Landwirtschaft und Gentechnik

Gentechnik: Aus Prinzip kein Vorsorgeprinzip

28.01.2020

Ein Forschungsprojekt hat die EU-Zulassungsprüfung von Gentechnikpflanzen im Zeitraum 2016 bis 2019 untersucht und vergangene Woche die Ergebnisse vorgestellt. Das Vorsorgeprinzip werde in dem Verfahren nur unzureichend angewendet, so die Forscher*innen.

Ihr Fazit spricht für sich: Die Risikobewertung der EU räume „den Interessen an der Entwicklung und Vermarktung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) Vorrang vor dem Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ein.“ Anstatt sich bei der Prüfung von GVOs an das Vorsorgeprinzip zu halten, seien grundlegende Fragen und der Rahmen der Risikobewertungen zu eng gefasst und erfassten potentielle Schäden und negative Auswirkungen daher nicht ausreichend. Die von der EFSA durchgeführten Risikobewertungen unterschätzten die möglichen negativen Auswirkungen deshalb mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, als dass sie sie unterschätzen. Die Forscher*innen sprechen von „mehrfachen und systematischen Versäumnissen bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips“ und fordern die EFSA und die EU-Kommission auf, ihren politischen Verpflichtungen nachzukommen und „langfristige, kumulative und indirekte Risiken“ in die Risikobewertungen der EFSA einzubeziehen.

Angelika Hilbeck, Projektmitglied von der ETH-Zürich, zeigte sich aufgrund der Ergebnisse „auch im Hinblick auf den angekündigten Einsatz neuer Gentechniken wie CRISPR/Cas bei Pflanzen und Tieren“ besorgt, bei „deren Risikoabschätzung und Sicherheitsprüfung die Vorsorge im Vordergrund stehen“ müsse und nicht Industrieinteressen.

Das Projekt RAGES (Risk Assessment of Genetically Engineered Organisms in the EU and Switzerland) wird getragen vom European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSR), den Critical Scientists Switzerland, GeneWatch UK und Testbiotech. [km]

Zusammenfassung der Ergebnisse (englisch)

Informationen zu RAGES

Zitat Angelika Hilbeck in der Pressemitteilung von Martin Häusling