Naturschutz & Biodiversität

UN-Entwurf zum Biodiversitätsschutz "hoffnungslos schwach und unzureichend"

25.02.2020

Der vorliegende Entwurf für den weltweiten Schutz der biologischen Vielfalt, der im Oktober von der Weltgemeinschaft verabschiedet werden soll, taugt noch nichts. Das kritisiert jedenfalls die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth, die das Papier "hoffnungslos schwach und unzureichend" nennt.

Wegen des Corona-Virus' in Rom und nicht wie geplant im chinesischen Kunming tagt zurzeit die Arbeitsgruppe für einen neuen globalen Biodiversitätsrahmen, der eine ähnliche Impulskraft für den Natur- und Artenschutz entwickeln soll wie die Pariser Beschlüsse im Klimaschutz. Die sogenannte open-ended Workinggroup mit TeilnehmerInnen aus aller Welt debattiert erstmals über den kürzlich (EU-News 16.01.2020) vom zuständigen Sekretariat des Übereinkommens über biologische Vielfalt (CBD) vorgelegten Entwurf. Dieser will bis 2050 ein Leben in Harmonie mit der Natur erreichen und bis 2030 eine Stabilisierung für die weltweite Biodiversität, wobei fünf Schlüsselziele und 20 Aktionsziele im Vorschlag enthalten sind.

Naturschutzaktivist Friedrich Wulf von Friends of the Earth Europe sagte: "Die nationalen Regierungen müssen einen Wandel unserer wachstumsbesessenen, naturzerstörenden Volkswirtschaften beschließen, wenn wir eine Chance haben wollen, den Zusammenbruch der natürlichen Welt zu stoppen. Reiche Länder wie die in der EU – die durch ihren übermäßigen Konsum und schädliche Industrien weiterhin am meisten zur Zerstörung beitragen – haben die Verantwortung, eine viel stärkere Rolle zu spielen." Der vorliegende Plan gehe nicht an die Wurzeln der Probleme und lasse die tieferen Ursachen wie übermäßiger Ressourcenverbrauch, industrielle Landwirtschaft und das Ungleichheit und Zerstörung verursachende Wirtschaftssystem außen vor. Es fehlten Verpflichtungen und Sanktionen. Es gebe keinen Plan, schädliche Praktiken wie Bergbau oder den Einsatz von Pestiziden zu stoppen. Die entscheidende Rolle indigener Völker und lokaler Gemeinschaften würde ebenso ignoriert wie Armutsbekämpfung und Gerechtigkeitsfragen.

Im Vorhinein des Arbeitsgruppentreffens hatte es laut der britischen Zeitung The Guardian auch einen Vorstoß von 23 ehemaligen AußenministerInnen gegeben. Die Gruppe warnte, dass die anhaltende Zerstörung der Natur durch die Menschheit das Überleben unserer Spezies bedroht. Die Staats- und Regierungschefs müssten den irreversiblen ökologischen Ruin aufhalten und den Planeten schützen.

Das Arbeitstreffen endet am 29. Februar, das Internationale Institut für Nachhaltige Entwicklung (IISD) berichtet.

UN-Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten beendet

Die am Sonntag beendete 13. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) in Gandhinagar in Indien hat zehn bedrohte Tierarten weltweit unter Schutz gestellt. Das deutsche Bundesumweltministerium begrüßte, dass der auch in Deutschland vorkommende Hundshai nun zu den CMS-Tieren gehört und dass die Themen Insektensterben und Lichtverschmutzung auf internationaler Ebene diskutiert werden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte: „Das Insektensterben ist eine internationale Herausforderung, die die Ökosysteme ins Mark trifft. Denn mit den Insekten schwinden auch die Nahrungsquellen, gerade für wandernde Tierarten wie Fledermäuse und Zugvögel. Darum ist es gut, dass die Staaten der Bonner Konvention beschlossen haben, den Pestizideinsatz in und um ausgewiesene Schutzgebiete zu senken und das Problem übermäßiger Lichtverschmutzung weltweit gemeinsam anzugehen.“ [jg]

Pressemitteilung Friends of the Earth

Zero Draft

Artikel im Guardian vom 18.02.

IISD-Berichterstattung

BMU-Pressemitteilung zur CMS COP 13 und Informationen zur Konferenz (www.cms.int)