Naturschutz & Biodiversität

Bleimunition: Deutschland soll sich nicht blamieren

27.08.2020

c. Juliane Grüning

"Verhindern Sie eine Kompromittierung Deutschlands bei der Abstimmung über das Verbot bleihaltiger Schrotmunition in Feuchtgebieten" - mit einem offenen Brief haben sich 30 Verbände an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze gewandt. Am 3. September stimmen die EU-Mitgliedstaaten im REACH-Regelungsausschuss erneut über einen entsprechenden Vorschlag ab.

In dem offenen Brief fordern Verbände wie die Aktionsgemeinschaft Artenschutz, die Bodensee Stiftung, der Bundesverband Boden oder die Grüne Liga gemeinsam mit dem Umweltdachverband DNR die Bundesregierung auf, der Vorlage der Europäischen Kommission in der vorliegenden Form zuzustimmen.

Die Fakten über die verheerenden Auswirkungen bleihaltiger Munition auf Tiere, Umwelt und Verbraucher*innen seien klar. Außerdem enthalte die Vorlage bereits weitreichende Kompromisse und Übergangsfristen. Zudem sei schon heute in 14 von 16 Bundesländern die Verwendung von bleihaltigem Schrot bei der Jagd auf Wasservögel an und über Gewässern verboten. Eine Ablehnung oder auch nur Enthaltung Deutschlands bei der kommenden Abstimmung wäre "unverständlich".

"Angesichts der ökologischen Dringlichkeit wäre eine Verlängerung der Übergangsfrist über die vorgeschlagenen zwei Jahre aus unserer Sicht nicht hinnehmbar, zumal eine derartige Modifizierung der Beschlussvorlage nach unserer Kenntnis auf eine erneute Verschiebung der Entscheidung hinausliefe", mahnen die unterzeichenden Verbände.

Die Jagd mit bleihaltiger Munition hat dramatische Auswirkungen auf die Natur. Mehr als eine Million Wasservögel sterben jährlich in der EU an den direkten Folgen einer Bleivergiftung. Giftiges Blei landet tonnenweise in der Umwelt und gefährdet die menschliche Gesundheit. Diese negativen Auswirkungen sind absolut vermeidbar, denn auf dem Markt gibt es schon seit langem bleifreie Munition, die erwiesenermaßen tierschutzgerecht tötet, ohne dabei toxische Nebenwirkungen für Mensch und Natur zu verursachen.

Um das von Umweltverbänden seit langem geforderte mögliche Verbot von Bleischrotmunition wenigstens in Feuchtgebieten gibt es bereits ein langes Hin und Her. Die Abstimmung im REACH-Regelungsausschuss war verschoben worden. Zuletzt hatte Deutschland unter Bedingungen eingelenkt, aber dann stellte sich Tschechien quer (EU-News 16.07.2020, siehe auch EU-News 30.06.2020 und Offener Brief des DNR vom 01.07.2020). [jg]

DNR-Pressestatement zur Abstimmung über ein Verbot von Bleimunition in Feuchtgebieten auf EU-Ebene

Offener Brief zu Bleimunition 26.08.2020