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Renaturierung, Anti-Entwaldung, Feuchtgebiete und 3 Milliarden Bäume
EU-News | 15.12.2021
#Wald #Biodiversität und Naturschutz

Renaturierung, Anti-Entwaldung, Feuchtgebiete und 3 Milliarden Bäume

Abholzung
© AdobeStock/Richard Carey
Abholzung im Regenwald

Großes Bündnis fordert übergeordnetes 15-Prozent-Ziel im auf März 2022 verschobenen EU-Renaturierungsgesetz. FERN erwartet, dass auch Fleischprodukte zum Anti-Entwaldungsgesetz der EU gehören sollten. Wetlands International meint, ein starkes EU-Waldgesetz darf Feuchtgebiete nicht vergessen. Das neue MapMyTree-Tool soll helfen, dass bis 2030 drei Milliarden zusätzliche Bäume gepflanzt werden können.

Renaturierung: Gesetz erst 2022, Zivilgesellschaft fordert 15-Prozent-Ziel, #Science4EUrestorenature wächst

Mehr als 150 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben am Dienstag in einem offenen Brief an die EU-Kommission ein übergreifendes flächenbezogenes Ziel zur Wiederherstellung von 15 Prozent der Landfläche, der Flussläufe und der Meeresfläche der EU bis 2030 gefordert. Das große Bündnis aus NGOs – darunter europäische Organisationen wie das Europäische Umweltbüro (EEB) sowie der WWF, der Deutsche Naturschutzring, ClientEarth, Grüne Liga, Global Nature Fund, LNV Baden-Württemberg, Bodensee und Succow Stiftung oder die Deutsche Stiftung Meeresschutz – forderte, dass mindestens

  • 650.000 Quadratkilometer Landfläche,
  • 1.000.000 Quadratkilometer EU-Meeresfläche und
  • 178.000 Flusskilometer wiederhergestellt werden müssten.

Klare, messbare Ziele seien der Schlüssel dafür, diese Gesetzgebung „so ehrgeizig, zweckdienlich und effektiv wie möglich“ zu gestalten. Es reiche nicht, sich auf die Berichterstattung der Mitgliedstaaten im Rahmen der FFH-Richtlinie zu verlassen, da diese unvollständig sei. Es müsse wie beim EU-Klimagesetz ein gesamteuropäisches, konkretes Ziel geben, damit die politische Verpflichtung und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft gelinge.

Das eigentlich für Ende 2021 geplante verbindliche EU-Wiederherstellungsgesetz kommt nun erst im März nächsten Jahres. Es seien noch zu viele Fragen offen, heißt es aus Kreisen der EU-Kommission. Als Termin sei der 23. März 2022 vorgesehen, kurz vor dem Europäischen Rat am 24. und 25. März.

Ebenfalls für ehrgeizige Ziele bei der Naturwiederherstellung spricht sich die Initiative #Science4EUrestorenature aus. Mit Stand 10. Dezember unterstützen 1.329 Einzelpersonen aus der Wissenschaft sowie 30 teils europaweit agierende Expertennetzwerke eine von der Gesellschaft für ökologische Wiederherstellung (SER Europe) getragene entsprechende Erklärung .

Ende November hatten sich schon europäische Jugendorganisationen zum EU-Wiederherstellungsgesetz geäußert (Positionspapier, englisch).

Anti-Entwaldung: FERN kritisiert Ausklammern von Fleischprodukten und fehlende Menschenrechtseinhaltung

Zum Verordnungsvorschlag für entwaldungsfreie Produkte der EU-Kommission (EU-News 17.11.2021) hat Mitte Dezember die Waldschutzorganisation FERN erneut Stellung bezogen. „Die vorgeschlagene Verordnung schließt Fleischzubereitungsprodukte aus, obwohl die Viehzucht 90 Prozent der Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet verursacht. Um die gesamte Abholzung im Zusammenhang mit dem EU-Konsum zu stoppen, muss die Verordnung alle Fleischprodukte einschließen“, forderte Paulo Barreto, Associate Researcher bei IMAZON, Brasilien. Die Tatsache, dass der Vorschlag das internationale Recht zu den Landrechten der Gemeinschaft umgehe und die Einhaltung der (oft unzureichenden) nationalen Gesetze als ausreichend akzeptiere, gebe weiteren Anlass zur Sorge. Nicole Polsterer, Aktivistin für nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion bei Fern, sagte: „Man kann die Entwaldung nicht in den Griff bekommen, ohne die Missachtung von Landrechten zu beseitigen. Das ist, als würde man versuchen, mit auf dem Rücken gefesselten Händen zu ringen. In Brasilien zum Beispiel werden die nationalen Gesetze aufgeweicht, so dass es nicht ausreichen würde, nur diese umzusetzen.“

EU-Waldgesetzgebung muss florierende Feuchtgebiete begünstigen

Die Naturschutzorganisation Wetlands International hat zwar die Vorstöße der EU begrüßt, Waldökosysteme zu schützen und die negative Rolle der EU bei der Einfuhr von Rohstoffen, die mit der Abholzung in Verbindung stehen, zu beenden. Die Organisation warnt aber gleichzeitig vor möglichen Folgen für die bereits belasteten Feuchtgebiete in Europa. Wälder und Feuchtgebiete würden gegeneinander ausgespielt, es sei an der Zeit, sich von diesem binären Denken zu lösen. Bei den kürzlich angestoßenen Initiativen auf europäischer und internationaler Ebene falle auf, dass Waldökosysteme im Vergleich zu Feuchtgebieten unverhältnismäßig stark gefördert würden. Feuchtgebiete verschwänden aber dreimal so schnell wie die Wälder. Ein Beispiel für diese ungleiche Behandlung sei der neue LULUCF-Vorschlag. Während Wälder eine eigene Kategorie für die Emissionsbilanzierung haben, fielen Moore unter die verschiedenen Rubriken Ackerland, Grünland und Feuchtgebiete. Diese Aufteilung der Torfgebiete in verschiedene Kategorien verschleiere die Tatsache, dass entwässerte Torfgebiete für etwa 25 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Emissionen in der EU verantwortlich sind, obwohl sie nur 3 Prozent der Landfläche ausmachten. Darüber hinaus werde die obligatorische Bilanzierung von Feuchtgebieten nach diesem Vorschlag erst 2026 in Kraft treten, was den Mitgliedstaaten weitere fünf Jahre Zeit gebe, ihre Feuchtgebiete ohne Konsequenzen zu zerstören. In der EU-Waldstrategie für 2030 würden Feuchtgebiete oder Torfmoore im gesamten Text mit keinem Wort erwähnt. Dies sei besonders besorgniserregend, wenn es um das Versprechen der Kommission geht, bis 2030 mindestens 3 Milliarden zusätzliche Bäume zu pflanzen. Ohne eine klare Definition, wo und wie dies geschehen soll, könne dieses groß angelegte Baumpflanzungsprojekt zu einer ähnlichen Zerstörung von Feuchtgebieten führen, wie dies in Schottland in den 1970er-Jahren der Fall war, kritisierte Wetlands International.

EU-Kommission:  Startschuss für Baumpflanzaktion von drei Milliarden Bäumen bis 2030 mit „MapMyTree“

Vergangene Woche hat die EU-Kommission zusammen mit der Europäischen Umweltagentur (EEA) die Datenplattform MapMyTree gestartet, die das Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie, bis 2030 drei Milliarden zusätzliche Bäume zu pflanzen, unterstützen soll. Alle Organisationen, die sich unter voller Beachtung ökologischer Grundsätze dem Versprechen anschließen wollen, können ihre gepflanzten Bäume dort registrieren und kartieren. EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius sagte: „Bei unserem Versprechen, drei Milliarden zusätzliche Bäume zu pflanzen, geht es darum, die richtigen Bäume am richtigen Ort und für den richtigen Zweck zu pflanzen. Dies ist ein Teil unserer Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Wir haben jetzt eine Karte und einen neuen Zähler, um die Fortschritte zu überprüfen. Verbände, Nichtregierungsorganisationen und Städte können alle ihre Bäume melden. Drei Milliarden sind eine große Zahl - aber gemeinsam können wir sie Wirklichkeit werden lassen!“ [jg]

Renaturierung:

WWF and over 150 NGOs call for ambitious 2030 targets in upcoming EU nature restoration law und  Offener Brief

Declaration – Scientists in Support for an Ambitious EU Nature Restoration Law

FERN: Commission’s proposed new Regulation means deforestation-free products may soon be on the cards

Wetlands International: Why strong EU forest legislation should give root to thriving wetlands

3 Mrd. Bäume/EU-Kommission: Biodiversity: Three billion additional trees by 2030 – launch of MapMyTree tool

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