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EU-Tierhaltungsstrategie zementiert Umweltbelastung
EU-News | 09.07.2026
#Landwirtschaft und Gentechnik #Tierschutz

EU-Tierhaltungsstrategie zementiert Umweltbelastung

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© Foto: Pixabay

Am 7. Juli hat die EU-Kommission ihre Tierhaltungsstrategie vorgestellt. Sie soll die Zukunft der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Europa beschreiben. Ziel ist es, die europäische Tierhaltung krisenfest, wettbewerbsfähig und nachhaltig zu gestalten, wobei auch dem Tierschutz Rechnung getragen werden soll. Umwelt- und Tierschutzorganisationen sind skeptisch.

Eine Einordnung von Cäcilia Hagenow, DNR

Ein aus Tierschutzsicht zentraler Punkt der Tierhaltungsstrategie ist die schon seit langem versprochene Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung auf EU-Ebene. Als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age mit mehr als 1,4 Millionen Unterstützer*innen, die ein Ende der Käfighaltung fordert, hatte die Kommission bereits 2021 angekündigt, die Käfighaltung zu beenden. Dafür sollte eigentlich bereits 2023 ein Vorschlag zur Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung vorgelegt werden.  

Die Tierhaltungsstrategie greift diese Ankündigung jetzt wieder auf und kündigt an, Ende 2026 konkrete Gesetzesvorschläge für Legehennen und Masthühner vorzulegen. Ein Vorschlag zu Schweinen soll zum zweiten Quartal 2027 folgen. Auch das Ende des sogenannten Kükentötens wird in Aussicht gestellt. Parallel hat die EU-Kommission einen Protein-Aktionsplan veröffentlicht [siehe Kasten unten].

Effizienz statt grundlegendem Umbau und Emissionsreduktion

Die Strategie stellt vor allem die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Ein grundlegender Ab- und Umbau der industriellen Tierhaltung spielt in der Strategie hingegen keine Rolle. 

Beim Umwelt- und Klimaschutz verfolgt die Strategie vor allem einen Effizienzansatz. Anstatt den Umfang der Tierhaltung grundsätzlich zu hinterfragen, setzt die Kommission auf ein optimiertes Nährstoffmanagement sowie technische Innovationen etwa bei Tierzucht, Fütterung und Güllemanagement. Verbindliche Ziele zur Reduktion der Emissionen – unter anderem für das klimaschädliche Methan – enthält die Strategie hingegen nicht. 

Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Tierhaltung steht, reicht dieser Ansatz jedoch nicht aus. Noch immer leiden Millionen von Tieren unter nicht artgerechten Haltungsbedingungen. Gleichzeitig trägt die Tierhaltung erheblich zur Klimakrise bei und belastet Natur und Umwelt. Eine zukunftsfähige Tierhaltungsstrategie müsste deshalb den Weg für eine nachhaltige und tierschutzgerechte Transformation aufzeigen und diesen dann politisch wie finanziell absichern. 

Technologische Maßnahmen allein werden den notwendigen Wandel nicht herbeiführen können. Dafür braucht es einen grundlegenden Ab- und Umbau der Tierhaltung in Kombination mit Maßnahmen, die konsumseitig wirken: Weniger, dafür besser gehaltene Tiere sowie Ernährungsumgebungen, die eine stärker pflanzenbasierte Ernährung fördern, sind dafür zentrale Bausteine.  

Wenig zukunftsfähige „Verteidigung eines zerstörerischen Status quo“

Insgesamt beschreibt die EU-Kommission in der Strategie vor allem, wie die bestehende Tierhaltung effizienter werden soll, nicht aber wie sie tatsächlich zukunftsfähig werden kann. Entsprechend kritisch fallen auch die Reaktionen zahlreicher Verbände aus. 

Das Europäische Umweltbüro (EEB) erklärt: „Die Kommission hat ein Flickwerk aus vagen Zielvorstellungen, schwammiger Sprache und den Narrativen der Fleisch- und Milchindustrie vorgelegt – mit nur wenigen konkreten Maßnahmen, die Landwirtinnen und Landwirten dabei helfen, den ohnehin bereits begonnenen und unvermeidlichen Wandel zu bewältigen.“ Angesichts der ökologischen und wirtschaftlichen Krisen lese sich die Strategie „weniger wie ein glaubwürdiger Fahrplan für die Zukunft als vielmehr wie die Verteidigung eines zerstörerischen Status quo“. 

Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Strategie deutlich: „Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“ 

Die Albert Schweitzer Stiftung verweist vor allem auf die Notwendigkeit der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen: „Entscheidend ist nun, dass die angekündigten Reformen nicht bei strategischen Aussagen stehen bleiben, sondern in verbindliche Rechtsvorschläge übersetzt werden. Die Zukunft der europäischen Tierhaltung braucht Planungssicherheit – für Betriebe ebenso wie für den Tierschutz.” 

EU-Kommission:

Reaktionen:

 

Protein-Aktionsplan: Defizite bei Getreide, Ölsaaten und Hülsenfrüchten beheben

Die EU produziert derzeit 67 Millionen Tonnen pflanzliches Eiweiß aus Ackerkulturen und Futterpflanzen und verbraucht gleichzeitig rund 80 Millionen Tonnen für Futtermittel, Lebensmittel und industrielle Zwecke. Der EU-Tierhaltungssektor verbraucht jährlich 74 Millionen Tonnen Eiweiß als Tierfutter. Parallel zur Tierhaltungsstrategie hat die EU-Kommission am 7. Juli einen Protein-Aktionsplan veröffentlicht. Beide Initiativen sollen helfen, strategische Abhängigkeiten zu verringern, die europäische Ernährungssicherheit zu stärken und zu einem stärkeren, widerstandsfähigeren und strategischeren europäischen Agrar- und Lebensmittelsystem beizutragen. Der Protein-Aktionsplan soll dazu beitragen, das Angebot an und die Verwendung von in der EU angebautem Protein zu erhöhen. Im Jahr 2025 stammten nur 25 Prozent des Proteins aus Ölsaaten und Eiweißpflanzen aus der EU. Der Plan zielt darauf ab, den Anteil bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. 
Die Deutsche Umwelthilfe zeigt in ihrem Futtermittel-Radar 2026 übrigens, wie Soja und Palmöl als Entwaldungstreiber wirken.

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