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EU-News | 11.11.2022
#Emissionen #Mobilität

Euro-7-Norm: strenger, länger, mehr Umfang

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c. Klima-Allianz

Die EU-Kommission hat am 10. November neue Euro-7-Normen zur Verringerung der Schadstoffemissionen von Fahrzeugen und zur Verbesserung der Luftqualität vorgeschlagen. Die Regelung ist strenger als bisherige und soll länger gelten. Außerdem werden erstmals auch Emissionen von Bremsen und Reifenabrieb geregelt. Greenpeace kritisiert, dass WHO-Werte unterschritten werden.

Der Vorschlag betrifft Emissionen aus Endrohren sowie von Bremsen und Reifen. Sie trägt auch dazu bei, die neuen, strengeren Luftqualitätsnormen zu erreichen, die die Kommission im Oktober vorgeschlagen hat (EU-News 27.10.2022). Zwar gelte ab 2035 das Aus für neue Verbrenner, allerdings dürften auch 2050 noch mehr als 20 Prozent der Autos und Transporter und mehr als 50 Prozent der schwereren Fahrzeuge auf den Straßen weiterhin Abgase ausstoßen. Batteriebetriebene E-Fahrzeuge verursachten außerdem auch eine Verschmutzung durch Bremsen und Mikroplastik durch Reifen. Euro 7 soll all diese Emissionen verringern sowie die bisher getrennten Emissionsvorschriften für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge (Euro 6) sowie Lastkraftwagen und Busse (Euro VI) ersetzen und vereinfachen.

Die vorgeschlagene Euro-7-Norm umfasst auch eine Erweiterung des Prüfspektrums, wie Kurzfahrten oder Bedingungen bei über 45 Grad Celsius Außentemperatur, verschärfte Grenzwerte und neue Vorschriften für Stickoxidemissionen (NOX) schwerer Nutzfahrzeuge. Die NOX-Emissionen bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen sollen um 35 Prozent im Vergleich zu Euro 6 und um 56 Prozent im Vergleich zu Euro VI bei Bussen und Lastkraftwagen sinken. Außerdem werden es laut EU-Kommission „die ersten weltweiten Emissionsnormen sein", die Grenzwerte für Partikelemissionen von Bremsen und Vorschriften für Mikroplastikemissionen aus Reifen festlegen. Zudem sollen die Anforderungen an die Sauberkeit der Fahrzeuge länger gelten, nämlich eine Dauer von 10 Jahren beziehungsweise 200.000 gefahrene Kilometer Nutzung.

Greenpeace kritisierte, dass Autos mit Verbrennungsmotor auch künftig weit mehr gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid oder Feinstaub ausstoßen, als eine eigene Expertengruppe und die Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen haben. Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup sagte: „Bis zum beschlossenen Verbrenner-Ausstieg der EU im Jahr 2035 rollen noch mehr als zwölf Jahre lang Verbrenner vom Band. Es ist völlig unverständlich, warum die Kommission mit so laxen Grenzwerten mithilft, Autos unnötig dreckig zu belassen.” Parlament und Rat sollten nun dafür sorgen, dass die letzten Verbrenner so sauber wie nur irgend möglich werden, statt die Luft in den Städten weiter zu verpesten, so Austrup.

Der TÜV-Verband begrüßte besonders, dass auch andere gesundheits- und umweltschädliche Emissionen wie Brems- und Reifenabrieb und Regelungen für Elektrofahrzeuge integriert sind. Allerdings seien Nachschärfungen notwendig. „Aus Sicht des TÜV-Verbands sind die zeitlich gestaffelten Bremsstaub-Emissionen zu hoch angesetzt. Schon jetzt können mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten niedrigere Werte erreicht werden”, argumentierte der Verband. Die Dauerhaltbarkeitsprüfung der Antriebsbatterien von Elektroautos sollten aber „in Analogie zu Verbrennerfahrzeugen im Rahmen der Typgenehmigung erfolgen“, das heißt, bevor neue Fahrzeugmodelle in der EU auf den Markt kommen. Ein positiver Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sei dagegen der Wegfall des "Conformity Factor" bei der Abgasmessung im Realbetrieb. Wegen der verbesserten Messtechnik könnten die real gemessenen Emissionswerte des Fahrzeugs zugrunde gelegt werden und es bedürfe keiner Korrekturen mehr.

Der Vorschlag muss nun noch von Parlament und Rat abgestimmt werden. [jg]

EU-Kommission:

Greenpeace kommentiert den Euro 7 Vorschlag der EU-Kommission

TÜV-Verband begrüßt geplante "Euro 7" Gesetzgebung

 

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