Klima & Energie

Klima und Energie kompakt vom 21.01.2021

21.01.2021

c. Pixabay

Neues europäisches Bauhaus, klimafreundliche Gebäudesanierung, Potenziale erneuerbarer Energien für Wasser, Luft und Böden, EU-Taxonomieliste noch unter Verschluss, EU-Länder hinken bei Klimafinanzierung hinterher und der Risikobericht 2021 des Weltwirtschaftsforums.

Neues Bauhaus nimmt Gestalt an

Die EU-Kommission hat am Montag die Gestaltungsphase für die Initiative „Ein neues Europäisches Bauhaus“ eingeleitet. In dieser Phase soll ein grundlegendes Konzept ausgearbeitet werden, wie unter anderem die Initiative zur Umsetzung des Green Deals im Bereich der Gebäudesanierung beitragen kann. Laut EU-Exekutive soll die Initiative auf den Werten Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusivität beruhen. Im Herbst des vergangenen Jahres hatte die Kommission die Initiative im Zuge der „Renovierungswelle“ präsentiert (EU-News vom 15.10.2020).

In der zweiten Phase – der „Umsetzungsphase“ – sollen anhand von fünf Pilotprojekten Lösungen, unter anderem für nachhaltiges, klima- und umweltschonendes Bauen, erarbeitet werden, bevor in der dritten Phase – der „Erweiterungsphase“, die Ideen und Konzepte für das neue Europäische Bauhaus verbreitet werden sollen.

EU-Kommission: Neues Europäisches Bauhaus: Kommission leitet Gestaltungsphase ein 

New European Bauhaus 

Europas Gebäude nachhaltig sanieren ohne Wasserstoff

33 Unternehmen, Industrieverbände, Denkfabriken und Nichtregierungsorganisationen haben die EU-Kommission am Donnerstag aufgefordert, verfügbaren effizienten und nachhaltigen Lösungen zur Dekarbonisierung des europäischen Gebäudebestands Priorität einzuräumen und den direkten Einsatz von Wasserstoff zu vermeiden.

In einem offenen Brief an den Exekutiv-Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans betonen die unterzeichnenden Akteure, dass zur Erreichung des höheren EU-Klimaziels für 2030 massive Emissionsreduzierungen im Gebäudesektor von mindestens minus 60 Prozent im Vergleich zu 2015 erforderlich seien. Dies erfordere die Anwendung des Prinzips "Energieeffizienz zuerst" und die verstärkte Integration von erneuerbaren Energien, wie es die Strategie für eine Renovierungswelle vorsehe.

Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring, die Deutsche Umwelthilfe, das Europäische Umweltbüro, das Climate Action Network Europe und der WWF gehören zu den Unterzeichnern des Briefes.

Open letter: Decarbonising the EU building stock with available solutions and no direct use of hydrogen

Zahlreiche Vorteile erneuerbarer Energien

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat in einer am vergangenen Freitag veröffentlichten Studie die Auswirkungen aller Technologien zur Stromerzeugung auf den Klimawandel, die Eutrophierung von Süßwasser und Ökotoxizität, die Feinstaubbildung, die Versauerung von Böden und die Landnutzung bewertet. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den meisten Umweltauswirkungen der Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Stromquellen zu deutlichen Verbesserungen zwischen 2005 und 2018 geführt hat.

Süßwasserökotoxizität und Landnutzung sind die beiden Ausnahmen von dieser Entwicklung. Die zunehmende Verbrennung von Haushaltsabfällen, die als erneuerbare Stromquelle gilt, hat das Potenzial für Süßwasserökotoxizität erhöht, während die Energiegewinnung aus sogenannter fester Biomasse wie Holz den Flächenbedarf des Sektors seit 2005 fast verdoppelt hat.

EEA: EU renewable electricity has reduced environmental pressures; targeted actions help further reduce impacts  

Nachhaltige Finanzen: finale Liste lässt auf sich warten

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Euractiv muss die EU-Kommission die ursprünglich für den 01. Januar 2021 terminierte Veröffentlichung der detaillierten Durchführungsbestimmungen für die EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen verschieben.

Anscheinend verzögert sich der Start, da die Kommission mehr als 46.000 Kommentare der öffentlichen Konsultation, die am 18. Dezember 2020 endete, bearbeiten müsse. Hinzu komme, dass die EU-Länder Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Malta, Polen, Rumänien, die Slowakei, Tschechien, Ungarn und Zypern in einem gemeinsamen Papier anscheinend ihre Bedenken zur Taxonomie offenkundig machten. Das gemeinsame Papier „betonte die Notwendigkeit, die Möglichkeit der Nutzung von Gas als Übergangskraftstoff beizubehalten“, und bestand auch auf „der Möglichkeit, Wasserstoff aus verschiedenen Energiequellen zu nutzen“, nicht nur aus erneuerbaren Energien, heißt es Euractiv zufolge in dem Papier.

Bei der EU-Taxonomie geht es darum, ob ein Finanzprodukt oder eine wirtschaftliche Aktivität als nachhaltig eingestuft wird. Dieses Klassifizierungssystem soll Finanzströme in Europa in ökologisch nachhaltige Projekte lenken.

Euractiv: Brussels postponed green finance rules after 10 EU states wielded veto 

Klimafinanzierung: EU-Staaten hinken hinterher

Wie die Entwicklungsorganisation Brot für die Welt berichtet, hat die aktuelle Studie „Setting the Standard“ Daten aus dem Jahr 2018 ausgewertet, welche die EU-Mitgliedstaaten und die Mitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA an die EU, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2019 berichtet haben. Die Studie belege aus Sicht der Entwicklungsorganisation, dass die EU-Staaten ihren Verpflichtungen nicht ausreichend nachkommen.

Während sich die Klimafinanzierung der EU und ihrer Mitgliedsstaaten im Jahr 2019 auf rund 27 Milliarden US-Dollar belief, sollte der faire Anteil der EU, wie ihn das zivilgesellschaftliche Bündnis ACT Alliance EU einfordert, am Gesamtbetrag von 100 Milliarden US-Dollar zwischen 33 und 36 Milliarden US-Dollar liegen.

Das Gutachten über die Klimafinanzbeiträge wurde im Auftrag der ACT Alliance EU, zu der auch Brot für die Welt gehört, von dem Wirtschaftsberatungsinstitut INKA Consult erstellt.

Brot für die Welt: EU-Klimafinanzierung braucht einheitliche Regeln 

Klimawandel, nicht Corona, ist größte Bedrohung

Der „Global Risk Report 2021“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) bezeichnet die Folgen des Klimawandels als existentielle Bedrohungen der Menschheit. Trotz der zahlreichen negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie seien es klimabezogene Angelegenheiten, die den Großteil der diesjährigen Risikoliste ausmachen. Trotz eines Rückgangs der Kohlenstoffemissionen, der durch Abriegelungen und Unterbrechungen des internationalen Handels und Reiseverkehrs verursacht wurde, befürchten die Autor*innen, dass die Emissionen wieder ansteigen werden, sobald sich die Volkswirtschaften erholen.

Besonderes Augenmerk legt der diesjährige Bericht auf junge Erwachsene. Weltweit würden sie ihre zweite große globale Krise innerhalb eines Jahrzehnts erleben: Neben dem Klimawandel und der Umweltzerstörung seien sie ebenso den Folgen der Finanzkrise ausgesetzt und würden mit wachsender sozialer Ungleichheit und riesigen Umbrüchen durch den industriellen Wandel konfrontiert. Diese Generation stehe „vor ernsthaften Herausforderungen für ihre Bildung, ihre wirtschaftlichen Perspektiven und ihre psychische Gesundheit“, warnt der Bericht.

Das alljährliche Treffen des WEF findet diesmal vom 25. bis 29. Januar nicht in Davos, sondern als Online-Konferenz statt.

WEF: These are the world’s greatest threats in 2021 

WEF: Climate change will be sudden and cataclysmic. We need to act fast 

WEF Davos 2021 

Redakteurin: Ann Wehmeyer