Klima & Energie

Energetische Gebäudesanierung: gut für Jobs, den Geldbeutel, das Klima

18.09.2020

c. Pixabay

Die EU-Abgeordneten drängen in einer Entschließung darauf, die Renovierung von Gebäuden und die Bekämpfung von Energiearmut EU-weit voranzutreiben. Umweltschutzorganisationen begrüßten die Position.

Das Parlament fordert eine europäische Gebäude- und Renovierungspolitik, die im Einklang mit den Klimazielen der EU steht. Ein höheres EU-Klimaziel 2030 (EU-News vom 17.09.2020) müsse eine Anhebung der Energieeffizienzziele gemäß der Energieeffizienz-Richtlinie (EED) nach sich ziehen. Auch brauche es Mindestquoten für die Gebäudesanierung.

Die von der Kommission geplante Strategie für eine „Renovierungswelle“ müsse aus Sicht der Abgeordneten auf die Bedarfe der einzelnen Mitgliedstaaten zugeschnitten sein – auch in Übereinstimmung mit den integrierten nationalen Energie- und Klimaplänen (NECP). Neben dem Klimaschutz müsse die Renovierungswelle darauf abzielen, Energiearmut zu beseitigen sowie gesunde und sichere Lebensbedingungen für alle EU-Bürger*innen herzustellen. Darüber hinaus könnten die COVID-19-Aufbauhilfen dazu beitragen, finanzielle Anreize für umfassende Renovierungen zu schaffen, wodurch neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. 75 Milliarden Euro EU-Gelder pro Jahr schlagen die Parlamentarier*innen vor.

Aus Sicht der Brüsseler Klimaschutzorganisation CAN Europe sendet das Parlament das richtige Signal an die Kommission und EU-Mitgliedstaaten. Deutlich mehr Gebäude müssten energetisch saniert werden, als bisher geschehen. Immerhin sei der Gebäudesektor für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU und für knapp 36 Prozent der EU-weiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Auch die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth Europe (FoEE) zeigte sich erfreut über die Inhalte der Entschließung. Es sei eine „win-win-win-situation“ für das Klima, für mehr Beschäftigung und weniger Energiearmut. Die EU könne in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung einnehmen.

Voraussichtlich im Oktober wird die EU-Kommission ihre Strategie zur Förderung der Energieeffizienz von Gebäuden vorlegen, mit der sie eine „Renovierungswelle“ anstoßen wolle. Die Strategie ist Teil des europäischen Green Deal. [aw]

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 17. September 2020 zu der Maximierung des Energieeffizienzpotenzials des Gebäudebestands der EU

CAN Europe: European Parliament asks for a faster and deeper renovation of buildings

FoEE: MEPs demand renovation plan to cut carbon and energy poverty    

Pläne zur Gebäudesanierung offenbaren Schwächen oder fehlen ganz

Eigentlich hätten die EU-Mitgliedstaaten bis März dieses Jahres ihre Langfriststrategien für höhere Gebäudeenergieeffizienz (Long-term renovation strategies, LTRS) an die EU-Kommission übermitteln sollen. Nur zwölf Länder (Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden, Tschechien, Zypern) sowie zwei von drei belgischen Regionen taten dies. Von diesen nun veröffentlichten Plänen genügt keiner - bis auf den spanischen Beitrag - den Anforderungen der EU-Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie (EPBD). Das geht aus einem am Dienstag erschienenen Bericht der Denkfabrik BPIE (Buildings Performance Institute Europe) hervor.

A review of EU Member States’ 2020 Long-term Renovation Strategies