Abfall

Zehn Jahre ein und dasselbe Smartphone? Ja, fordert eine neue Kampagne

23.09.2021

c. Volker Glätsch | Pixabay

Das Netzwerk „Right to Repair Europe“ (Recht auf Reparatur Europa) hat am Donnerstag eine Kampagne für Smartphones gestartet, die eine Lebensdauer von zehn Jahren haben und einfach zu reparieren sein sollen. Die EU-Kommission veröffentlichte derweil einen Vorschlag für ein einheitliches Ladegerät.

Das #10YearPhone darf keine Utopie bleiben

Right to Repaier Europe will mit dieser Kampagne auf die ökologische, soziale und wirtschaftliche Dringlichkeit einer längeren Lebensdauer von Smartphones hinweisen. In der EU werden laut Right to Repair jährlich rund 200 Millionen Smartphones verkauft. 77 Prozent der Menschen in der EU würden ihre Geräte lieber reparieren, als ein neues zu kaufen. Aber nur etwa elf Prozent reparieren ihr Handy tatsächlich, wenn es kaputtgeht. Der Grund dafür sei, dass es oft unmöglich oder zu teuer zu reparieren ist.

Right to Repair rechnet vor, dass die Verlängerung der Lebensdauer von Smartphones um nur ein Jahr 2,1 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen pro Jahr einsparen könnte. Würde man die Lebensdauer von drei auf zehn Jahre verlängern, würde das bis 2030 jährlich 6,2 Millionen Tonnen einsparen.

Der 23. September sei als Kampagnenstart nicht zufällig gewählt: Er markiert den Jahrestag der Einführung des Android-Betriebssystems von Google und kommt einen Tag vor dem Verkaufsstart des neuen iPhone 13 von Apple. Beide Unternehmen seien den Reparaturaktivist*innen zufolge für die Kurzlebigkeit ihrer Produkte berüchtigt: Google böte für sein Betriebssystem nur drei Jahre lang Software-Updates an. Apple-Geräte könnten nur schwer repariert werden. Denn Ersatzteile gebe es nur bei autorisierten Reparaturwerkstätten.

„Wir glauben, dass die Maßnahmen, die notwendig sind, damit alle Europäer*innen das Recht haben, ihre Telefone mindestens zehn Jahre lang zu nutzen, nicht nur für die Verwirklichung der europäischen Nachhaltigkeitsziele entscheidend sind, sondern auch für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und zum Aufbau widerstandsfähiger Gemeinschaften“, sagte Chloé Mikolajczak, Kampagnenleiterin bei Right to Repair.

Die Kampagne formuliert in einem Brief an die EU-Kommission ihr Anliegen. Jede*r kann den Brief online mitzeichnen.

Zur Kampagne #10YearPhone mit Brief an die EU-Kommission 

Zur Kampagne Right to Repair

Brüssel will ein Ladegerät für alle

Am Donnerstag präsentierte die EU-Kommission ihren Vorschlag, um die Funkanlagenrichtlinie zu überarbeiten. Ziel ist es, den Ladeanschluss und die Schnellladetechnologie zu vereinheitlichen. Nach dem Willen der Kommission soll der USB-C zum Standardanschluss für alle Smartphones, Tablets, Kameras, Kopfhörer, tragbare Lautsprecher und tragbare Videospielkonsolen werden.

Darüber hinaus schlägt die Kommission vor, den Verkauf von Ladegeräten und elektronischen Geräten zu entkoppeln. Brüssel hofft, dass es dadurch weniger unfreiwillig erworbene oder unbenutzte Ladegeräte geben werde. Wenn weniger neue Ladegeräte produziert und entsorgt werden, sinke die Menge an Elektronikabfällen um beinahe tausend Tonnen pro Jahr, schätzt die EU-Behörde.

Der Legislativvorschlag geht nun im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens an EU-Parlament und Rat der EU.

EU-Kommission: Verbraucherfrustration und Elektroabfällen den Stecker ziehen: Kommission schlägt einheitliches Ladegerät für elektronische Geräte vor 

Redakteurin: Ann Wehmeyer