Insektenschutz: Runder Tisch und Bestandsaufnahme

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Am 24. Juni fand per Videokonferenz der zweite Runde Tisch zum Insektenschutz statt. Unter anderem ging es um eine Zwischenbilanz bereits umgesetzter Maßnahmen aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will außerdem noch vor der Sommerpause ein Insektenschutzgesetz auf den Weg bringen. Es soll Regelungen enthalten gegen Lichtverschmutzung, zur Ausweitung des Biotopschutzes zum Beispiel auf artenreiches Grünland und Streuobstbestände, für Gewässerabstände bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie zur Stärkung der Landschaftsplanung.

Am Runden Tisch haben "zentrale Akteure von Verbänden, Ländern, Kommunen und Wissenschaft" sowie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner teil.  Schulze sagte: "Die Ursachen für das Insektensterben sind sehr vielfältig. Wirksamer Insektenschutz muss daher auf vielen verschiedenen Ebenen ansetzen: Handlungsbedarf besteht nicht nur in der Landwirtschaft und auf den Agrarflächen, sondern auch in der Stadt und auf den Grünflächen. Was hilft, ist nicht nur die Ausweitung von Pflanzen- und Biotopschutz, sondern auch weniger Lichtverschmutzung. Nötig sind neben gezielt eingesetzten Finanzmitteln auch Forschung und neue Lösungen für den Insektenschutz. Wir brauchen dringend eine Trendumkehr beim Rückgang der Insekten und ihrer Artenvielfalt. Das gelingt nur gemeinsam. Deshalb ist mir der fortlaufende Dialog mit allen für den Insektenschutz zentralen Akteuren wichtig."

"Wieder ein Runder Tisch ohne Fortschritte" kommentierte der Informationsdienst Agrarheute den Termin. Die Regierung habe sich auf das Vortragen von Tatsachen und bereits zu Beginn der Legislaturperiode festgelegten Zielen beschränkt. Autorin Johanna Michel:  "Die Stellungnahmen von BMU und BMEL nach diesem Runden Tisch erlauben nur eine entmutigende Erkenntnis: Es gibt nach wie vor keine Lösungen für die Wirtschaftlichkeit und den Erhalt kleiner Betriebe nach Inkrafttreten eines Insektenschutzgesetzes."

Der Deutsche Bauernverband (DBV) betonte, dass die "Zukunftsfähigkeit der Betriebe nicht vergessen!" werden dürften. Auch die Versorgungssicherheit mit hochwertigen, heimischen Lebensmitteln müsse bedacht werden. "Ein Tunnelblick auf die pauschale Reduzierung des Pflanzenschutzes und auf eine Verbotspolitik ist auch für den Insektenschutz nicht hilfreich", meinte DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Der WWF beklagte, dass es "zu wenig Tempo für Biene, Falter und Co." gebe, es drohe "Flickschusterei", wenn sich aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz "jeder das auswählt, was passt und weglässt, was stört". Der Ausstieg aus Glyphosat sei ein wichtiges Kernstück des Programms und müsse konsequent und zeitnah umgesetzt werden. "Ich gehe davon aus, dass Bundesministerin Klöckner in den nächsten Wochen die Pflanzenschutzmittel-Anwendungsverordnung anpasst", forderte Diana Pretzell. Landwirte müssten finanziell unterstützt werden, wenn sie Maßnahmen für Insektenschutz umsetzen. Dies gelte insbesondere auch für die vereinbarte Umsetzung des Verbots der Anwendung von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden in Schutzgebieten. Denn die Landwirte seien nicht Teil des Problems, sondern als wichtigste Partner für mehr Insektenschutz in der Agrarlandschaft Teil der Lösung, so Pretzell.

Insektensommer - Zählen Sie mit

Beinahe 5.000 Meldungen über beobachtete Insekten sind bisher beim NABU im Rahmen der Aktion Insektensommer eingegangen. Der erste Zählraum des Insektensommers 2020 ist vorbei und das Meldeformular ist geschlossen. Die zweite Zählung findet vom 31. Juli bis 9. August statt. Egal ob Blattlaus, Fliege oder Schmetterling ­– jeder Sechsbeiner kann gemeldet werden. Um die Vielfalt etwas überschaubarer zu machen, wurden für beide Aktionszeiträume jeweils acht Kernarten ausgewählt, nach denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf jeden Fall suchen sollten. So kann am Ende erkannt werden, wo die eigentlich weit verbreiteten Arten möglicherweise gänzlich fehlen. [jg]

Pressemitteilung BMU Runder Tisch

Bericht auf agrarheute

Reaktion DBV

Reaktion WWF

www.nabu.de/insektensommer