Beratung über Lebensmittelpreise: Erster Schritt gegen unfaire Handelspraktiken

Vergangene Woche haben Vertreter der vier größten Lebensmittelkonzerne in Deutschland mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Wirtschaftsmister Peter Altmaier und Kanzlerin Angela Merkel diskutiert, wie teuer oder billig Lebensmittel sein dürfen. Es ging um faire Handelspraktiken. Staatlich festgelegte Mindestpreise waren allerdings tabu. Stattdessen soll eine Kommunikationsallianz von Landwirten und Handel dafür sorgen, mehr Wertschätzung für die Erzeugung von Nahrungsmitteln zu generieren.

Zudem wurde beschlossen, eine Beschwerdestelle für Lieferanten einzurichten. Dort sollen Lieferanten unfaire Handelspraktiken melden können. Grundlage dafür ist die EU-Richtlinie für "Unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette" (UTP-Richtlinie), die Deutschland bis 2021 umsetzen muss. Sie umfasst zum Beispiel das Verbot kurzfristiger Stornierungen oder verspäteter Zahlungen.
Angesichts des anhaltenden Konflikts zwischen Landwirtschaft, Handel, Gesellschaft und Politik ist dieser Beschluss zumindest ein Anfang.

Umweltorganisationen und Erzeugerverbände reagierten verhalten auf die Ergebnisse des Treffens im Kanzleramt. So plädierte der Tierschutzbund dafür, das Ordnungsrecht so auszugestalten, dass alle die gleichen Voraussetzungen haben, und für eine Förderpolitik, die sich an Tierschutzkriterien orientiert. Dumpingpreisbekämpfung allein reiche nicht, es sei auch eine Fleischabgabe erforderlich, die zweckgebunden für Tierschutzinvestitionen verwendet werden müsse. Denn erst, wenn Landwirte die Umstellung finanziell stemmen könnten, würde nicht nur Tieren geholfen, sondern auch der Umwelt- und Klimaschutz vorangebracht.

Der WWF betonte die Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels. Nur mit ihm könne die Wertschätzung von Lebensmitteln, deren nachhaltige Produktion und die entsprechende Entlohnung gelingen. Aber auch Verbraucher und Landwirte seien in der Pflicht, ihren Beitrag für den Schutz von Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt zu leisten.  

Lebensmittel dürften nicht verramscht werden, mahnte der NABU. Er forderte ein systemisches Umsteuern hin zu einer Preispolitik, die den Wert der Lebensmittel und die damit verbunden Umweltfolgekosten in den Mittelpunkt stelle.

Der Erzeugerverband Demeter verlangt: Schluss mit dem Preiskrieg im Supermarktregal! Und wahre Preise für die Produkte. Denn auf dem Preisschild von herkömmlich erzeugten Waren stünden diese nicht. Das verzerre den Wettbewerb. Die Differenz zwischen den Kosten von Bioprodukten und konventionellen empfinden Verbraucher häufig als sehr hoch. Daher müsse die Politik dafür sorgen, dass diejenigen, die Pestizide herstellen oder anwenden, auch für die ökologischen und sozialen Folgekosten aufkommen. Würden die Folgekosten für Umweltschäden - etwa verunreinigte Gewässer oder Böden - sich auf dem Preisschild widerspiegeln, unterschieden sich die Preise für Bio- und konventionell erzeugte Waren kaum mehr. [mbu]


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