Wasser & Meere

Fischereimanagementplan fürs Mittelmeer so gut wie beschlossen

04.04.2019

Der erste EU-weite, mehrjährige Bewirtschaftungsplan für das westliche Mittelmeer ist einen Schritt weiter. Das Europäische Parlament hat am Donnerstag der vorläufigen Einigung zwischen den EU-Institutionen (EU-News 05.02.2019) mit 461 Ja- zu 62 Nein-Stimmen bei 101 Enthaltungen zugestimmt. Nun fehlt nur noch die formale Zustimmung des EU-Ministerrats [1] und die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt.

Im Mehrjahresplan geht es unter anderem um den bestmöglichen Dauerertrag bei den kommerziell befischten Arten, spezifische technische Erhaltungsmaßnahmen, jährliche an wissenschaftlichen Empfehlungen orientierte Fangquoten sowie eine dreimonatige Schließung in bestimmten Zonen in 100 Meter Tiefe für mit Schleppnetzen operierende Trawler. Laut Parlament würde damit eine "Balance zwischen ökologischer und sozioökonomischer Nachhaltigkeit" erreicht; sensible Habitate würden ebeneso wie kleine Fischereien geschützt. Der Plan soll nach den ersten fünf Jahren und danach alle drei Jahre bewertet und gegebenenfalls angepasst werden. Im ersten Jahr der Umsetzung (2020) soll der maximale Fischereiaufwand im Vergleich zu den zwischen 2012 und 2017 erlaubten Fangtagen um zehn Prozent gesenkt werden. In den folgenden vier Jahren soll der maximale Fischereiaufwand um 30 Prozent reduziert werden. Betroffene Fischereien sollen Entwchädigungen aus dem neuen Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) erhalten können. Freizeitfischerei soll begrenzt werden können, sofern ihre Auswirkungen auf die Fischbestände zu hoch sei.

Die Meeresschutzorganisation Oceana hatte schon den EU-Kommissionsvorschlag als nicht weitreichend genug kritisiert, um Ökosysteme und überfischte Arten wirklich zu schützen. 80 Prozent der kommerziellen Grundfischbestände im Mittelmeer seien bereits überfischt. Oceana fordert ein ganzjähriges Schleppnetzverbot bis 100 Meter Tiefe. [jg]

Pressemitteilung des Parlaments

Oceana-Factsheet zum westlichen Mittelmeerraum

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[1] Nachtrag 06.06.2019: Rat nimmt den Plan an, siehe Pressemitteilung