Vorbild Utrecht: Fahrradfreundlichste Stadt auf dem Globus

Vor 25 Jahren wurde er zum ersten Mal erstellt: der Copenhagenize-Index für die fahrradfreundlichsten Städte auf unserem Planeten. Das jüngste Ranking von 2025, das alle zwei Jahre durchgeführt wird, liegt vor. Zahlreiche Beispiele zeigen: Eine ökologische Wende in Städten ist möglich, vor allem mithilfe besserer Radinfrastruktur.
Auf den ersten fünf Plätzen liegen europäische Städte, die seit Jahren unermüdlich in sichere, bequeme und alltagstaugliche Radverkehrssysteme investieren. Sie gelten damit als internationale Vorbilder für nachhaltige Mobilität. Die Top Five sind: Utrecht, Kopenhagen, Gent, Amsterdam und Paris. Unter die ersten 30 haben es drei deutsche Städte geschafft: Münster (Platz 7), Bonn (Platz 11), München (Platz 17).
Was misst der Copenhagenize Index?
Anhand von 13 Bewertungskriterien vergibt die Copenhagenize Design Company, eine städtebauliche Beratungsfirma, Noten und Bewertungen an Großstädte weltweit und erstellt eine Liste der Besten. Bewertet werden unter anderem: Fahrradkultur und -infrastruktur, Akzeptanz von Radfahrern, Verkehrsberuhigung, Nutzung und Verteilung des Radverkehrs, politischer Wille und Investitionen. Der Begriff Copenhagenize steht inzwischen als Synonym für die gezielte Förderung des Radverkehrs.
Spitzenreiter Utrecht
Die niederländische Stadt Utrecht hat etwa 380.000 Einwohner und rund 60 Prozent der Menschen nutzen das Fahrrad für die Fahrt ins Zentrum. Knapp die Hälfte aller Strecken, die kürzer als 7,5 Kilometer sind, werden mit dem Rad zurückgelegt.
Über schätzungsweise gut 250 Kilometer geschützter Radwege verfügt die Stadt und auch auf den übrigen Wegen lässt es sich komfortabel radeln. Aber nicht allein die Streckenlänge ist ausschlaggebend für die Auszeichnung als Fahrradstadt der Superlative, sondern auch die entsprechende Infrastruktur, die Akzeptanz durch Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie die Verkehrssicherheit.
In Utrecht gibt es das größte Fahrradparkhaus der Welt: 12.500 Stellplätzen hat das Parkhaus unter dem Hauptbahnhof. Es ist rund um die Uhr geöffnet, und die ersten 24 Stunden parkt man hier kostenlos. Die Stadt plant, die Fahrradstellplätze bis zum Jahr 2030 auf 33.000 aufzustocken und den innerstädtischen Verkehr per Rad zu verdoppeln. Dazu werden zum Beispiel intelligente Ampelsysteme und Überholspuren für E-Bikes – auf den ohnehin schon breiten Radwegen – geschaffen. Rund 60 Prozent der Menschen nutzen das Fahrrad für die Fahrt ins Stadtzentrum.
Münster: Von der Fahrradhochburg zur Klimastadt
Zum Vergleich: In Münster ist das Fahrrad das meistgenutzte Verkehrsmittel: Über 400.000 Fahrräder kommen auf circa 310.000 Einwohner und rollen über ein engmaschiges Radverkehrsnetz. 77 Prozent der Münsteranerinnen und Münsteraner nutzen das Rad täglich beziehungsweise mehrmals die Woche. Am Münsteraner Hauptbahnhof befindet sich mit 3.300 Stellplätzen die größte Radparkstation Deutschlands.
Utrecht kam seinem Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden und die Stadt umweltfreundlich zu gestalten, ein großes Stück näher, indem es dem Rad- und Fußverkehr und der sinnvollen Verknüpfung der Verkehrsmittel Vorrang gewährte. Zum Erfolg führte dabei ein sinnvolles und stimmiges Gesamtkonzept: ein Beleg dafür, dass die konsequente Förderung des Radverkehrs erheblich zum Übergang von motorisierten Metropolen zu lebenswerten Städten beiträgt.
Dieses Ziel verfolgt auch die Fahrradhochburg Münster: Die Stadtverwaltung sowie örtliche Unternehmen, Initiativen, Vereine, Bürgerinnen und Bürger – die gesamte urbane Gesellschaft – wollen Klimastadt werden. Auch Bonn und Münster sind mit ihrer städtischen Mobilitätspolitik schon auf einem guten Weg. [mbu]


