Naturschutz & Biodiversität

Gefahr für Europas Urwälder: Liegt das Bermuda-Dreieck in Rumänien?

09.04.2020

Die Umweltorganisationen Agent Green und EuroNatur erheben in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen die rumänische Regierung. Wegen unprofessioneller und schlecht verwalteter Genehmigungsverfahren sowie "schwerwiegender Misswirtschaft" bei der Erstellung des Nationalen Kataloges der Urwälder, seien viele schützenswerte Gebiete gar nicht erst dort aufgenommen worden.

80 Prozent der von Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen erhobenen und eingereichten Studien zur Qualität der Wälder "wurden entweder abgelehnt, blockiert, zur Überarbeitung zurückgegeben oder von den Behörden in verschiedenen Phasen des Prozesses sogar verloren". Bisher wurden durch den nationalen Urwaldkatalog nur 30.062 Hektar geschützt – Zielvorgabe waren ursprünglich 400.000 Hektar. Agent Green und EuroNatur schätzen, dass seit 1999 mindestens 110.000 Hektar wertvoller Wälder verloren gegangen sind. Das Versagen des staatlichen Naturschutzes sei kein Zufall.

„Wir haben es in Rumänien mit einem Bermuda-Dreieck-Syndrom zu tun. Die Urwälder verschwinden. Zum Beispiel wurden die alten Wälder von Coltii Balei im Landkreis Buzau ursprünglich als Teil des Katalogs akzeptiert. Dies wurde den Erstellern der entsprechenden Studien so mitgeteilt. Offiziell wurden sie aber nie in den Urwald-Katalog aufgenommen“, kritisierte Gabriel Paun von Agent Green. Dass überhaupt Gebiete unter Schutz stünden, sei vor allem das Verdienst von UmweltaktivistInnen.

Anfang März hatte ein rumänisches Gericht einen Abholzungsstopp im Nationalpark Domogled-Valea Cernei verfügt, doch an vielen anderen Orten geht die "forstwirtschaftliche Nutzung" weiter (EU-News 04.03.2020). Die Forstpolitik Rumäniens ist auch der EU-Kommission ein Dorn im Auge. Wegen Verstoßes gegen EU-Umweltrecht hatte die Behörde im Februar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land eingeleitet (EU-News 13.02.2020).

Petition für Europas letzte Urwälder und eine starke europäische Waldstrategie

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood mahnt, den Schutz der europäischen Wälder auch während der Corona-Krise nicht zu vernachlässigen. Die Umweltorganisation hat Anfang April eine Online-Petition für eine starke europäische Waldstrategie gestartet. Die Petition richtet sich an die – für die internationale Waldpolitik zuständige – Bundesministerin Julia Klöckner. Auf EU-Ebene wird zurzeit an einer neuen Forststrategie gearbeitet. Im zweiten Halbjahr 2020 wird Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. [jg]

Pressemitteilung EuroNatur/Agent Green

Bericht Failing our Last Great Forests

Weitere EU-Umweltnews

Wasser & Meere

Wasserrahmenrichtlinie: Auch Anwohner*innen dürfen klagen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das Klagerecht für EU-Bürger*innen ausgeweitet: In einem Urteil am Donnerstag entschieden die Richter*innen, dass auch unmittelbar betroffene Einzelpersonen gegen Bauprojekte mit Auswirkungen auf das Grundwasser klagen dürfen.

Mehr lesen

Politik & Recht

Die Zukunft Europas, die Bürgerbeteiligung und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft

Der ursprünglich im Mai anberaumte Startschuss für die Debatten zur Zukunft Europas kommt später. Die Mehrheit der europäischen Bürger*innen findet, dass die EU mehr Kompetenzen haben sollte, um mit Krisen umzugehen. Und der Wirtschafts- und Sozialausschuss hat erklärt, dass die Zivilgesellschaft beim Wiederaufbau eine zentrale Rolle spielen sollte.

Mehr lesen