Naturschutz & Biodiversität

Ein Neonicotinoid wird bald vom Markt gefegt

14.01.2020

Die EU-Kommission hat am Montag erklärt, die Zulassung von Thiacloprid, ein Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide, für den europäischen Markt nicht zu verlängern.

Die Kommission folgt mit ihrer Entscheidung einer Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die das Insektizid für gesundheits- und umweltpolitisch bedenklich hält.

Die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides erklärte: „Die wissenschaftliche Stellungnahme der EFSA ist eindeutig: Es gibt Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Verwendung dieses Pestizids, insbesondere seine Auswirkungen auf das Grundwasser, aber auch in Bezug auf die menschliche Gesundheit, was die Reproduktionstoxizität betrifft.“

Das Pestizid-Aktionsnetzwerk (PAN) Europe begrüßte zwar die Entscheidung der Kommission, fügte ein Aber hinzu: Das de facto Verbot hätte bereits 2015 verhängt werden müssen, als die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Thiacloprid als reproduktionstoxisch einstufte. Aus Sicht von PAN Europe sei dies ein weiteres Beispiel für eine laxe Rechtsdurchsetzung zugunsten der agrarchemischen Industrie.

Neben den gesundheitlichen Bedenken für den Menschen stehen Neonicotinoide im Verdacht, sich negativ auf Populationen bestäubender Insekten wie Bienen und Hummeln auszuwirken.

Die Marktzulassung für Thiacloprid läuft am 30. April dieses Jahres aus. Damit wird ein Neonicotinoid komplett vom EU-Markt genommen, während die Nutzung der drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam bereits im Jahr 2018 stark eingeschränkt wurde (EU-News vom 17.05.2018 und vom 27.04.2018). Sie dürfen noch in Gewächshäusern versprüht werden. Ein fünftes Neonicotinoid, Acetamiprid, gilt hingegen als unbedenklich und ist bis 2033 zugelassen. [aw]

EU-Kommission: Insektengift Thiacloprid wird in Europa verboten 

Reaktion von PAN Europe auf Twitter