Wirtschaft & Ressourcen

EU-Kommission will wachsenden Rohstoffbedarf durch eigenen Abbau decken

03.09.2020

In ihrem heute veröffentlichten Aktionsplan zu kritischen Rohstoffen erklärt die EU-Kommission, wie sie ihren Verbrauch an Lithium und Co. in den nächsten Jahren strategisch sichern will. Das Europäische Umweltbüro warnt vor Umweltzerstörung durch neue Abbaugebiete.

Die aktualisierte EU-Liste der kritischen Rohstoffe – also Material, das stark nachgefragt ist, dessen Angebot aber bestimmten Risiken unterliegt – enthält nun 30 Stoffe auf. Darunter auch Lithium, dessen Bedarf in der EU laut Maros Sefcovic, EU-Vizepräsident für interinstitutionelle Beziehungen, allein für die Produktion von Batterien von Elektrofahrzeugen bis 2030 um das 18-fache und bis 2050 um das 60-fache ansteigen wird.

Um bei der Beschaffung von Lithium und anderen Stoffen nicht von wenigen Drittländern abhängig zu sein, sieht der neue Aktionsplan eine „diversifizierte, nachhaltige und sozial verantwortliche Rohstoffbeschaffung“ vor, in der auch das Kreislaufprinzip und Innovation eine Rolle spielen sollen. Konkret will die EU-Kommission eine „Rohstoffallianz“ gründen, in der „maßgebliche Interessenträger“ die „Widerstandsfähigkeit der EU in den Wertschöpfungsketten für seltene Erden und Magnete erhöhen.“

Ein Schwerpunkt des Aktionsplans liegt zudem darin, den Abbau von Ressourcen in Europa selbst zu fördern. Ab 2025 sollen bereits neue Bergbau- und Verarbeitungsprojekte in der EU einsatzbereit sein. Für die Identifizierung und den Betrieb solcher Abbaugebiete soll insbesondere das europäische Erdbeobachtungsprogramms Copernicus behilflich sein. Auch das Potential und die Möglichkeiten von Substitution und Recycling wertvoller Rohstoffe sollen durch Forschungs- und weitere Projekte ermittelt und verbessert werden. Bis Ende 2021 will die EU-Kommission zudem „Kriterien für eine nachhaltige Finanzierung des Bergbaus und der mineralgewinnenden Sektoren entwickeln.“ Strategische Partnerschaften sollen auch die Versorgung aus Drittstaaten in Zukunft sichern. Dabei wolle die EU-Kommission „verantwortungsvolle“ Abbau-Praktiken fördern.

Das Europäische Umweltbüro (EEB), der Dachverband der europäischen Umweltverbände, sieht in der Veröffentlichung der EU-Kommission einen zu starken Fokus auf Beschaffung und Sicherung von Rohstoffen. Auf diese Weise könne der europäische Ressourcenverbrauch die planetaren Grenzen nicht einhalten, so Jean-Pierre Schweitzer, Referent für Ressourceneffizienz beim EEB. Stattdessen müsse der Schwerpunkt der EU-Politik viel mehr darauf liegen, die Nutzung begrenzter Ressourcen zu reduzieren und die mit dem Bergbau in Zusammenhang stehenden Umweltzerstörungen zu vermeiden. So könne beispielsweise viel eher darüber nachgedacht werden, wie Batterien effizienter, recyclingfähiger und langlebiger werden könnten. Eine Verlagerung des Bergbaus nach Europa berge zudem die Gefahr von Umweltzerstörung, die man bereits seit Langem in Südamerika, Asien und Afrika beobachten könne, warnte Diego Marin, Referent für Umweltgerechtigkeit beim EEB. Entsprechend müsse die EU-Kommission sicherstellen, dass zivilgesellschaftliche Akteure umfassend in neue Projekte eingebunden werden und Bedenken äußern können, „bevor es zu spät ist.“ [km]

Pressemitteilung der EU-Kommission

Pressemitteilung des EEB