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Vereinfachen statt gestalten: Warum das EU-Arbeitsprogramm für 2027 enttäuscht
EU-News | 05.11.2026
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Vereinfachen statt gestalten: Warum das EU-Arbeitsprogramm für 2027 enttäuscht

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© EEA
Klima- und Biodiversitätskrise stellen ganz Europa vor große Herausforderungen, die das Arbeitsprogramm der EU-Kommission nur unzureichend adressiert

Wer das Arbeitsprogramm für 2027 liest, erkennt schnell das zentrale Leitmotiv der EU-Kommission: Vereinfachung. In fast allen Politikbereichen werden bestehende Regelungen auf den Prüfstand gestellt, Verfahren beschleunigt und neue Bürokratieabbaupakete angekündigt. Das mag auf den ersten Blick vernünftig erscheinen. Doch gerade im Umwelt- und Klimabereich ist Vorsicht geboten. Denn die größten Herausforderungen Europas bestehen derzeit nicht in einem zu ambitioniertem Naturschutz oder einer zu weitgehenden Klimapolitik, sondern in der Klima- und Biodiversitätskrise selbst. 

Eine Einordnung von Elena Hofmann, DNR-EU-Koordination 

Doch die EU-Kommission setzt beim Klimaschutz lieber auf Aufschub und Vereinfachung. Das Gesetzespaket, das die Klimapolitik für die Zeit nach 2030 regeln soll, wurde ins nächste Jahr verschoben. Die Energiegesetze dieses Pakets sieht die EU-Kommission ausdrücklich als Ansatzpunkt für weitere Vereinfachungen. Das ist kein gutes Signal. Statt sich darum zu kümmern, wie Europa den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt, Energie effizienter nutzt und die Abhängigkeit von fossilen Importen weiter reduziert, liegt der Fokus der EU-Kommission darauf, wie bestehende Vorgaben möglichst einfach gestaltet werden können. 

Klima- und die Naturkrise zusammendenken, Leerstelle: Tierschutz 

Positiv zu bewerten sind dagegen die geplante Europäische Wasserinitiative sowie ein europäischer Hitzeaktionsplan. Angesichts immer häufigerer Hitzewellen, Dürren und Waldbrände braucht Europa dringend bessere Strategien zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise. 

Doch auch hier greift die Kommission zu kurz. Wer Europa widerstandsfähiger gegen die Klimakrise machen will, muss gleichzeitig den Naturschutz stärken. Intakte Moore speichern Wasser und Kohlenstoff, naturnahe Flussauen schützen vor Hochwasser, gesunde Wälder mildern Hitze und Trockenheit ab. Es braucht wirksamen Naturschutz nicht nur, um den rapide voranschreitenden Verlust der Artenvielfalt einzudämmen, sondern auch, um die Folgen der Klimakrise in Europa abzufedern. 

Umso problematischer ist, dass die EU-Kommission eine mögliche Überprüfung der europäischen Naturschutzrichtlinien in Aussicht stellt. Statt die Umsetzung bestehender Gesetze voranzutreiben, stellt die EU-Kommission den Bestand der Vogelschutzrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erneut infrage. Florian Schöne, Geschäftsführer des DNR, warnt deshalb: „Eine Abschwächung des Naturschutzrechts würde unsere Lebensgrundlagen gefährden. Naturschutz ist eine Investition in die Zukunft, die Europas Widerstandskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärkt.“ 

Völlig unberücksichtigt bleibt im Arbeitsprogramm hingegen der Tierschutz. Dabei wird in Brüssel seit Jahren regelmäßig eine Verbesserung der europäischen Tierschutzgesetzgebung in Aussicht gestellt. Erst im Juli dieses Jahres hat die EU-Kommission ihre Tierhaltungsstrategie vorgelegt (EU-News 09.07.2026). Umso ernüchternder ist der Blick auf das Arbeitsprogramm für 2027: Wer darin nach konkreten Initiativen zur Verbesserung des Tierschutzes sucht, wird nicht fündig. Weder für Heimtiere noch für Tiere in der landwirtschaftlichen Haltung sind entsprechende Vorhaben vorgesehen. 

Gefahr eines Wettlaufs nach unten 

Auch hierzu findet der DNR deutliche Worte: „Mit Sorge betrachten wir den vorgeschlagenen ,Pact against Gold-plating'. Er könnte die Mitgliedstaaten daran hindern, über europäische Mindeststandards hinauszugehen und strengere Umwelt- und Naturschutzregeln einzuführen. Damit droht ein Wettlauf nach unten.“ 

Das Arbeitsprogramm für 2027 enthält einige sinnvolle Vorhaben. Insgesamt wirkt die Kommission jedoch erstaunlich ambitionslos. Statt neue Antworten auf die Klima- und Biodiversitätskrise zu entwickeln oder im Tier- oder Verbraucher*innenschutz voranzugehen, konzentriert sie sich vor allem auf die Überarbeitung bestehender Regeln. Vereinfachung kann sinnvoll sein. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Europa genau die Instrumente schwächt, die uns vor den größten Krisen unserer Zeit schützen. Im Gegenteil: Wer heute konsequent in Klima-, Natur- und Umweltschutz investiert, sichert nicht nur unsere Lebensgrundlagen, sondern stärkt auch Europas Wettbewerbsfähigkeit in den Märkten der Zukunft. 

Das sieht das Arbeitsprogramm 2027 vor 

Klima und Energie 

  • Maßnahmen gegen hohe Energiepreise: Die Kommission kündigt ein koordiniertes Vorgehen zur Entlastung von Verbraucher*innen und Unternehmen an. 
  • Marktmechanismus für saubere Wärme: Ein neuer Mechanismus soll den Einsatz von Wärmepumpen fördern und zur Senkung der Energiekosten beitragen. 
  • Klima- und Energierahmen für die Zeit nach 2030 (1. Quartal 2027): Das Paket will ausdrücklich bestehende Regelungen vereinfachen, vermutlich für die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED), die Energieeffizienzrichtlinie (EED) und die Governance-Verordnung. 
  • Methanverordnung: Teile der Verordnung sollen zeitlich verschoben werden. 
  • Kritische Rohstoffe: Geplant ist die Einrichtung einer europäischen Gesellschaft für kritische Rohstoffe, die eng mit dem bestehenden Zentrum für kritische Rohstoffe zusammenarbeiten soll. 
  • Verkehr: Mehrere Vorhaben zielen auf die Vereinfachung bestehender Vorschriften, darunter eine Überarbeitung der Verkehrsgesetzgebung (1. Quartal), eine Vereinfachung von RefuelEU Aviation (2. Quartal) sowie die Überprüfung der CO₂-Standards für schwere Nutzfahrzeuge (3. Quartal). 
  • Gebäude: Mit einem „Housing Simplification Package“ (2. Quartal) sollen Bau- und Sanierungsvorhaben durch den Abbau bürokratischer Hürden erleichtert werden. 

Naturschutz und Klimaanpassung 

  • Europäische Wasserinitiative (2. Quartal 2027): Ziel ist ein besseres Management der Wasserressourcen im Interesse von Bevölkerung, Ernährungssicherheit und Wirtschaft. 
  • Europäischer Hitzeaktionsplan (2. Quartal 2027): Die Kommission will Maßnahmen zur Vorbereitung auf und Bewältigung von Hitzewellen bündeln. 
  • EU-Naturschutzrecht (3. Quartal 2027): Abhängig von den Ergebnissen eines laufenden Stresstests könnten Änderungen an der FFH- und Vogelschutzrichtlinie geprüft werden. 

Bürokratieabbau und weitere Themen 

  • „Pact against Gold-Plating“: Mitgliedstaaten sollen künftig begründen und bewerten, wenn sie bei der Umsetzung von EU-Recht über europäische Mindeststandards hinausgehen (sog. Gold-Plating). Zudem ist ein neuer Kontrollmechanismus im Europäischen Semester vorgesehen, um sogenanntes Gold-Plating zu identifizieren und zurückzudrängen. 
  • Beschleunigung von Genehmigungs- und Planungsverfahren: Für Vorhaben von strategischem Interesse für die EU sind weitere Verfahrensvereinfachungen angekündigt (3. Quartal 2027). 
  • Weitere Vereinfachungspakete: Zusätzliche Entbürokratisierungsmaßnahmen sind unter anderem in den Bereichen Energie (Q1 2027, s.o.), Verkehr (Q1 2027, s.o.), Gebäude (Q2 2027, s.o.), Digitales (Q2 2027), und Finanzmarktregulierung (Q1 2027), geplant. 
  • Tierschutz: Keine Initiativen im Tierschutz