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Sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energie für alle.
Publikation | 21.03.2024
#EU-Umweltpolitik #Klima und Energie

Sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energie für alle.

Grafik Atomkraftwerk in städtischer Umgebung, Aufschrift "Welcome to nuke land were dreams don´t come true"
© https://dont-nuke-the-climate.org

Anlässlich des Atomenergie-Gipfel in Brüssel haben mehr als 600 Organisationen weltweit eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie die Regierungen auffordern, keine Zeit und kein Geld für atomare Märchen zu verschwenden und stattdessen sichere erneuerbare Energien bereitzustellen. Auch der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) ist dabei.

Auf Einladung der Internationalen Atomenergiebehörde und des belgischen Premierministers findet am 21. März ein Gipfel statt. Kritiker*innen warnen, dass die Atomlobby sich hinter einer klimafreundlichen Fassade tarnt und hofft, auf Kosten der Menschen und des Planeten riesige Geldsummen von echten Klimalösungen abzweigen zu können.

Die Erklärung "Safe, affordable and climate-friendly energy for all." wird von Organisationen aus mindestens 56 Ländern und Gebieten getragen. Es sind Klima- und Umweltorganisationen, Gemeinschaften, Netzwerke von Friedensaktivisten sowie Jugendgruppen, Kirchen und andere Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft.

„Die Welt ist mit zahlreichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Krisen konfrontiert. Die Menschen sind besorgt über die Lebenshaltungskosten, extreme Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel und ihre Energierechnungen. Die Lobbyisten und Politiker auf dem Kernenergiegipfel werden den Bau neuer Kernkraftwerke als die Antwort präsentieren, aber das hält einem grundlegenden Realitätscheck nicht stand”, heißt es in der Erklärung.

Der Bau neuer Kernkraftwerke sei zu langwierig, um die Klimakrise zu bewältigen. Auch die in der Entwicklung befindlichen Kernkraftwerke hätten sich stark verzögert und dürften in diesem Jahrzehnt keinen nennenswerten Beitrag zur Senkung der Kohlenstoffemissionen leisten können, kritisieren die Organisationen. Während die Treibhausgasemissionen bis 2030 drastisch gesenkt werden müssen, um den globalen Temperaturanstieg auf weniger als 1,5 Grad zu begrenzen, würden alle heute angekündigten neuen Kernkraftwerke erst weit nach diesem Termin ans Netz gehen.

„Neue Kernkraftwerke sind ein Ablenkungsmanöver, das die Energiewende verlangsamt”

Eine rasche Abkehr von fossilen Brennstoffen sollte sich stattdessen auf den Aufbau eines zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehenden Energiesystems konzentrieren, verbunden mit Energieeffizienz und Maßnahmen zur Vermeidung eines übermäßigen Energieverbrauchs. Zusammen könnten diese Schritte den Energiebedarf der Welt in einer Weise decken, die fair, umweltfreundlich und realisierbar ist.

Atomenergie sei zudem viel teurer als erneuerbare Energien. Während es bei Kernkraftprojekten aufgrund der explodierenden Kosten zu enormen Budgetüberschreitungen und Stornierungen komme, seien erneuerbare Energien billiger als je zuvor und ihre relativen Kosten gehen im Vergleich zur Kernenergie stark zurück. Laut dem World Nuclear Industry Status Report 2023 sind neue Kernkraftwerke bis zu viermal so teuer wie Windkraft.

Die Regierungen müssen in bewährte Klimalösungen wie Hausisolierung, öffentliche Verkehrsmittel und erneuerbare Energien investieren, anstatt in teure Experimente wie kleine modulare Reaktoren, die keine Garantie dafür bieten, dass sie tatsächlich funktionieren.

„Kernenergie ist gefährlich”

„Vom Uranabbau bis zu den radioaktiven Abfällen stellt die Kernenergieerzeugung ein Risiko für die Gesundheit, die Sicherheit und die Umwelt der Menschen dar”, heißt es in der Erklärung. Die Kernkraft könne als militärisches Ziel genutzt werden und erhöhe das Risiko der weltweiten Verbreitung von Atomwaffen, des Einsatzes von abgereichertem Uran und von Atombomben. Die Klimakrise erhöhe die Risiken der Atomkraft, denn zunehmende Hitzewellen, Dürren, Stürme und Überschwemmungen stellten eine erhebliche Bedrohung für die Anlagen selbst und für die Systeme zur Verhinderung von Atomunfällen dar.

„Wir leben in einer Klimakrise. Die Zeit ist kostbar, und zu viele Regierungen verschwenden sie mit dem Märchen von der Atomenergie. Was wir fordern, ist ein gerechter Übergang zu einem sicheren, erneuerbaren und erschwinglichen Energiesystem, das Arbeitsplätze sichert und das Leben auf unserem Planeten schützt.”

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