Klima & Energie

Es schwappt eine Renovierungswelle ins europäische (Bau)Haus

15.10.2020

c. Pixabay

Die EU-Kommission hat am Mittwoch ihre Strategie für eine Renovierungswelle präsentiert, die darauf abzielt, den Gebäudebestand in der EU energie- und ressourceneffizienter zu machen und gegen Energiearmut vorzugehen. Umweltschutzorganisationen reagierten positiv.

Brüssel will deutlich mehr sanieren

Laut EU-Kommission ist der Gebäudesektor für 40 Prozent des Energieverbrauchs und für 36 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich. Damit Verbrauch und Emissionen sinken, will die EU-Kommission dafür sorgen, dass sich die Renovierungsquote bis 2030 mindestens verdoppelt. Brüssel prognostiziert, dass somit bis zu 35 Millionen Gebäude renoviert und „bis zu 160.000 zusätzliche grüne Arbeitsplätze im Baugewerbe geschaffen werden“ können.

Der für den europäischen Grünen Deal zuständige Exekutiv-Vizepräsident der Kommission Frans Timmermans erklärte dazu: „In Europa sollen Beleuchtung, Heizung oder Kühlung der eigenen vier Wände kein Luxus sein, der verheerende Folgen für die Finanzen oder den Planeten hat. Durch die Renovierungswelle werden die Gebäude, in denen wir arbeiten, leben und lernen, verbessert.“

Maßnahmen für 1) die Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteerzeugung, 2) die Bekämpfung von Energiearmut und für Gebäude mit der geringsten Energieeffizienz sowie für 3) die Renovierung öffentlicher Gebäude (Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude usw.) sollen vorrangig gefördert werden.

Diesbezüglich schlägt die Kommission ein Bündel an Instrumenten vor. So sollen strengere Auflagen für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gelten, um Renovierungen im öffentlichen und privaten Sektor voranzutreiben. Ebenso müsse eine leicht zugängliche und gezielte Finanzierung gewährleistet und die Kapazitäten für Renovierungsprojekte ausgebaut werden.

Außerdem beabsichtigt die Kommission, ein neues europäisches Bauhaus ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich laut EU-Behörde um ein interdisziplinäres Projekt, dem ein Beratungsgremium mit Sachverständigen aus Wissenschaft, Architektur, Design, Kunst, Planung und Zivilgesellschaft vorstehen soll. Bis Sommer 2021 will die Kommission einen breit angelegten, partizipativen Prozess zur Organisation und Arbeitsweise einleiten. 2022 sollen dann fünf Gründungsbauhäuser in verschiedenen EU-Ländern etabliert werden.

Umwelt- und Klimaverbände: große Chance fürs Klima

Das Climate Action Network (CAN) Europe lobte die Strategie als Schritt in die richtige Richtung. Endlich erkenne die Kommission an, wie wichtig Gebäude für die Reduktion von Treibhausgasemissionen sind. Jedoch plädierte CAN Europe für mindestens eine Verdreifachung der Sanierungsrate, um das notwendige Reduktionsziel von 65 Prozent weniger CO2 bis 2030 zu erreichen.

Mehr Tempo bei der Sanierung forderten auch Friends of the Earth Europe. Dass es rechtsverbindliche Minimumstandards für die Energieeffizienz von Gebäuden geben soll, begrüßte die Umweltschutzorganisation.

Zwar wertete auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Strategie als positiv, verlangte aber genauso, die Sanierungsrate von derzeit 1 Prozent pro Jahr auf mindestens 3 Prozent anzuheben. Vorreiter müssten öffentliche Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser und Sozialwohnungen werden. Ein klares Signal ging auch an die Bundesregierung. Diese müsse ihr Gebäudeenergiegesetz früher als geplant überarbeiten, also deutlich vor 2023. [aw]

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CAN Europe: The Renovation Wave sets the right direction, but falls short on the needed ambition

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