Abfall

Müllmengen in der EU steigen – riesiges Potenzial für Arbeitsmarkt bleibt ungenutzt

18.02.2021

Neue Zahlen zur Abfallerzeugung in Europa widersprechen den politischen Bemühungen der letzten Jahre, Ressourcen besser zu nutzen und Abfall zu vermeiden. Dabei zeigt eine Studie, dass eine bessere Integration von Abfallvermeidung in unsere Wirtschaft unzählige neue Jobs schaffen könnte.

Siedlungsabfälle in der EU

Neuesten Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat zufolge produzierten Europäer*innen 2019 im Durchschnitt 502 Kilogramm (kg) Müll, eine halbe Tonne also. Damit hat das Abfallaufkommen zwar keinen neuen Höchststand erreicht (der liegt bisher bei 518 kg im Jahr 2008), ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 7 kg angestiegen. Insgesamt lag die Müllmenge in der EU damit bei 225 Millionen Tonnen, von denen weniger als die Hälfte (47,6 Prozent) recycelt oder kompostiert wurde. Etwas mehr als die Hälfte der Abfälle landete auf Mülldeponien (24 Prozent) oder in Müllverbrennungsanlagen (26,7 Prozent).

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten sind recht groß: Dänemark liegt mit 844 kg pro Kopf an der Spitze der Müllererzeuger, gefolgt von Luxemburg (791 kg), Malta (694 kg), Zypern (642 kg) und Deutschland (609 kg). Am wenigsten Abfall pro Kopf fiel in Rumänien (280 kg), Polen (336 kg), Estland (369 kg) und Ungarn (387 kg) an.

(c) EU-Kommission

Die EU hat den hohen Abfallmengen 2015 mit ihrem Kreislaufwirtschaftsplan den Kampf angesagt und neue Ziele für die Abfallbehandlung festgelegt. Demnach dürfen die Mitgliedstaaten ab 2035 nur noch höchstens zehn Prozent aller Siedlungsabfälle deponieren. Ab 2030 dürfen keine wiederverwertbaren Stoffe mehr auf Deponien landen. Die Verbrennung von Abfällen bleibt allerdings weiterhin erlaubt, obwohl sie von Umwelt- und Gesundheitsverbänden aufgrund ihrer hohen Schadstoffemissionen stark kritisiert wird. Auch die Vermeidung von Abfällen hat keine konkreten Zielvorgaben erhalten. Das EU-Parlament hat die EU-Kommission jedoch Anfang des Monats aufgefordert, ein Reduktionsziel für den Verbrauch von Rohstoffen festzulegen (siehe EU-News vom 11.02.2021).

Bei den Zahlen handelt es sich nur um Siedlungsabfälle, die über den Hausmüll entsorgt werden. Industrieabfälle, die zum Beispiel bei der Produktion von Konsumgütern anfallen, sind also nicht einberechnet.

Sammeln, Sortieren, Reinigen, Analysieren, Reparieren, Neu verpacken, Wiederverkaufen

Dass ein bewussterer Umgang mit und eine längere Nutzung von Materialien nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf den Arbeitsmarkt haben kann, zeigt eine neue, von der Global Alliance for Incinerator Alternatives (GAIA) veröffentlichten Studie. Eine Untersuchung des Abfallwirtschaftssektors in verschiedenen Städten weltweit führte für die Studienersteller*innen zu dem Ergebnis, dass das Jobpotenzial in der Abfallhierarchie oben am höchsten und unten am niedrigsten ist. Die Abfallhierarchie stellt die Vermeidung von Abfällen als erste Priorität dar. Danach sollen Reparatur, Recycling, (energetische) Verwertung und Beseitigung (in dieser Reihenfolge) in Betracht gezogen werden.

(c) GAIA

„Die besten Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen sind genau diejenigen, die die besten Umweltergebnisse liefern, während die umweltschädlichsten Maßnahmen die wenigsten Arbeitsplätze schaffen“, heißt es in der Studie. So könnten pro 10.000 Tonnen Material im Jahr 200 Mal mehr Arbeitsplätze im Reparaturbereich als in der Deponierung oder Verbrennung geschaffen werden. Auch in den Recycling- und Wiederaufbereitungsbranchen sei das Potenzial für qualifizierte Arbeitsplätze um ein Vielfaches höher.

Die Studienersteller*innen fordern die Politik auf, „sich die vielfältigen Vorteile von weniger abfallbedingten Umweltbelastungen und erhöhtem Wirtschaftswachstum“ von Zero Waste-Strategien „nicht entgehen zu lassen.“ [km]

Eurostat Artikel zum Abfallaufkommen

Eurostat-Datenset

Bericht zur GAIA-Studie bei Zero Waste World

Studie: Zero Waste and Economic Recovery