstufe 1. Wir hoffen, dass dieser Druck die rumänische Regierung endlich zum Umdenken bringt. Rumänien hütet einen Urwald-Schatz, der fast überall in Europa längst verloren ist“, sagte EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer.

Die Zustandsbeschreibung der Weltnaturerbestätten der UNESCO umfasst 249 Seiten. Handlungsbedarf besteht fast überall. Der NABU warnte, dass immer mehr Welterbestätten durch Infrastrukturausbau, Massentourismus, schlechtes Management, den Klimawnadel oder kriegerische Konflikte bedroht seien. Die "Rote Liste" der Welterbestätten wachse, aktuell seien 54 in Gefahr, darunter auch das UNESCO-Weltnaturerbegebiet "Westkaukasus". Baupläne für Skikurorte und Straßen bedrohten die Naturräume massiv. "Zudem bricht die russische Regierung ihr Versprechen, die durch die Bauarbeiten für die olympischen Spiele verursachte Naturzerstörung im Westkaukasus zu kompensieren", sagte Vitalij Kovalev, Leiter des NABU-Kaukasusprogramms. Der NABU plädierte außerdem für die Aufnahme hyrkanischer Reliktwälder im Kaukasus und im Iran, weltweit einmalige Waldökosysteme, die vor 20 Millionen Jahren entstanden sind.  [jg]

UNESCO-Entscheidungen [PDF, englisch] (Buchenurwälder S. 29, Białowieża S. 33)

Artikel über Polen und Białowieża im Umweltinformationsdienst ENDS (kostenpflichtig)

Reaktion EuroNatur (Rumäniens Urwälder)

NABU-Pressemitteilung