Wasser & Meere

Good News und Ausblick: Nordostatlantisches OSPAR-Schutzgebiet, HELCOM tagt bald

07.10.2021

Anfang Oktober haben die OSPAR-Vertragsstaaten – Anrainer des Nordostatlantiks, die die Oslo-Paris-Konvention mittragen – eine neue Zehnjahresstrategie festgelegt und ein neues Meeresschutzgebiet in Leben gerufen. In Kürze tagen die HELCOM-Staaten - das regionale Meeresschutzabkommen-Pendant für die Ostsee - in Lübeck.

OSPAR: Neues riesiges Meeresschutzgebiet und minus 75 Prozent Küstenmüll bis 2030

Die im portugiesischen Cascais tagende Konferenz der OSPAR-Staaten hat Anfang Oktober die Einrichtung eines neuen Hochsee-Meeresschutzgebiets namens „NACES“ (North Atlantic Current Evlanov Sea basin) im Nordostatlantik beschlossen. Außerdem legten die Umweltministerien der Nordostatlantik-Anrainerstaaten eine neue Strategie für die Jahre 2021 bis 2030 fest. Enthalten sind Reduktionsziele und Gegenmaßnahmen für Belastungen durch Meeresmüll, Schadstoffe und Nährstoffe. Die an Stränden anfallende Menge von Meeresmüll soll bis 2025 halbiert und bis 2030 um 75 Prozent reduziert werden. Bis 2030 sollen zudem 30 Prozent des Nordostatlantiks als Meeresschutzgebiete ausgewiesen werden.

Das NACES-Schutzgebiet umfasse eine Fläche von fast 600.000 Quadratkilometern, was in etwa der Größe von Deutschland und Großbritannien zusammen entspreche. Damit gehöre es zu den größten Meeresschutzgebieten der Welt. Für diese Meeresregion sei damit die UN-Nachhaltigkeitsagenda mit ihrer Vorgabe von einer Unterschutzstellung von mehr als zehn Prozent der Meeresfläche erfüllt, meldete das Bundesumweltministerium (BMU). Die für Deutschland teilnehmende BMU-Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter sagte: „Die Beschlüsse stärken den Naturschutz, die Widerstandskraft des Lebensraums Meer sowie die Risikovorsorge für künftige Generationen. Das ist ein wichtiges Signal für den Schutz mariner Ökosysteme mit globaler Wirkung im Vorfeld des Weltnaturschutzgipfels in Kunming sowie der Klimakonferenz in Glasgow.“

Der NABU reagierte erfreut über die Ausweisung des großen Schutzgebietes, für deren Realisierung die Organisation zusammen mit BirdLife International zehn Jahre lang gestritten hatte. „Ein Schutzgebiet dieser Größe, in einem rechtlich komplizierten Bereich wie der Hohen See, ist ein großer Erfolg für den Arten- und Lebensraumschutz und sendet zugleich ein deutliches Signal, den Schutz der Meere und seiner Bewohner endlich ernst zu nehmen“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Das Gebiet beherberge bis zu fünf Millionen Seevögel, seltene Hai- und Meeresschildkrötenarten sowie 47 artenreiche Seeberge. Der NABU forderte allerdings, dass auch der Meeresboden des Gebietes unter Schutz gestellt werden müsse, hier sei eine „große Chance vertan“ worden.

HELCOM-Ministertreffen am 19. und 20. Oktober in Lübeck

Über einen besseren Schutz der Ostsee und einen aktualisierten Ostsee-Aktionsplan wollen die Vertrags- und Ostseeanrainerstaaten der Helsinki-Kommission (HELCOM) in rund zehn Tagen in Lübeck diskutieren. Unter anderem die Überdüngung wird Thema sein, aber auch Altmunition, Unterwasserlärm, ein regionaler Fahrplan für die maritime Raumordnung 2021-2030, eine regionale Strategie für das Nährstoffrecycling in der Ostsee sowie Leitlinien für meeresgestützte Maßnahmen zur Bewirtschaftung interner Nährstoffreserven in der Ostseeregion. Deutschland hat noch bis Mitte 2022 den Vorsitz inne. Das gastgebende schleswig-holsteinische Umweltministerium gab gegenüber der dpa an, dass 97 Prozent der Ostsee als überdüngt gelten. Die HELCOM-Staaten hatten 2007 vereinbart, die Ostsee bis 2021 in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Dieses Ziel dürfte bereits jetzt als verfehlt gelten.

Neben der EU selbst sind Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Polen Mitglied in der HELCOM. OSPAR-Unterzeichner sind ebenfalls die Europäische Union sowie Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Island, Luxemburg, Norwegen, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und die Schweiz. [jg]

BMU-Pressemitteilung: Nordostatlantik-Staaten schaffen eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt

Reaktion NABU: Großes Schutzgebiet im Nordostatlantik ausgewiesen

HELCOM-Ministertreffen/Überblicksseite

dpa-Europaticker: Helsinki-Kommission berät in Lübeck über besseren Ostseeschutz

dpa-Europaticker: Albrecht: Kampf gegen Überdüngung ist Hauptaufgabe beim Ostseeschutz

#StopFinningEU

Es fehlen weitere 700.000 Haischützer*innen

Noch bis 31.01.2022 können Interessierte ihre Unterschrift bei der Europäischen Bürgerinitiative für ein Handelsverbot von Haiflossen in der EU leisten. Es fehlen noch 700.000 Unterschriften in mindestens sieben EU-Ländern, damit die EBI zum Erfolg wird. Die Mindestzahl an Unterschriften in Frankreich, Portugal und Deutschland sei schon erreicht, in mindestens vier weiteren Ländern wird fleißig gesammelt. Und auch hierzulande darf noch unterstützt werden.

Weltweit würden mindestens 73 Millionen Haie allein wegen ihrer Flossen brutal getötet, das seien 8.000 Haie in jeder Stunde - kritisiert Mitorganisator SharkProject. Dabei seien Haie äußerst wichtig zur Erhaltung der Ökosysteme unter Wasser. Unterschreiben: https://eci.ec.europa.eu/012/public/

c. Sharkproject/Katrin Gray: Influencerin MermaidKat wirbt gemeinsam mit vielen anderen Prominenten für die EU-Bürgerinitiative #StopFinningEU.


Mar Menor - Proteste in Brüssel und Spanien

Am Abend des 7. Oktober soll in Brüssel eine Ralley zur Unterstützung einer Großdemonstration im spanischen Murcia gegen die verfehlte Umweltpolitik rund um die größte Salzwasserlagune Spaniens, das Mar Menor, stattfinden. Bereits Ende August hatten Zehntausende Aktivist*innen das wegen zu hoher Nährstoffeinträge vor dem Kollaps stehende Meer mit einer Menschenkette symbolisch umarmt, nachdem tonnenweise toter Fisch angespült worden war (tagesschau-Bericht). Organisiert wird der Protest vom Bündnis SOS Mar Menor (Twitter-Account (spanisch)). Protestiert wird auch in Murcia Weiterlesen (Ecologistas en acción).