Klima & Energie

Klima & Energie kompakt vom 30.07.2020

30.07.2020

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Konsultationen zu CO2-Grenzausgleich und Energiebesteuerung, erneuerbare Energien schlagen Fossile bei Stromerzeugung, Batteriezellenproduktion, Kernfusionsprojekt ITER, Studie zu fossilen Subventionen – Sommerpause? Von wegen…

Neue Konsultationen

Die EU-Kommission will Stellungnahmen zu einem geplanten CO2-Grenzausgleichssystem sowie zur Revision der Energiebesteuerungsrichtlinie einholen. Beide Konsultationen stehen in direkter Verbindung zum europäischen Ziel der Klimaneutralität 2050.

Vor allem sieht die EU-Kommission die Gefahr der Verlagerung von CO2-Emissionen ins Ausland. Dabei verlegen Unternehmen ihre Produktion in Länder, die weniger strenge Emissionsvorschriften haben. Die Emissionen würden so weltweit nicht reduziert. Die neue Regelung würde dieser Tendenz dadurch entgegenwirken, dass bei Einfuhren bestimmter Waren aus Drittländern ein CO2-Preis erhoben wird.

Die öffentliche Konsultation zum Vorschlag für eine Richtlinie läuft bis zum 28. Oktober.
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Mit der Überarbeitung der Energiebesteuerungsrichtlinie will die Kommission die Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom angleichen an die Energie- und Klimapolitik der EU als Beitrag zur Verwirklichung der EU-Energieziele für 2030 und zum Erreichen der Klimaneutralität bis 2050. Zudem soll der EU-Binnenmarkt durch Aktualisierung des Anwendungsbereichs und der Struktur der Steuersätze sowie durch sparsamere Verwendung optionaler Steuerbefreiungen und -ermäßigungen geschützt werden.

Bis 14. Oktober kann der Vorschlag kommentiert werden.     

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Wie das Nachrichtenportal Climate Home News in der vergangenen Woche berichtete, erreichte die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien neue Rekorde. Einer Analyse der Denkfabrik Ember (ehemals Sandbag) zufolge hatten Wind, Sonne, Bioenergie und Wasserkraft einen Anteil von 40 Prozent an der EU-weiten Stromerzeugung im ersten Halbjahr 2020, während Kohle, Gas und Öl auf 34 Prozent kamen. Insbesondere die Kohleverstromung nahm deutlich ab. Der Einfluss der Corona-Krise war allerdings auch spürbar, denn der Strombedarf sank im gleichen Zeitraum um sieben Prozent.

Für Deutschland vermeldete das Umweltbundesamt (UBA) gleichfalls einen Zuwachs an Strom aus erneuerbaren Quellen. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 2020 etwa 138 Milliarden Kilowattstunden (kWh) erneuerbarer Strom erzeugt und damit rund acht Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2019. Das entspricht einem Plus von etwa 10 Milliarden kWh. Wegen der Corona-Krise sank der Stromverbrauch, was dazu führte, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch deutlich zulegte und im ersten Halbjahr 2020 erstmals bei etwa 50 Prozent lag – ein Anstieg um etwa sechs Prozentpunkte, nachdem der Anteil im ersten Halbjahr 2019 noch bei 44 Prozent lag.

Climate Home News: Renewables overtake fossil fuels

UBA: Erneuerbare Energien wachsen weiter 

Gigafabrik in Nordschweden

Wie die EU-Kommission am Mittwoch mitteilte, wird die Europäische Investitionsbank (EIB) die erste Gigafabrik für Lithium-Ionen-Batteriezellen auf europäischem Boden mit einem Kredit in Höhe von 350 Millionen US-Dollar unterstützen. Die Fabrik wird zurzeit gebaut und befindet sich in Nordschweden. Sie soll zunächst Batterien mit einer Kapazität von bis zu 16, später bis zu 40 Gigawattstunden pro Jahr herstellen und für die Produktion zu 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen. Die Finanzierung erfolgt über den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI).

Um die Elektromobilität voranzubringen und von ausländischen Herstellern unabhängiger zu werden, hatte die EU-Kommission 2017 eine Europäische Batterien-Allianz ins Leben gerufen. Ziel sei es, eine wettbewerbsfähige, innovative und nachhaltige Wertschöpfungskette in Europa mit nachhaltigen Batteriezellen zu schaffen. Um allein die Nachfrage nach Batterien in der EU zu decken, werden selbst bei konservativer Schätzung mindestens 20 „Giga-Fabriken“ (Großanlagen für die Batteriezellfertigung) in Europa benötigt, so die Kommission.

EU-Kommission: European backing for Northvolt's battery gigafactory in Sweden   

EU-Kommission: Europäische Batterie-Allianz: Große Fortschritte beim Aufbau einer europäischen Batterieproduktion nach nur einem Jahr

Kernfusionsreaktor ITER: nächste Bauphase eingeläutet

Im Rahmen des weltweit größten Kernfusionsprojekts ITER startete am Dienstag offiziell die Phase des Zusammenbaus im Innern des Forschungsreaktors. Bereits seit zehn Jahren wird an dem Projekt gebaut. Ziel ist es, im Reaktor Wasserstoffatomkerne zu Heliumkernen zu verschmelzen, so wie es auf der Sonne passiert. Die 35 beteiligten Staaten und EU-Institutionen hoffen auf eine klima- und umweltfreundliche Energiequelle der Zukunft.

Allerdings soll ITER nur Forschungszwecken dienen, zur Stromherstellung soll der Reaktor nicht verwendet werden, berichtete die Tagesschau. Heinz Smital von Greenpeace kritisierte gegenüber der Tagesschau, dass das Forschungsvorhaben zu spät komme. ITER werde die Klimakrise nicht lösen. Es brauche andere schnelle Lösungen.

Geplant ist, dass ITER 2025 in Betrieb gehen soll.

EU-Kommission: Kernfusion: Forschungsreaktor ITER geht in Zusammenbau 

Tagesschau 20 Uhr vom 28.07.2020 ab Minute 00:12:34 

Neue FÖS-Studie zu Subventionen und Strukturwandel

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung in einer aktuellen Studie die Auswirkungen der Subventionspolitik im Energiebereich auf Umweltschutz, Strukturwandel und Transformation untersucht. Aus Sicht der Autor*innen ist der Abbau von Subventionen für umweltschädliche Produktionsweisen und umweltschädliches Konsumverhalten ein wichtiger Bestandteil für eine ökologische Modernisierung, um zu einer langfristig wettbewerbsfähigen, ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft zu gelangen.

Die von Unternehmen und Branchen oft ins Spiel gebrachte Gefahr des Arbeitsplatzabbaus scheint hingegen unbegründet. Vielmehr schaffe der Abbau umweltschädlicher Subventionen Anreize für heimische Unternehmen, in Forschung und Entwicklung von ressourcenschonenden Technologien zu investieren. Solche Investitionen dürften mittel- und langfristig dazu führen, dass diese Unternehmen vom Wachstum auf Leitmärkten für Umwelttechnologien profitierten. Im Umkehrschluss verzögere die Fortsetzung umweltschädlicher Subventionen den ökologischen Strukturwandel, so die Autor*innen. 

FÖS-Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung   

Studie: Klimawandel bleibt trotz Corona wichtiges Thema

Laut einer aktuellen Studie der IUBH Internationale Hochschule stufen viele Menschen trotz anhaltender Coronakrise den Klimaschutz als wichtigste Herausforderung der Menschheit ein. Für die Studie wurden über 2.000 Teilnehmer*innen im Alter zwischen 18 bis 65 Jahren befragt. Über 75 Prozent sehen Klimaneutralität als bedeutendstes Ziel der Menschheit. Außerdem zeigte sich, dass das persönliche Engagement stark vom Alter und Bildungsgrad abhängt, mehr als 70 Prozent der Studierenden klimaneutrale Arbeitgeber bevorzugen und die Corona-Krise die Menschen klimabewusster gemacht habe. [aw] 

IUBH-Studie zum Thema Einstellungen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit