Studie: Wildtierhandel bedroht die Artenvielfalt - DNR fordert Importverbot

Eine im März veröffentlichte Studie von Pro Wildlife hat bestätigt, dass der Handel mit Wildtieren zum Artensterben beiträgt. Die Untersuchung im Auftrag von Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz ist Teil des nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur Bekämpfung des illegalen Artenhandels. Der Umweltdachverband DNR fordert von der Bundesregierung ein Import- und Verkaufsverbot von Wildtieren.

Von mehr als 2.000 verschiedenen nachgewiesenen Arten im Handel unterliegen in der EU zwei Drittel keinen Schutzbestimmungen, wie die Studienautor*innen herausgefunden haben. „Selbst stark bedrohte Arten oder solche, die in ihrem Ursprungsland geschützt sind, können ungehindert in die EU importiert und hier gehandelt werden“, sagte Projektleiterin Sandra Altherr von Pro Wildlife. Im deutschen Heimtierhandel wird ein großes und ständig wechselndes Artenspektrum angeboten. Dabei ist das Internet der bedeutendste Vertriebsweg. Die Artenschutzorganisation sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Nachfrage nach exotischen Heimtieren zu reduzieren. Altherr verwies darauf, dass Informationskampagnen dafür nicht ausreichten. Auf freiwillige Maßnahmen des Handels zu hoffen, sei ebenfalls keine Option. Stattdessen brauche es strengere Gesetze, damit die Artenvielfalt nicht weiter geplündert wird, und Strategien zur Reduzierung der Nachfrage.

Dem stimmt DNR-Vizepräsidentin Undine Kurth zu: „Deutschland hat als ein Schlüsselland für den Handel mit Wildtieren, die jedes Jahr zu Hunderttausenden aus aller Welt für den europäischen Heimtiermarkt importiert werden, eine besondere Verantwortung für ein sofortiges Einfuhr- und Verkaufsverbot auf nationaler und europäischer Ebene".

Für die Studie hat Pro Wildlife von Sommer 2017 bis Sommer 2019 den Handel mit Reptilien, Amphibien und Säugetieren und dessen Folgen für den Heimtiermarkt untersucht.

Bereits am 20. März forderten Tier- und Artenschutzverbände gemeinsam mit dem DNR in einem offenen Brief Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf, sich für ein Importverbot für Wildtiere einzusetzen. Neben dem Schutz der Biodiversität geht es den Verbänden auch um Gesundheitsschutz und die Verhinderung der Ausbreitung zoonotischer Viruserkrankungen. [mbu]

Studie „Strategien zur Reduktion der Nachfrage nach als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“

Dossier Exotische Haustiere

Gemeinsamer Verbändebrief zu Importverbot von Wildtieren

DNR-Pressemitteilung zum Wildtierimportverbot vom 02.04.2020