Abfall

Aus den Augen, aus dem Sinn: Das Problem mit Plastikmüllexporten

15.04.2021

Ein Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen und EU-Abgeordneten forderte in dieser Woche einen Exportstopp für Plastikabfälle aus der EU. Auch die Abfallverbringung innerhalb der EU müsse an die Ziele des Green Deal angepasst werden.

Der Export von Plastikabfällen aus EU-Ländern verlagere nicht nur schwer recycelbare Abfälle, sondern auch „unsere Verantwortung“ in andere Länder und müsse deshalb verboten werden, so die Unterzeichner*innen des Manifests. Die Bedingungen, unter denen exportierte Abfälle in anderen Ländern behandelt werden, liegen in den meisten Fällen unter EU-Standards. In vielen Ländern stellen sie eine Gefahr für die Umwelt und Gesundheit der lokalen Bevölkerung dar, weil Giftstoffe aus dem Plastik in Gewässer, Luft und Boden gelangen. 2019 exportierte die EU durchschnittlich 150.000 Tonnen Plastikmüll im Monat in Drittstaaten. Der Export erfolge sowohl auf legalen als auch auf illegalen Wegen.

Neben einem Exportverbot von Kunststoffabfällen forderten die Organisationen auch strengere Regeln für den Handel mit Plastikabfällen zwischen einzelnen EU-Staaten. So müsse auch innerhalb der EU das Basler Übereinkommen, das die Verbringung gefährlicher Abfälle regelt, vollständig umgesetzt werden. Dafür sei ein transparentes, effektives und harmonisiertes Abfallmanagementsystem notwendig.

Die Organisationen machten zudem darauf aufmerksam, dass das Prinzip der Kreislaufwirtschaft grundsätzlich vorsehe, Kunststoffabfälle von vornherein zu vermeiden. Deshalb müssten vorgelagerte Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung und Wiederverwendung von Materialien den Abfallstrom absolut verringern.

Auch der NABU ist einer der Unterzeichner des Manifests und stellte fest, dass „die EU mit ihrer ambitionierten Kreislaufwirtschaftspolitik“ in der Lage sein müsse, „ihren Plastikabfall selbst zu verwerten“. In Bezug auf den Abfallhandel innerhalb der EU erklärte NABU-Kreislaufwirtschaftsexperte Michael Jedelhauser: „Plastikabfälle sollten in der EU nur dann die Grenzen passieren dürfen, wenn sichergestellt werden kann, dass die Abfälle hochwertig recycelt werden. Hierfür sind Transparenzsysteme notwendig, die Informationen über Exporteur, Importeur und Abfallzusammensetzung bereitstellen. Der Verbleib der Abfälle in den Importländern muss nachvollziehbar sein und Kontrollen an Autobahnen und Häfen müssen erheblich ausgebaut werden.“ [km]

Break free from Plastic: The Plastic Waste Trade Manifesto

Pressemitteilung des NABU


Dän*innen wollen wiederverwendbare Behälter für Speisen und Getränke

Eine von der Meeresschutzorganisation Oceana in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass dänische Bürger*innen mit überwältigender Mehrheit die Reduzierung von Einwegplastik unterstützen und sich für wiederverwendbare Alternativen einsetzen. 75 Prozent der Befragten stimmten zu, dass Cafés ihren Kund*innen eine Mehrweglösung anbieten sollten. In Dänemark werden jährlich etwa 130 Millionen Einweg-Kaffeebecher verwendet. Oceana forderte das dänische Parlament auf, die Umfrageergebnisse bei der Umsetzung der EU-Einwegplastikrichtlinie zu berücksichtigen.