Politik & Recht

Vier Szenarien für die EU-Bioökonomie im Jahr 2050

12.04.2021

c. Pixabay

Wie die Bioökonomie auf EU-Ebene weiterentwickelt werden kann, legt ein am Montag veröffentlichter Bericht des Gemeinsamen Forschungszentrums (JRC) der EU-Kommission dar.

Ob Nahrungsmittel, Energie, Bauen oder Biodiversität: Bioökonomie berührt quasi alle umweltschutzrelevanten Bereiche. Ein sechsköpfiges Team des JRC hat auf Grundlage von Erkenntnissen von mehr als 50 Fachleuten aus Politik, Zivilgesellschaft, Industrie und Wissenschaft nun vier unterschiedliche Szenarien für die Bioökonomie der EU im Jahr 2050 entwickelt:

Im ersten Szenario „Do it for us“ stößt die EU mithilfe eines Maßnahmenpakets einen radikalen Wandel in den Versorgungssystemen an, doch die Gesellschaft widersetzt sich den Veränderungen. Auf der Konsumseite verfestigt sich ein „business as usual“-Ansatz.

Das zweite Szenario „Do it together“ prognostiziert ein Miteinander. Sowohl die Politik als auch die Gesellschaft streben an, das Ziel der Klimaneutralität und der Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die Unternehmen passen sich rasch an und sind Teil des Wandels. Der Transformationsprozess umfasst alle Akteure.

Das dritte Szenario mit dem Titel „Do it yourself“ sieht die Verbraucher*innen als zentrale Treiber von Veränderung. Es ist nicht möglich, wesentliche Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien auf politischer Ebene umzusetzen. Die Verbraucher*innen ändern jedoch ihre Einstellung und ihr Verhalten im Rahmen zunehmend einflussreicher gesellschaftlicher Bewegungen und aufgrund einer Reihe dramatischer Krisen. In der Folge wird das Versorgungssystem durch die sich daraus ergebende Änderung der Nachfrage angepasst.

Im vierten Szenario „Do what is unavoidable“ verändert sich der Lebensstil nicht wesentlich und das politische System ist nicht in der Lage, proaktive Maßnahmen umzusetzen bzw. durchzusetzen und beschränkt sich darauf – mit einiger Verzögerung – auf Krisen zu reagieren.

Nach Darstellung der EU-Kommission ist die Bioökonomie bereits heute ein wichtiger Teil der EU-Wirtschaft. Im Jahr 2017 erwirtschaftete sie 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigte 8,9 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der EU-27.

Im Jahr 2018 veröffentlichte die EU-Kommission die EU-Bioökonomie-Strategie. Sie zielt darauf ab, eine nachhaltige und kreislauforientierte Bioökonomie für Europa zu entwickeln und die Verbindung zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu stärken (EU-News vom 12.10.2018).

JRC: The European bioeconomy in 2050: four foresight scenarios 

EU-Kommission: Updated Bioeconomy Strategy 2018 

Redakteurin: Ann Wehmeyer